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Fröhlicher Max Strauß im Zeugenstand

24. Februar 2010 | 14:30 Uhr

Foto: dapd

Augsburg (ddp). Max Strauß ist zurück am Ort seiner jahrelangen juristischen Qualen. Er ist zurück im Landgericht Augsburg, allerdings diesmal nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge. „Das macht mir nix aus“, versicherte der 50 Jahre alte Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Franz Josef Strauß. Er sehe das alles inzwischen „mit allergrößter Ruhe“, sagte Max Strauß am Mittwoch am Rande des Prozesses gegen den früheren Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber. „Ich bin ja sogar ohne Rechtsbeistand hier erschienen“, betonte der Jurist.

Auf der Anklagebank sitzt der Mann, dessen undurchsichtige Aktivitäten Max Strauß in juristische Schwierigkeiten gebracht hatten: sein ehemaliger Duzfreund Schreiber. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft Steuerhinterziehung in Höhe von 24,1 Millionen D-Mark vorgeworfen. Außerdem soll der 75-jährige Deutsch-Kanadier den früheren Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls mit 870 000 D-Mark bestochen haben, um eine Panzerlieferung aus Bundeswehrbeständen nach Saudi-Arabien zu beschleunigen. Pfahls wurde dafür bereits rechtskräftig verurteilt.

„Ich war darin nie involviert“, beteuerte Max Strauß. Lediglich im Zusammenhang mit der Lieferung von Airbus-Jets nach Thailand 1990 habe er Schreiber Kontakte zu Regierungsstellen vermittelt, sagte der Zeuge. Hochrangige Thailänder hätten damals im Münchner Rotlichtviertel „alle Institutionen abgeklappert“, erinnerte sich Strauß aber noch immer sichtlich amüsiert. Provisionen an ihn seien aber nicht geflossen, versicherte er ruhig und bestimmt.

Überhaupt machte der 50-Jährige einen sehr entspannten Eindruck. Immer wieder musste er bei seinen Erinnerungen an vergangene Zeiten sogar lachen. Als er einmal länger über eine Jahreszahl nachdachte, überbrückte er die Pause mit einem fröhlichen „Bing, Bang, Bong“. Und wenn er über seine Geschäftsbeziehungen mit Schreiber erzählte, lehnte er sich in seinem Zeugenstuhl zurück und nahm die Hände ans Revers seines Sakkos. Manch einer fühlte sich dabei an seinen verstorbenen Vater Franz Josef erinnert.

Auch über ihn äußerte sich Max Strauß erstaunlich offen. Der Angeklagte Schreiber habe sich stets im Glanz seines Vaters sonnen wollen und sei nach außen als großer Freund von Strauß aufgetreten. Dabei hätten sich die beiden nur selten bei gesellschaftlichen Anlässen gesehen. Einmal habe Schreiber angedeutet, dass er die CSU mit einer Geldspende versorgen könnte. „Dann zahl halt“, habe sein Vater damals schlicht gesagt. Franz Josef Strauß habe sich „nicht drum gekümmert, wo er das betreffende Geld verdient hat“, sagte sein Sohn. Ob es zu der Spende kam, ist offen.

Vom Vorsitzenden Richter Rudolf Weigell gefragt, ob er jemals Zugriff auf eines der ominösen Konten von Schreiber hatte, beteuerte Max Strauß: „Definitiv nein.“ Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte ihn mit diesem Vorwurf 2004, nach neunjährigen Ermittlungen, vor Gericht gebracht. Seine Verurteilung zu gut drei Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung wurde aber 2005 vom Bundesgerichtshof (BGH) wieder aufgehoben. 2007 nach seinem endgültigen Freispruch sagte Max Strauß über das Verfahren: „Das hätte mich persönlich und wirtschaftlich fast umgebracht.“

Inzwischen sieht er das alles lockerer. „Ist ja auch ein interessantes Leben gewesen“, meinte er am Rande des Schreiber-Prozeses. „Ich hab´s von allen Ecken gesehen.“ Jetzt neige sich der Fall langsam dem Ende zu. „Vielleicht schaffen wir auch noch eine Runde vor dem BGH“, scherzte Max Strauß, dessen Aussagen vor Gericht das zähe Verfahren gegen Schreiber nicht wirklich weiter brachten.

„Ist das richtig, was der Zeuge sagt?“, wollte der Vorsitzende Richter Weigell abschließend vom Angeklagten wissen. Doch Schreiber ließ sich zu keiner Äußerung bewegen. Dazu gebe man „derzeit keine Erklärungen“ ab, sagte Verteidiger Jens Bosbach im Namen seines schweigsamen Mandanten. Die Standardantwort in diesem Prozess.

(ddp)

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