. .

Krisen-Experte: Die Ölkatastrophe wird an BP haften bleiben

18. April 2011 | 15:05 Uhr

Kiel (dapd). Sein negatives Image wird der britische Ölkonzern BP laut einem Krisenforscher auch ein Jahr nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nicht abschütteln können. "Das Unternehmen wird auch jetzt keine Möglichkeit finden, die Verbindung zwischen 'Deepwater Horizon' und BP zu entflechten", sagte der Leiter des Kieler Instituts für Krisenforschung, Frank Roselieb, am Montag der Nachrichtenagentur dapd. Dass man direkte Auswirkungen an der Küste nicht mehr sehe, ändere wenig daran.

Dem Experten zufolge hat das Unternehmen drei schwere Fehler beim Krisenmanagement gemacht. Anfänglich habe der Konzern Erwartungen geschürt, die er nicht habe erfüllen können. "BP hat durch seine offensive Kommunikation den Eindruck erweckt, das Problem in wenigen Wochen lösen zu können. Dann mussten sie ihre Zahlen laufend nach oben korrigieren", sagte Roselieb.

Mehr zum Thema:

Des weiteren habe der Konzern zu sehr auf die Darstellung in den Medien geachtet und dabei den Kampf gegen die Ölpest und deren Folgen vernachlässigt. "Tage nach der Katastrophe konnte man auf der Homepage des Konzerns Bilder von weißen Stränden sehen, von Öl keine Spur", sagte Roselieb. Durch Bilder eine Katastrophe zu beschönigen, schade der Glaubwürdigkeit.

Zuletzt sei das Unternehmen daran gescheitert, die Katastrophe in seine langfristige Kommunikationsstrategie einzubinden. "BP versucht seit Jahren, sein grünes Image zu fördern", sagte Roselieb. "Doch mehrere Unglücke in Folge waren zu viel für den Geduldsfaden der Amerikaner." So sei "Deepwater Horizon" das dritte nordamerikanische BP-Unglück seit 2005 gewesen. "Bei den vorherigen in Texas und Alaska wurde BP wegen mangelhafter Wartung zu Strafzahlungen verurteilt." Das Unternehmen gelte insofern schon länger als risikofreudig.

Im Vergleich zum Atomunglück in Japan sei bei BP jedoch mehr Offenheit unabdingbar gewesen. "In Japan wissen nur Tepco und die Regierung, was im Kernkraftwerk wirklich passiert", sagte Roselieb. "Am Golf von Mexiko war es für jeden sichtbar."

dapd.djn/mer/ph/

Abgelegt unter: · · ·
Zum Seitenanfang

  • die neue Welle Webradio
  • Boulevard Baden auf Facebook

  • Was trauen Sie dem KSC in der Zweiten Liga zu?

    Ergebnis ansehen

    Loading ... Loading ...