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Zelten im Schatten der Paulskirche

17. Mai 2012 | 17:55 Uhr

Foto: dapd

Frankfurt/Main (dapd). Die 21-jährige Ellen, Studentin der katholischen Theologie, hat ihr kleines blaues Zelt mitten auf dem Frankfurter Paulsplatz aufgebaut. "Ob mir die Paulskirche Schutz für die Nacht bringen wird, weiß ich noch nicht", sagt die Bonnerin. Zusammen mit anderen Demonstranten hat die Theologiestudentin am Donnerstag stundenlang vor dem historischen Kirchenbau in der Innenstadt ausgeharrt. Die Polizei versuchte zunächst erfolglos, die Versammlung aufzulösen, die als Teil der untersagten "Blockupy"-Proteste nicht erlaubt war.

"Der Kessel wurde immer enger, mir ging es dabei miserabel", berichtet Ellen. Ursprünglich hatte das Komitee für Grundrechte und Demokratie zu der Kundgebung auf dem Paulsplatz aufgerufen. Die Veranstaltung wurde vom städtischen Ordnungsamt ebenso untersagt, wie fast alle der von Mittwoch bis Samstag vom "Blockupy"-Bündnis geplanten antikapitalistischen Protestaktionen in Frankfurt am Main. Nur eine Demonstration am Samstag darf stattfinden - alles längst höchstrichterlich bestätigt, Bundesverfassungsgericht inklusive.

Das Grundrechtekomitee gehört dem Bündnis nicht an, aber mehr als 1.000 "Blockupy"- Demonstranten fanden nach Angaben der Veranstalter trotzdem den Weg zur Paulskirche, darunter auch Ellen. Später verschob sich der Protest ein paar Meter weiter Richtung Römerberg. Der Platz vor dem Rathaus war am Nachmittag voller Demonstranten, die Polizei war mit einem großen Aufgebot präsent.

"Mit so viel Druck, so viel Polizei habe ich aber nicht gerechnet", sagt Ellen. Die Einsatzbeamten versuchten, die Versammlung aufzulösen, der Paulsplatz war von Dutzenden blau-weißen Mannschaftswagen umstellt, Polizeiketten drängten die Demonstranten immer weiter zusammen. "Ich bin noch nie in meinem Leben gewalttätig gewesen", sagt die 21-jährige Katholikin. "Mir kamen die Beamten ständig näher, ein Riegel aus gepanzerten Polizisten mit Schusswaffen und Schlagstöcken." Ellen glaubt, dass letztlich allein die vielen Feiertagsspaziergänger eine Eskalation verhinderten.

Sie sei nach Frankfurt gekommen, um Solidarität mit den Protesten zu zeigen, sagt die Studentin. "So wie unsere Welt organisiert ist, bringst sie zu viel Leid, das muss sich ändern." Neben Ellens Campingbehausung stehen am Nachmittag eine Hand voll weitere kleine Zelte.

Die Paulskirche gewährte der Bonnerin am Ende aber keinen Schutz. Am frühen Nachmittag räumte ein plötzlich herbeistürmender Stoßtrupp der Polizei alle Zelte ab. Die Demonstranten versuchten erfolglos, ihre Behausungen durch Umschließung friedlich zu verteidigen. Auf dem Platz vor dem Römer blieben die dort vereinzelt aufgeschlagenen Zelte hingegen zunächst stehen.

dapd

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