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Denner spielt gerne im Team — Von Matthias Jekosch –

1. Juli 2012 | 9:25 Uhr

Stuttgart (dapd). Volkmar Denner sagt von sich selbst, er wäre ein schlechter Diplomat. Zu direkt ist der gebürtige Schwabe, der am Montag den Vorsitz der Geschäftsführung bei Bosch übernimmt. "Ich bin ein Teamplayer", findet er.

Seine Bereitschaft, im Team zu spielen, zeigte der 55-Jährige wenige Tage vor seinem Amtsantritt bereits am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter. Ihm sei "die große Verantwortung für das Unternehmen mit seinen mehr als 300.000 Mitarbeitern und ihren Familien sehr bewusst", heißt es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur dapd vorliegt. "Ich stelle mir vor, dass wir überraschende innovative Lösungen stärker in offener kritischer Diskussion entwickeln, im Führen durch Fragen und weniger über umfangreiche Präsentationen", schreibt er weiter.

Eigentlich wollte Volkmar Denner ja Professor werden. "Ich bin mit Herzblut Physiker gewesen", sagt er. Doch daraus wurde nichts, es gab keine Perspektiven in dem Job, erzählt er. Stattdessen führt er jetzt mit Bosch den größten Automobilzulieferer der Welt und einen Technologiekonzern, der mit Produkten wie Elektrowerkzeugen, Solarzellen oder eBikes bis hin zu Sicherheitstechnik nahezu jeden Lebensbereich berührt.

In einem Punkt will er seinem Vorgänger Franz Fehrenbach nacheifern. "Ich will das Vorleben der Bosch-Werte weiterführen, das hat er vorbildlich gemacht", findet Denner. Er betont stets, dass er für Kontinuität in der Geschäftsführung steht. Die kennt er selbst bestens. Der in Uhingen geborene Denner ist seit 1986 in der Bosch-Gruppe und baute die Halbleitertechnologie im Konzern mit auf. Als Technik- und Forschungschef ist er bereits seit sechs Jahren für die Entwicklung neuer Technologien im Konzern verantwortlich. Zudem verantwortet er die Fahrzeugelektronik.

Zwtl.: Unter Denner treibt Bosch Vernetzung voran

Gleichzeitig will er aber auch eigene Schwerpunkte setzen, betont der Vater von drei Söhnen. Unter Denner setzt das Unternehmen künftig voll auf die Vernetzung. Technische Geräte würden in Zukunft über das Internet selbstständig mit ihrer Umwelt kommunizieren, sagte Denner im April. "Dafür schaffen wir bereits die erforderlichen Voraussetzungen", sagte er weiter.

Eine wesentliche Rolle spiele hierbei das Software- und Systemhaus bei Bosch, das in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. Bis zum Jahr 2015 soll dort die Mitarbeiterzahl von derzeit 450 auf 1.000 Beschäftigte steigen. Mit den Bosch-Produkten will er künftig mehr begeistern, den Nutzer in den Mittelpunkt stellen, schon heute wissen, was er morgen will. Wenn man ihm zuhört denkt man unweigerlich an eine "Appleisierung" von Bosch. Der amerikanische Computerkonzern hat es verstanden, Nutzerbedürfnisse frühzeitig zu erkennen. "Und wir können das auch", meint Denner.

Er will sich ganz auf seine Rolle als Unternehmenslenker konzentrieren. Das Diplomatische - das Politische - überlässt er lieber Fehrenbach. Der hatte sich bereits als Vorsitzender der Geschäftsführung zunehmend in öffentliche Diskussionen wie die Staatsschuldenkrise eingebracht und soll dies auch in seiner neuen Rolle weiter tun: Er übernimmt ab Montag den Vorsitz im Aufsichtsrat und in der Robert Bosch Industrietreuhand KG, des Gremiums, das die Mehrheit der Stimmrechte bei Bosch kontrolliert.

Die Zusammenarbeit zwischen G1 - so wird der Vorsitzende der Geschäftsführung boschintern genannt - und dem Aufsichtsratsvorsitzenden - A1 genannt - ist traditionell sehr eng. Denner und Fehrenbach werden sich also häufig besprechen - im Teamplay.

dapd.djn/T2012063051482/mje/mwo

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