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Tod durch die Wehrmachtsjustiz

20. Juni 2012 | 18:35 Uhr

Foto: dapd

Dresden (dapd-lsc). Ein dreiviertel Jahr nach seiner Wiedereröffnung sorgt das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden erneut für Aufsehen mit einer Ausstellung: Als erste Dienststelle der Bundeswehr beschäftigt sich das Museum mit dem Unrecht der Wehrmachtsjustiz in der NS-Zeit. Damit trage das Museum zur weiteren Aufklärung von Zivilisten und Soldaten über verbrecherische Befehle und Prozesse der Wehrmacht bei, sagte Kuratorin Linda von Keyserlingk am Mittwoch in Dresden.

Die Wanderschau "'Was damals Recht war...' - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht" ist ein Projekt der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas". Seit fünf Jahren ist die Ausstellung in Deutschland unterwegs. Mehr als 100.000 Besucher in 27 Städten informierten sich über die Schicksale von Deserteuren - aber auch Richtern, die Unrechtsurteile fällten oder sich den Vorgaben des Hitler-Regimes nicht beugten. Nach Leipzig öffnet die Schau nun ab Donnerstag (21. Juni) bis zum 21. August in Dresden.

"Wir sind überglücklich, dass wir hier eine neue Sicht auf die deutsche Militärgeschichte geben können", sagte Stiftungskurator Ulrich Baumann. Die Schau wolle auch Anstoß zum Gedenken jenseits der bisherigen Geschichtsdarstellung geben. Seien Wehrmachtsdeserteure in den 80er-Jahren in der Bundesrepublik und der DDR zusehends als politische Helden verkörpert worden, breche die Schau mit dieser Darstellung. Oftmals steckten einfache, menschliche Geschichten hinter der Fahnenflucht, sagte Baumann.

30.000 Menschen wurden nach Urteilen der Wehrmachtsjustiz hingerichtet, in Lager gesteckt oder in Strafeinheiten eingesetzt. Darunter waren 15.000 getötete Deserteure. Die Bundesrepublik rehabilitierte ab den 90er-Jahren bis 2009 die meisten Opfer. Die DDR verzichtete laut Baumann darauf, weil sich das Land ohnehin als antifaschistischer Staat definierte.

In Zeiten von Auslandseinsätzen der Bundeswehr sei das Thema wieder aktuell, betonte Keyserlingk. Zwar gebe es keine Militärgerichte mehr, doch die Debatte über ihre Etablierung halte an. Heutzutage müsse ein Soldat zudem keine verbrecherischen Befehle befolgen. "Wir wollen unseren Soldaten zeigen, was damals falsch gelaufen ist und wir wollen kein verstaubtes Museum sein, sondern am Ball bleiben." Das Museum war für 62,5 Millionen Euro nach Plänen des Architekten Daniel Libeskind saniert worden.

Auch der gewaltige Unterschied zur Wehrmachtsjustiz im Ersten Weltkrieg soll laut Baumann verdeutlicht werden. Militärrichter verhängten in diesem Krieg 48 Todesurteile zumeist wegen schwerer Verbrechen. "Erst die Dolchstoß-Ideologie Hitlers hat zu den Tausenden Todesurteilen der Wehrmacht geführt", sagte der Experte. Über all das gebe die Ausstellung Auskunft. Zugleich existierten noch Zehntausende unerforschte Akten der Wehrmachtsjustiz, die einst weitere menschliche Schicksale ans Tageslicht bringen würden.

dapd

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