US-Banken kaufen günstig Kredite von europäischen Banken auf — Von Christian Berthelsen –
26. Juni 2012 | 12:45 UhrFrankfurt/Main (dapd). Die europäische Bankenkrise eröffnet amerikanischen Instituten viele Möglichkeiten, auf dem alten Kontinent auf Einkaufstour zu gehen. Nun griff die US-Großbank Wells Fargo bei der vor der Zerschlagung stehenden WestLB zu: Die US-Bank kauft ein Kreditportfolio im Volumen von sechs Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro), das größtenteils Finanzierungszusagen an amerikanische Beteiligungsunternehmen und Immobilienfonds enthält.
Erst in der vergangenen Woche waren zwei ähnliche Transaktionen europäischer Banken angekündigt worden, die unter der Krise und steigenden Eigenkapitalanforderungen leiden. Die New Yorker Citigroup übernimmt einen Teil des Schiffkreditportfolios der französischen Société Générale, und die Commerzbank-Tochter Eurohypo verkauft ein 760 Millionen Dollar schweres Portfolio mit US-Immobilienkrediten an U.S. Bancorp, Wells Fargo Bank und die Beteiligungsgesellschaft Blackstone.
Vor allem Wells Fargo hat sich in Europa nach amerikanischen Assets zum Schnäppchenpreis umgesehen. Viele europäische Banken trennen sich von Vermögenswerten, um Kapital aufzunehmen und ihre Bilanz angesichts der Wirtschaftskrise in der Euro-Zone zu stärken. Die in Kalifornien beheimatete Wells Fargo hatte bereits von der französischen Großbank BNP Paribas, Allied Irish Banks und Bank of Ireland Kreditbestände aufgekauft.
Zwtl.: Einige US-Banken schwimmen im Geld
Die Transaktionen verdeutlichen die zunehmend unterschiedliche Lage der Banken in den USA und in Europa. Während die europäischen Institute mit wackeligen Krediten und steigendem Liquiditäts- und Kapitalbedarf zu kämpfen haben, schwimmen einige US-Banken im Geld und suchen Investitionsmöglichkeiten mit besseren Renditen als ansonsten im aktuellen Niedrigzinsumfeld erzielbar sind.
"Die Marktverwerfungen in Europa haben definitiv Möglichkeiten für US-Banken geschaffen", sagte Dave Hoyt, Leiter der Geschäftskundensparte bei Wells Fargo. Die Bank sei weiter gut positioniert für selektive Zukäufe. Von der WestLB übernimmt Wells Fargo auch das neunköpfige Mitarbeiterteam in New York. Die Konditionen der Transaktion wurden nicht bekannt.
"Es ist die jüngste in einer Reihe von Akquisitionen von Portfolios europäischer Banken, die sich von ihren US-Krediten und -Geschäften trennen", sagte Joe Morford, Managing-Director und Analyst bei RBC Capital Marktes. "Es ist eine Möglichkeit, ein Portfolio an Assets mit attraktiven Renditen zu kaufen und Beziehungen zu einem Kunden aufzubauen, dem sie weitere Angebote machen können."
Die WestLB erhält durch den Deal dringend benötigte Mittel, um ihre Finanzen zu stärken. Die Landesbank verbucht schon seit drei Jahren Verluste. Sie wird nun zerschlagen und in die drei Teile Verbundbank, Bad Bank und Portigon Financial Services AG - ihre rechtliche Nachfolgerin - aufgespalten. Im Zuge der Zerschlagung verschwindet der Name WestLB vom Markt.
(Christian Berthelsen ist Korrespondent der Nachrichtenagentur Dow Jones)
dapd.djn/T2012062600324/ph/mwa
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