Deutsche Windkraftbranche ohne Angst vor chinesischer Konkurrenz — Von Jürgen Voges –
24. April 2012 | 18:05 UhrHannover (dapd). Die Hannover Messe hat am Dienstag im Zeichen der Energiewende gestanden. Auf der weltgrößten Technikschau ging es um den Umbau des Stromnetzes, um Stromsparmöglichkeiten in Industrie und Gewerbe und um die Zukunft der deutschen Windkraftbranche. Die deutschen Hersteller von Windkraftanlagen wollen ihre internationale Vorreiterrolle auch gegen chinesische Konkurrenz behaupten. Die Branche sei hervorragend aufgestellt, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers, in Hannover.
Chinesische Billigimporte, wie sie die Solarbranche erlebt habe, müssten die deutschen Hersteller von Windkraftanlagen nicht fürchten, sagte Albers. Mit Ausnahme eines Projekts in Irland sei ihm keine Anlage in Europa bekannt, an dem ein chinesisches Unternehmen beteiligt sei, betonte er. Technisch seien deutsche Windräder Weltspitze.
Zuvor hatte allerdings der Vorstandsvorsitzenden der TÜV Rheinland, Manfred Bayerlein, in der "Financial Times Deutschland" vor der aufstrebenden chinesischen Windkraftindustrie gewarnt. "In der Technologie liegt sie einige Jahre zurück, aber die Produkte sind jetzt schon wirtschaftlich", sagte er.
BWE-Präsident Albers verwies auf den Index der Beratungsagentur IHS zu den 2011 weltweit installierten Windkraftanlagen. Danach befinden sich allerdings unter den zehn größten Windradherstellern der Welt fünf Unternehmen aus China. Die Firma Sinovel lag im Jahr 2011 hinter dem dänischen Weltmarktführer Vestas auf dem zweiten Platz. Vestas lieferte 12,7 Prozent der weltweit installierten Windkraftleistung, Sinovel 9,0 Prozent. Gegen Exporte von Windkraftanlagen aus China nach Deutschland sprächen aber die hohen Transportkosten von Windradkomponenten, sagte Albers. Der chinesische Heimatmarkt von Sinovel bilde derzeit die Hälfte des gesamten Weltmarkts.
Zwtl.: Elektroindustrie für Stromsparen und neue Netze
Die Elektroindustrie verlangte auf der Messe einen Umbau des deutschen Stromnetzes. Eine Energiewende, mit dem Ziel 80 Prozent des Stromes erneuerbar zu erzeugen, sei machbar, sagte der Vorsitzende des Fachverbandes Energietechnik, Ralf Christian. Dafür müsse aber das Netz so ausgebaut werden, dass es zum Ausgleich von Schwankungen bei der Erzeugung Strom europaweit transportieren könne. Zudem seien kleinräumige intelligente Netze nötig, um den Verbrauch preislich zu steuern.
Der Fachverband sprach sich für ein deutsches Höchstspannungsnetz auf Gleichstrombasis aus, das sich am Ende in ein europäisches Übertragungsnetz einfügen soll. Kleinräumige Netze sollten variable Stromtarife mit Anreizen zur Verbrauchsverlagerung ermöglichen, erklärte er. Eine flexible Regelung bestehender Kraftwerke könne helfen, Schwankungen bei der Erzeugung erneuerbarer Energie auszugleichen. Notwendig seien Stromspeicher, um überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen zeitweise aufzufangen.
Der Stromverbrauch in Deutschland könnte nach Angaben eines anderen Fachverbandes der Elektroindustrie allein durch Einsatz effizienter Elektromotoren in Produktion und öffentlichen Gebäuden um sieben Prozent sinken. In Deutschland liefen in Gewerbe, Industrie und öffentlichen Einrichtungen rund 35 Millionen Elektromotoren, berichtete der Fachverband Automation auf der Hannover Messe.
Wenn man diese durch Energiesparmotoren ersetze und wo sinnvoll mit elektronischer Drehzahlregelung versehe, könnten 38 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr eingespart werden. Durch den Einsatz moderner Prozess-, Steuer- und Regeltechnik in Fertigungs- und Entsorgungsanlagen könnte der Stromverbrauch um weitere 50 Milliarden Kilowattstunden gesenkt werden. Das Einsparpotenzial von zusammen 88 Milliarden Kilowattstunden entspricht 16 Prozent des jährlichen deutschen Stromverbrauchs.
dapd.djn/T2012042250165/jvo/mwa
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