Wowereit kritisiert mangelnde Aufarbeitung von DDR-Geschichte
23. Juni 2010 | 21:15 Uhr
Foto: dapd
Berlin (ddp-bln). Zum zehnten Jahrestag der Gründung der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf die Bedeutung der Aufarbeitung der DDR-Geschichte hingewiesen. Die Arbeit der Gedenkstätte sei notwendiger denn je, sagte Wowereit am Mittwoch in Berlin. Gerade bei vielen jungen Menschen in den neuen Bundesländern gebe es Defizite bei der Aufarbeitung, sagte Wowereit mit Blick auf die niedrigen Besucherzahlen von Schülergruppen aus Ostdeutschland.
Wowereit würdigte auch die Arbeit des Direktors der Gedenkstätte, Hubertus Knabe. Er gehöre zu denen, „die nicht immer pflegeleicht sind“. Er habe viele Kontroverse Debatten angestoßen, „aber das gehöre dazu.“ Knabe sagte, er schätze Wowereit dafür, dass er im Gegensatz zu anderen Politikern in der Frage der Beurteilung der SED „nicht wackelt“ und die DDR klar als Unrechtsystem bezeichnet. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Kandidatin der Linken für das Bundespräsidentenamt, Luc Jochimsen, und lud sie zu einem Besuch in der Gedenkstätte ein. Da könne sie sehen, „was ein Unrechtsstaat ist“. Jochimsen hatte es abgelehnt, die DDR pauschal als Unrechtsstaat zu bezeichnen.
Die 1994 gegründete Gedenkstätte befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Großküche, wo nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein sowjetisches Speziallager errichtet wurde. Nach der Schließung des Lagers im Oktober 1946 entstand im Keller des Gebäudes das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland. 1951 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das Gefängnis, erweiterte es 1961 durch einen Neubau und nutzte es bis 1989 als zentrale Untersuchungshaftanstalt. Tausende politisch Verfolgte waren an diesem Ort inhaftiert, darunter fast alle bekannten DDR-Oppositionellen. Im Jahr 2009 zählte die Gedenkstätte 314 000 Besucher.
ddp
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