Rösler der Herstellung von Seifenblasen schuldig gesprochen
17. Februar 2012 | 0:34 Uhr
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Stockach (dapd-bwb). An einem dicken Strick wird der Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor das "Hohe Grobgünstige Narrengericht" in Stockach gezerrt. Er stemmt sich gegen den Strang, zieht mit beiden Händen - doch gegen die Narren, die ihn in Haft genommen haben, ist er machtlos. Der Tatvorwurf: "Unrechtmäßige Verwendung von heißer Luft, Herstellung von Seifenblasen und Heiratsschwindel". Bei einer der beliebtesten Fastnachtsveranstaltungen in Baden-Württemberg wird am "Schmotzigen Dunschtig" zum - wie sich die Narren erzählen - 661. Mal ein prominenter Politiker verurteilt.
"Ich bin unschuldig, jedes Unschuldslamm hat mehr auf dem Kerbholz als ich", sagt Rösler zu einer Verteidigung. Auch der Kläger hat zunächst Mitleid und ruft dem Gericht zu: "Ja, was soll ich denn mit diesem Konfirmandenbüble anfangen?" Der Bundesvorsitzende der FDP ist in einem schwarzen Anzug und weißem Hemd erschienen. Unruhig rutscht er auf einem viel zu großen hölzernen Stuhl hin und her und grinst von Zeit zu Zeit frech in die Runde.
Der Kläger Thomas Warndorf wirft dem "Stellvertreter Merkels auf Erden" vor, gar nicht zu existieren. Er sei eine Fata Morgana, spiegele eine Vielzahl von Ämtern in einer Partei vor, die es nicht gebe. "Als Seifenblase schwebte er im letzten Sommer 20 Minuten über dem Stuhl der Kanzlerin im Kabinett." Die ganze Koalition sei ein Heiratsschwindel. Warndorf forderte drei Eimer Wein als Strafe.
Der Verteidiger Michael Nadig sprach sich lautstark für "Liberté sowie einen Freispruch in allen Anklagepunkten" aus und ließ seinen Mandanten selbst ein flammendes Verteidigungsplädoyer halten.
"Sie werden sich sicher fragen, warum ich nicht verkleidet bin", rief Rösler in die voll besetzte Halle mit verkleideten Narren. "Ich bin es, ich bin verwandelt. Ich komme als erfolgreicher Politiker." Er selbst trage an der Situation der Partei nur bedingt Schuld, bekannte er weiter. "Der Guido war's!" Er sei nur Ersatzmann, der Adoptivsohn. Die schwarz-gelbe Ehe habe er nicht geschlossen. Das seien Angela, Horst und Guido gewesen. "Drei Liter Wein reichen nicht, um sich die Situation schön zu trinken", gestand Rösler.
Das Gericht in Stockach erkannte seine "sympathisch-souveräne und stilvolle" Rede an und ließ in einigen Anklagepunkten Gnade walten. Doch vom Vorwurf der Produktion von Seifenblasen könne Rösler nicht freigesprochen werden. "Erfolg, Wir-Gefühl, Transparenz - das kann er alles nicht liefern", lautete die Begründung. "Er trägt Mitverantwortung an dem Untergang seiner Partei."
So verurteilte das "Hohe Grobgünstige Narrengericht" den Politiker zu zwei Eimern Wein, nach österreichischem Maß also zu 120 Litern. "Aber bitte den guten Roten", forderte der Richter und gewährte Rösler Zeit bis zum 18. März, um die Strafe zu begleichen.
dapd
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