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Genscher-Darsteller Grossmann zieht Kraft aus der Verkörperung historischer Persönlichkeiten

16. März 2012 | 16:35 Uhr

Foto: dapd

München (dapd). Der Schauspieler Stephan Grossmann zieht Kraft aus der Verkörperung von historischen Persönlichkeiten. "Man lernt aus der Beschäftigung mit der Figur und ihrer Haltung", sagte Grossmann im dapd-Interview. Der Schauspieler verkörpert in dem ZDF-Film "München 72 - Das Attentat" den damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher.

Die Auseinandersetzung mit Genscher und dem Münchner Geiseldrama habe ihm neue Blickwinkel eröffnet, sagte Grossmann. "Mich bewegen immer wieder die Umstände und die Schicksale der Betroffenen", sagte der 40-Jährige. "Es gab die Hoffnung, dass man die Lage durch Reden löst", betonte er. "Es ist nicht wie heute, dass man sagt, wir gehen sofort da rein und beenden das". Schuld könne man den einzelnen damals handelnden Politikern und Sicherheitskräften nicht zusprechen. Es habe sich um eine "Verkettung sehr vieler unglücklicher Umstände und Unerfahrenheit im Umgang mit dem Terrorismus " gehandelt.

Mit Genscher und dessen Rolle im Münchner Geiseldrama habe er sich vor allem durch das Studium von Büchern und Dokumentationen auseinandergesetzt, berichtete Grossmann. Dabei habe er den Politiker als "ausgleichenden, öffnenden", aber zugleich auch "starken und charismatischen Politiker kennengelernt". "Ohne das bewerten zu wollen: Ich weiß nicht, wo es heute solche Politiker noch gibt", betonte er.

Um Genscher glaubwürdig verkörpern zu können hatte Grossmann nach eigenen Angaben mehrere Kilo zugenommen. Bewusst verzichtet habe er aber darauf, Mimik und Gestik des Politikers zu kopieren. "Was da an Ähnlichkeit ist, das kommt aus dem Hinterkopf, aus meinem Bild von Genscher", betonte Grossmann. Es sei wichtig, in der Darstellung "auch ein Stück man selbst zu bleiben", sagte der Schauspieler, der in einem früheren Filmprojekt bereits den jungen Helmut Kohl verkörperte.

Persönlich sei er Genscher nie begegnet, sagte Grossmann. "Es würde mich aber natürlich sehr interessieren, was Hans-Dietrich Genscher zu dem Film sagt, wie er das findet was wir da gemacht haben", sagte der Schauspieler. Das ZDF strahlt "München 72 - Das Attentat" am Montag (19. März) um 20.15 Uhr aus.

Das Attentat von München ereignete sich während der Olympischen Sommerspiele 1972. Palästinensische Terroristen stürmten eine Unterkunft der israelischen Mannschaft im olympischen Dorf und nahmen elf Athleten als Geiseln. Bei einem Befreiungsversuch der deutschen Sicherheitskräfte auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck kamen alle Geiseln, fünf Terroristen und ein Polizist ums Leben.

dapd

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