Allianzen fürs mobile Internet — Von Daniel Bouhs –
27. Februar 2012 | 18:15 UhrBarcelona (dapd). Bret Taylor hört gar nicht mehr auf zu schwärmen. Das rasante Wachstum der Smartphones sei "die wichtigste technologische Entwicklung seit der Erfindung des Internets", sagt Taylor, der als Cheftechniker von Facebook immerhin eine Plattform betreut, die weltweit mehr als 800 Millionen Menschen nutzen - darunter, rein rechnerisch, jeder vierte Bundesbürger.
In Barcelona ist an diesem Montag die Mobilfunkszene zu ihrer alljährlichen Leistungsschau zusammengekommen. Taylor ist einer von mehreren Dutzend Rednern, die auf dem Mobile World Congress über die Zukunft reden. Und schon zu Beginn der vier Tage wird klar: Vielen geht es vor allem darum, endlich Standards für das mobile Web zu schaffen.
"Wir möchten, dass jedes Smartphone denselben Standard unterstützt", sagt Taylor und projiziert die Logos von Geräteherstellern, Plattform- und Netzbetreibern an die Wand. Allein Facebook kündigt in Barcelona zwei Allianzen an. Eine dieser Kooperationen soll dafür sorgen, dass Internetseiten auf verschiedenen Geräten nicht mehr unterschiedlich aussehen. Eine andere will das Bezahlen im Digitalen vereinfachen.
Zwtl.: Branchenweite Zusammenarbeit für SMS-Nachfolger
Nach Hochrechnungen der IT-Analysten von Gartner war 2011 schon jedes dritte verkaufte Handy weltweit ein Smartphone. Diese Geräte hängen permanent nicht nur am Telefonnetz, sondern auch am Internet. Vieles, was einst modern war, wirkt nun altbacken - zum Beispiel die SMS. Sie ist genau 20 Jahre alt und nach wie vor auf 160 Zeichen begrenzt. In Barcelona ist deshalb ihr Nachfolger zu sehen: Joyn.
Der Dienst Joyn soll im Sommer zunächst in Spanien starten, dann auch in Deutschland. Netzbetreiber und Hersteller bilden dafür eine weitere Allianz. Sie stellt sicher, dass Joyn auch zum Nutzer kommt. Dafür wird der neue Dienst bald auf vielen Geräten vorinstalliert sein. Mit dabei sind Schwergewichte wie Samsung, Sony, HTC und der Blackberry-Hersteller RIM. Offen ist allein noch, ob Apple mitspielt. Apple ignoriert schon seit Jahren alle klassischen Messen - und schweigt.
Zwtl.: Automobilbranche sucht Nähe zu Mobilfunkern
Dabei enden die Allianzen noch nicht mal in der Mobilfunkbranche. Unter den vielen bunten Ständen - dem knalligen Rot von Vodafone, dem leuchtenden Blau von Nokia und dem intensiven Orange des gleichlautenden Netzbetreibers - findet sich auch dies: der Stand des US-Autogiganten Ford. Auch er will paktieren.
Mahnende Worte sind es, die von Verwaltungsratschef Bill Ford auf dem Messegelände in Barcelona über viele Displays von Smartphones und Tablet-Computer laufen. Ford warnt an diesem Montag in einer Wirtschaftszeitung vor einem "globalen Auto-Verkehrsinfarkt". Am Abend wurde er auf dem Kongress für einen Vortrag erwartet.
Was macht ein Autohersteller auf einer Mobilfunkmesse? Fords Idee, wohlbedacht vorauseilend platziert: Weil sich die Zahl der Fahrzeuge bis 2050 weltweit auf vier Milliarden vervierfachen könnte, brauche es neue Konzepte, die alle Verkehrsteilnehmer einbinden und sie intelligent miteinander vernetzen.
"Wir müssen die Fahrzeuge auf der Straße jetzt genauso betrachten wie Smartphones, Laptops und Tablets: als Teile eines viel größeren, reicheren Netzwerks", sagt Ford. An der Fira Montjuïc bahnt sich die nächste Allianz an.
dapd.djn/T2012022750102/dbo/pon
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