Ex-Partner Gribkowskys sagt bei Staatsanwaltschaft aus
5. Februar 2011 | 13:10 UhrMünchen/Hamburg (dapd). In der Affäre um den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB hat ein früherer enger Geschäftspartner den ehemaligen Bankmanager Gerhard Gribkowsky angeblich schwer belastet. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag berichtete, sagte Gerald Toifl, der als Geschäftsführer der Gribkowsky-Firmen und Vorsitzender von dessen Stiftungen firmierte, umfangreich bei der Staatsanwaltschaft München aus. Der österreichische Anwalt habe detailliert geschildert, wie der Ex-Banker ihn dazu gedrängt habe, Druck auf den britischen Formel-1-Manager Bernie Ecclestone auszuüben, um ausstehende Honorare einzutreiben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB an Ecclestone 50 Millionen Dollar illegal an "Provisionen" kassiert haben soll. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung.
Derweil gerät Ecclestone nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" weiter unter Verdacht. Mehrere Zeugenaussagen legten nahe, dass Ecclestone es war, der an Gribkowsky 50 Millionen Dollar zahlte, meldete die Zeitung am Samstag. Die Staatsanwaltschaft München prüfe offenbar ein Vorgehen gegen Ecclestone. Die Strafverfolger vermuten, Gribkowsky sei geschmiert worden, damit die Landesbank ihren früheren Formel-1-Anteil viel zu billig verkaufte und Ecclestone weiter Chef der Rennserie bleiben konnte. Gribkowsky sitzt seit einem Monat in Untersuchungshaft.
Die BayernLB hatte, auf Vorschlag von Vorstandsmitglied Gribkowsky, ihre Formel-1-Anteile Ende 2005 an den Investor CVC verkauft. In den folgenden Jahren erhielt der Münchner Banker dann von zwei Briefkastenfirmen ein Beratungshonorar in Höhe von etwa 50 Millionen Dollar. Man sei davon ausgegangen, dass es sich bei den beiden Gesellschaften um "Ecclestone-Firmen" handele, haben der Zeitung zufolge Gribkowskys frühere Vertraute als Zeugen bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt.
Ecclestone hat öffentlich erklärt, er wisse nichts von den Zahlungen an Gribkowsky und habe damit nichts zu tun. CVC hat erklärt, der Einstieg in die Formel 1 sei korrekt abgelaufen. Gribkowsky hat vor seiner Verhaftung öffentlich erklärt, bei seinen Millioneneinkünften sei alles in Ordnung gewesen. Sein Anwalt will sich während der laufenden Ermittlungen nicht öffentlich äußern.
Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat die Affäre um die Zahlungen an Gribkowsky offenbar größere Ausmaße als bislang bekannt. Neben dem Banker soll auch Ecclestone selbst nach dem Verkauf des ehemaligen BayernLB-Aktienpakets Geld bekommen haben. Nach internen Unterlagen der Bank habe der damalige Erwerber, der Finanzinvestor CVC Capital Partners, 837 Millionen Dollar für die 50-Prozent-Beteiligung an der Motorsportgruppe gezahlt - deutlich weniger, als die Anteile nach Vermutung der Staatsanwaltschaft tatsächlich wert waren. In den Büchern der BayernLB seien davon jedoch nur 770 Millionen Dollar angekommen. Eine Tranche von 40 Millionen Dollar soll an Ecclestone persönlich geflossen sein, weitere 27 Millionen Dollar seien angeblich bei dessen Familienfirma Bambino-Holding gelandet.
dapd.djn/mwo/mbr
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