USA beteiligen sich an deutscher Kernfusionsforschung — Ralph Sommer –
7. Juli 2011 | 15:35 UhrGreifswald (dapd). Das im Zuge der Energiewende vor allem von Grünen-Politikern infrage gestellte Kernfusions-Forschungsprojekt "Wendelstein 7-X" in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern erhält eine kräftige Finanzspritze. Nach Angaben des Max-Planck-Instituts vom Donnerstag kündigten US-amerikanische Forschungsinstitute den Einstieg in das im Aufbau befindliche Vorhaben an. Demnach stellen die Partner bis 2013 Zulieferungen im Umfang von mehr als 7,5 Millionen Dollar (knapp 5,3 Millionen Euro) für die Fertigstellung der Anlage zur Verfügung.
Mit "Wendelstein 7-X" sollen Voraussetzungen für ein neuartiges Kraftwerk getestet werden. Es soll - ähnlich wie die Sonne - aus der kontrollierten Verschmelzung von Atomkernen Energie gewinnen. Dazu muss es gelingen, den Brennstoff - ein dünnes ionisiertes Wasserstoffgas - nahezu berührungsfrei in einem Magnetfeldkäfig einzuschließen und das sogenannte Plasma anschließend auf Zündtemperaturen über 100 Millionen Grad aufzuheizen.
Insgesamt kostet das bislang vom Bund, dem Land und zu 45 Prozent von der Europäischen Union (EU) finanzierte Projekt 377 Millionen Euro.
Zwtl.: Zusatzspulen und Messgeräte aus Übersee
Der Vereinbarung zufolge wird das Princeton Plasma Physics Laboratory in New Jersey bis 2012 fünf Zusatzspulen im Wert von 4,3 Millionen Dollar entwickeln und liefern. Die fenstergroßen Magnetspulen, die an der Außenhülle der ringförmigen Anlage angebracht werden, sollen helfen, die Magnetfelder so einzustellen, dass das Plasma die gewünschte Form exakt beibehält.
Das Oak Ridge National Laboratory in Tennessee übernimmt die Konstruktion spezieller wassergekühlter Platten, die Wärmelasten von bis zu 20 Megawatt pro Quadratmeter aufnehmen können. Mit den zusätzlich in die Planung aufgenommenen Bauteilen könne die Anlage längere Zeit in Dauerbetrieb gehalten werden, sagte eine Sprecherin. Messgeräte zur Beobachtung des Plasmas sollen zudem aus dem Los Alamos National Laboratory in New Mexico kommen.
Zwtl.: Erste Versuche ab 2015
"Wendelstein 7-X" soll voraussichtlich in vier Jahren in Betrieb gehen. Am Aufbau sind derzeit mehr als 400 Spezialisten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Russland beteiligt. Das Projekt gilt als voraussichtlich letzte Laborvariante für ein Fusionskraftwerk des in den USA entwickelten sogenannten Stellerator-Typs.
Das wahrscheinlich erste Fusionforschungskraftwerk ist der Internationale Themonukleare Experimentalreaktor ITER. Die fünf Milliarden Euro kostende Anlage des in Russland entwickelten Tokamak-Typs wird derzeit im französischen Cadarache gebaut. Das von der EU, Japan, Russland, China, Südkorea, Indien und den USA finanzierte Projekt soll 2018 in Betrieb gehen. Mit dem ersten industriemäßig arbeitenden Fusionskraftwerk rechnen Experten ab 2050.
dapd.djn/som/mwa
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