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Auf der Jagd nach Promi-Unterschriften

19. Juni 2012 | 11:15 Uhr

Foto: dapd

Biberach (dapd-bwb). Als Alexander Dobler aus Biberach mit Johnny Depp Wiener Schnitzel essen ging, wusste er noch nicht, dass der Schauspieler bald ein Weltstar sein würde. Und als Michael Jackson den Schwaben in seine Hotel-Suite bat, war Dobler überrascht, wie bereitwillig und freundlich ihm der King of Pop das gab, wonach es ihn am meisten verlangt - nach Autogrammen.

Nach fast 30 Jahren exzessiver Sammel-Leidenschaft hat der 41-Jährige rund 100.000 Unterschriften von Prominenten angehäuft. Eine ganze Schrankwand biegt sich unter der Last all der Signaturen, die alphabetisch und nach Sparten sortiert in Ordnern ruhen. Rund 100.000 sind es. "70.000 davon habe ich persönlich gesammelt", sagt Dobler und lächelt verlegen: "Ich weiß. Das ist verrückt."

Von der oberschwäbischen Provinz aus tritt der selbstständige Rollladenbauer bei großen Veranstaltungen immer wieder seine Beutezüge an: Weltmeisterschaften im Fußball, Grand Slam Turniere im Tennis, Eröffnungen von Filmfestspielen. Dobler ist da, wo die Promis sind. "Früher war ich drei Viertel des Jahres unterwegs. Heute habe ich Familie. Da ist es nur noch ein Viertel." Aber auch das reicht aus, um den Bestand an Original-Autogrammen stetig zu mehren.

Auch in der Welt der Autogramm-Sammler sind die Stücke umso wertvoller, je seltener sie sind. "Unterschriften von Leuten, die eigentlich keine Autogramme geben zum Beispiel", erklärt Dobler. Bruce Willis sei so einer oder Sandra Bullock.

An die begehrten Signaturen zu kommen, ist oft sehr schwer. "Da sind Ideen gefragt", sagt Dobler und erzählt die Geschichte, wie er sich 2006 ins Mannschaftshotel der Brasilianer in der Schweiz, wo das Team sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland vorbereitete, geschmuggelt hat. "Ich habe mich als Bäcker verkleidet und bin mit einem großen Korb voller Brötchen an der Security vorbei spaziert." An der Rezeption habe er mit Schweizer Akzent versichert, dass die Brasilianer nach frischen Weckli verlangt hätten. "Da hat man mich ohne Probleme zu Ronaldo und den anderen Stars vorgelassen."

Nicht immer musste sich der Sammler wie im Fall von Michael Jackson durch Lüftungsschächte zwängen oder 26 Stunden bei winterlichen Temperaturen vor dem Hotel ausharren, bis Diego Maradona ein Einsehen hatte und das Foto in den vor Kälte zitternden Händen von Dobler doch noch unterschrieb.

"Manchmal ist es ganz leicht, wie damals bei Johnny Depp in Wien", erinnert sich der 41-Jährige: Der Schauspieler hatte gerade "Edward mit den Scherenhänden" abgedreht. Dobler wusste, dass der Star im Hotel ein Zimmer bewohnte, und postierte sich in der Lobby. Um sich das Warten zu verkürzen, spielte er eifrig auf seinem Gameboy, als plötzlich Johnny Depp neben ihm stand und nach dem Spiel griff. Schon waren die beiden im Gespräch und Depp lud den Biberacher zum Abendessen ein. "Ich habe ihm gesagt, er soll das Wiener Schnitzel probieren. Johnny war begeistert." Und Dobler hatte sein Autogramm.

Welchen finanziellen Wert die Sammlung darstellt, darüber denkt der Sammler nach eigenem Bekunden nicht nach. "Die ist sowieso unverkäuflich." Auf Leute, die sich Autogramme bewusst zum Wiederverkaufen bei Prominenten abholen, ist er nicht gut zu sprechen. "Das mögen viele Stars gar nicht und wir echten Sammler haben es dann noch schwerer, an die Autogramme zu kommen."

Wie viel Geld er schon in sein Hobby investiert hat, weiß Dobler nicht. Seine Frau zeigt sich indes sehr tolerant, auch wenn sie der hohe Zeitaufwand stört: "Es ist halt seine große Leidenschaft und die lasse ich ihm." Und mit einem Mann verheiratet zu sein, den Johnny Depp mal auf ein Schnitzel eingeladen habe, sei schließlich auch nicht zu verachten.

dapd

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