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Angriff der Internet-Konkurrenz zwingt Otto-Versand zu Preissenkung — Von Claus-Peter Tiemann –

20. Juni 2012 | 18:15 Uhr

Hamburg (dapd). Während sich die Kunden des Otto-Versands dieses Jahr auf Preissenkungen freuen dürfen, geht bei Mitarbeitern die Angst vor einem Blauen Brief um: Das größte deutsche Versandhaus will mit einer Doppelstrategie aus Jobabbau und niedrigeren Preisen die immer aggressiveren Angriffe der Herausforderer aus dem Internet stoppen. "Wir werden Preise gezielt senken", sagte Otto-Vorstandsvorsitzender Hans-Otto Schrader am Mittwoch in Hamburg.

Gleichzeitig will der Versandhausriese seine drei Kernmarken Otto, Schwab und Baur enger zusammenführen. "Dabei wird es auch zu Arbeitsplatzverlusten kommen", sagte Schrader, nannte aber keine Größenordnung. An den Standorten Hamburg, Hanau und Burgkunstadt seien viele Jobs doppelt besetzt, was Einsparungen möglich mache. Das Sanierungsprogramm unter dem Namen Fokus mach die geplante Preisoffensive überhaupt erst möglich, sagte Schrader.

Der größte deutsche Versender reagiert mit der Preissenkung darauf, dass immer mehr Kunden über Suchmaschinen im Internet nach den billigsten Angeboten suchen und Otto dabei oft hinten liegt. Die Preissenkungen sollen ab Oktober rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft eingeführt werden. Schrader machte keine Angaben dazu, welche Produktgruppen billiger werden sollen.

Der Otto-Versand zeigte zuletzt in Deutschland erhebliche Schwächen: Der Universalversender verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von 1,3 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. Der gesamte deutsche Versandhandel legte dagegen um mehr als zwölf Prozent zu. Innerhalb der Otto-Gruppe liefern Spezialfirmen wie Sport-Scheck bessere Zahlen.

Schrader will trotzdem am sogenannten Universalversand festhalten, der von Stützstrümpfen bis Computern alles bereithält. Nach seinen Angaben war der deutsche Otto-Versand trotz Umsatzverlusten profitabel. "Wir haben auf unprofitable Umsätze verzichtet", sagte er. Nach Einschätzungen aus Handelskreisen machen vor allem Internet-Herausforderer wie der Schuhversand Zalando Druck auf Otto, weil sie weniger auf die Rendite achten und Marktanteile gewinnen wollen.

Trotz leicht gesteigerter Umsätze von weltweit 11,6 Milliarden Euro brach bei dem Handels- und Dienstleistungskonzern im vergangenen Geschäftsjahr der Nettogewinn um rund 90 Prozent ein auf nur noch 23 Millionen Euro. Die Ursache dafür liegt vor allem im Ausland.

Zwtl.: Ausliefer-Tochter Hermes gedeiht

Denn viel größer als in Deutschland sind die Probleme für Otto bei der französischen Tochter 3 Suisses. Bei einem um fast 6 Prozent gefallenen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro fuhr die Tochter mehr als 100 Millionen Euro Verluste ein. "Wir wollen das in Ordnung bringen", sagte Schrader und kündigte eine Sanierung an. Otto will sich dazu auch von unrentablen Geschäften in Frankreich trennen.

Weitere 160 Millionen Euro kosteten Otto höhere Rohstoffpreise, die nicht vollständig an die Kunden weitergereicht werden konnten.

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Viel Freude macht dem Konzern dagegen die Dienstleistungstochter Hermes, die erstmals mehr als 1 Milliarde Euro umsetzte und profitabel ist. Die Finanzdienstleitungen, also vor allem Ratenkredite für Otto-Kunden, wuchsen sogar um 17 Prozent auf 530 Millionen Euro.

Gut lief es auch im Wachstumsmarkt Russland: Der Umsatz stieg um 35 Prozent auf 490 Millionen Euro. Ein ähnliches Wachstum soll nun in Brasilien folgen, wo die Otto Group innerhalb von fünf Jahren auf ein Umsatzvolumen von 500 Millionen Dollar wachsen will.

Im laufenden Jahr rechnet Firmenchef Schrader mit leichtem Umsatzwachstum, sowie einem Wachstum des operativen Gewinns. Ob auch der Nettogewinn steigen wird, sagte er nicht.

dapd.djn/T2012062050794/ti/mwo

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