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Balanceakt in der U-Bahn

5. Juli 2012 | 8:15 Uhr

Foto: dapd

Berlin (dapd). Es gibt leichtere Jobs als Modeln in einer fahrenden U-Bahn. So wird auf Stöckelschuhen jede überfahrene Weiche und jedes Bremsmanöver zu einem Balanceakt. Für die Models in der Berliner U-Bahn ist es am Mittwochabend mitunter anstrengend - aber sie lächeln tapfer. Am Ende sind viele erleichtert: Kein Sturz, alle flanieren sicher durch den herausgeputzten gelben Zug der Berliner Verkehrsbetriebe.

34 Models wandeln zur Berliner Modewoche über den rollenden Laufsteg, der normalerweise als Personenzug der Linie U 5 zwischen Alexanderplatz und Hönow, dem östlichsten Bahnhof der Berliner U-Bahn, pendelt. 400 Fahrgäste bestaunen bei der Laufstegtour die neuesten Kollektionen. Wie im gewohnten Linienverkehr müssen auch bei der Sonderfahrt viele stehen.

"Eigentlich ist das tägliche U-Bahn-Fahren ein kleines Schaulaufen", meint Alexander van Hessen, Geschäftsführer der veranstaltenden Modelagentur. Die langen Wagen der U-Bahnen seien geradezu als Laufsteg geeignet. Mittlerweile geben die Berliner Verkehrsbetriebe van Hessen Recht. Beim allerersten Mal "war es eine Art Guerilla-Aktion", erinnert er sich. Hinterher gab es Strafzahlungen. Seit sieben Jahren ist die Tour mit Designern und Models fester Bestandteil der Berliner Modewoche.

Blitzlichtgewitter und Tiger-Masken

Nicht alle Stoffe, die die Models auf ihrer Haut tragen, dürften sich als Alltagsmode bei den Fahrgästen in den Berliner U-Bahnen durchsetzen: eine üppige Perücke mit weißen Haaren im Umfang eines riesigen Schneemannbauches, Tiger-Masken oder ein weißes kurzgeschnittenes kittelähnliches Lederoutfit, das der Arbeitskleidung von Krankenschwestern verblüffend ähnelt.

Ab und zu ist ein "Oooh" oder ein "Aaaah" zu hören, wenn die mit reichlich Make-up versehenen weiblichen und männlichen Schönheiten an ihrem Publikum auf den Sitzbänken vorbeiziehen. Zu sehen sind schrille Modestücke zum Thema Rock, Gothic, aber auch durchaus alltagstaugliche Kleidung wie elegante Abendroben und legere Pullover. Immer wieder leuchten Blitzlichtgewitter auf. Aus den Lautsprechern dröhnt Musik.

45 Minuten dauert die Fahrt, die zunächst auf den Gleisen der U 5 beginnt und auf der Strecke der U 8 zur Hermannstraße führt. Dort laufen alle Models zum großen Finale durch die Bahn. Es ist heiß, die Stimmung aber ausgelassen. Endstation ist der U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße.

Dort muss sich Micaela Schäfer vor den Mikrofonen rechtfertigen. Die frühere Kandidatin der Castingsendung "Germany's Next Topmodel" gilt als besonders offenherzig. In der U-Bahn trägt das Nacktmodel einen Bikini, der aus blonden Haaren besteht und tiefe Einblicke verhindert. "Ich habe mich selbst für das Outfit entschieden", beteuert sie. Ansonsten zeige sie sich aber gern hüllenlos, sagt sie, während der rollenden Laufsteg die Haltestelle verlässt und wieder in sein Depot fährt.

dapd

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