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Bundesregierung will Europäer als neuen IWF-Chef

20. Mai 2011 | 13:05 Uhr

Foto: dapd

Berlin (dapd). Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) auch künftig von einem Europäer geführt wird. Dies machten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle sowie Finanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag deutlich, nannten aber keine Namen. Offiziell dementierte die Bundesregierung, dass sie sich bereits auf die französische Finanzministerin Christine Lagarde festgelegt habe.

Merkel sagte, sie glaube, dass es "gute Gründe" dafür gebe, dass der IWF-Posten nach dem Rücktritt von Dominique Strauss-Kahn wieder mit einer "Persönlichkeit aus Europa" besetzt werde. Namen könne sich aber nicht nennen. Es würden bereits Gespräche geführt.

Merkel wird die Personalie nach den Worten ihres Sprechers Steffen Seibert am Montag mit dem Chef der Euro-Gruppe, dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker in Berlin besprechen. Auch Juncker hat sich für eine Besetzung aus Europa ausgesprochen. Möglicherweise wird das Thema auch den G-8-Gipfel beschäftigen, der nächsten Donnerstag in Deauville an der französischen Atlantikküste beginnt.

Zu Berichten, wonach sich die Bundesregierung bereits für Lagarde als neue IWF-Chefin ausgesprochen haben soll, sagte Seibert: Diese "stimmen nicht". Die Entscheidung sei noch nicht gefallen. Merkel sagte allerdings, dass sie die französische Finanzministerin "außerordentlich schätze". Dies sei aber eine "allgemeine Bemerkung". Lagarde gilt als Favoritin für die Nachfolge ihres Landsmannes Dominique Strauß-Kahn an der Spitze des in Washington ansässigen IWF.

Als unbestritten und nachvollziehbar bezeichneten Seibert und der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, die finanzpolitischen Kompetenzen des früheren Finanzministers Peer Steinbrück (SPD). Auf die Frage, ob Steinbrück ein möglicher Kandidat für die Bundesregierung sei, lehnte Kotthaus eine Antwort ab. Der Ex-Bundesbankchef Axel Weber scheidet als möglicher Kandidat offenbar aus. Seibert sagte, Weber sei vorzeitig zurückgetreten und "hat sich auch für keine anderen Ämter angeboten".

Westerwelle sagte im Deutschlandfunk, die Bundesregierung setze sich dafür ein, dass "unser europäischer Einfluss" im IWF nicht abnehme. Auf die Frage, ob es an der Zeit für einen IWF-Chef aus einem Schwellenland sei, sagte er, er wolle darüber nicht spekulieren. Diese Gespräche seien "schwierig genug".

Auch Schäuble äußerte sich nicht über Namen. "Wir brauchen einen gemeinsamen europäischen Kandidaten, und wir suchen den aus, der am besten geeignet ist und der die besten Chancen hat, durchgesetzt zu werden", sagte er. Eine Entscheidung werde "sicherlich bald fallen, denn mit dem Rücktritt von Dominique Strauss-Kahn ist ja der Entscheidungsprozess eröffnet".

dapd

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