Historisches Gefecht bei Gadebusch
7. Juli 2012 | 16:05 Uhr
Foto: dapd
Gadebusch (dapd-lmv). Kanonendonner und Pulverrauch über Mecklenburg: Etwa 300 als Soldaten verkleidete Darsteller haben am Samstag die Schwedenschlacht bei Gadebusch-Wakenstädt nachgespielt. Nach dem selbstbewussten Vorrücken der dänischen Truppen und ihrer sächsischen Verbündeten schlugen die Schweden wie vor 300 Jahren entschlossen zurück und errangen den historisch belegten Sieg. Mehr als 5.000 Zuschauer nahmen an dem Spektakel teil, wie Frank Rohmann vom Kulturhistorischen Verein Gadebusch der Nachrichtenagentur dapd sagte.
Mit 22 Kanonen und etwa 100 Musketen schossen die Darsteller - dank einer besonderen Genehmigung verwendeten sie dafür echtes Schwarzpulver statt Platzpatronen. "Wir lassen es richtig knallen, aber natürlich gibt es bei uns keine Gefallenen", sagte Rohmann. Vermeintlich getroffene Soldaten sanken aber auch am Samstag zu Boden. Dabei hatten sie es etwas komfortabler als beim historischen Vorbild, das mitten im eisigen Winter stattfand.
Etwa 800 militärhistorisch Interessierte kamen aus dem Ausland, teils in Uniformen gekleidet. Auf dem Schlachtfeld standen "echte" Dänen und Schweden sowie Norweger, Finnen und Russen. Norwegen war einst dänisch, das russische Zarenreich mit Dänemark verbündet und Schweden hatte bis ins 18. Jahrhundert eine Vormachtstellung in Finnland.
Das Gefecht vom 20. Dezember 1712 gilt als die größte Feldschlacht auf Mecklenburger Boden und wichtige Wegmarke im Nordischen Krieg, in dem die Schweden ihre Herrschaft im Ostseeraum ausbauen wollten. Vermutlich mehr als 3.000 Soldaten waren nach zweistündigem Gefecht gefallen, die meisten bei den unterlegenen Schweden.
Ihre Leichen bedeckten teilweise über Monate die gefrorenen Äcker bei Gadebusch, ehe die einfachen Soldaten in einem Massengrab verscharrt wurden, wie Rohmann aus alten Aufzeichnungen lernte. Der Herzog aus Mecklenburg habe für das Wegschaffen der Toten alle Scharfrichter aus dem Umkreis nach Gadebusch beordert. Offiziere fanden ihre letzte Ruhestätte in und vor der Gadebuscher Kirche.
Seit gut 15 Jahren erforscht Rohmann mit einigen Mitstreitern den genauen Hergang der Schlacht. "Wir wühlen im Landesarchiv und in Militärarchiven", sagte der 67-jährige Ruheständler, der als Oberstleutnant bei der Nationalen Volksarmee (NVA) der damaligen DDR diente. Die genauen Frontverläufe könnten sie heute zudem mit Luftbildern nachvollziehen. Viele Monate brüteten sie über dem Ablaufplan für die nachgestellte Schlacht. Zu den Nachfahren des schwedischen Anführers Magnus Stenbock entwickelte Rohmann eine freundschaftliche Beziehung.
In den kommenden Monaten will Rohmann die Forschung vorantreiben. Mitte Oktober wollen rund 14 Historiker nach Gadebusch kommen und sich über die aktuellsten Erkenntnisse zur Schlacht austauschen.
( http://www.schwedenschlacht.de )
dapd
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