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Eine neue Zeitung für eine tolerante Gemeinschaft

23. Dezember 2011 | 13:10 Uhr

Foto: dapd

Berlin (dapd). Rafael Seligmann geht über den Parkettboden seiner Berliner Altbauwohnung. Er öffnet eine Tür zu einem Zimmer, in dem ein junger Mann an einem Computer schreibt. In einem anderen Raum telefoniert eine Frau. "In insgesamt vier Zimmern produzieren wir die 'Jewish Voice from Germany'", sagt Seligmann. Der 64-Jährige ist Herausgeber und Gründer der Zeitung, die am 2. Januar erstmals erscheint. Mit dem Blatt wolle er "der Welt das jüdische Leben in Deutschland zeigen", sagt Seligmann.

Die erste Ausgabe hat eine Auflage von 30.000 Exemplaren. Das Blatt erscheint künftig alle drei Monate und richtet sich unter anderem an Leser in Amerika, Kanada, Israel und Großbritannien. Die Texte sind in englischer Sprache verfasst. Rund 7.000 Exemplare der Erstausgabe sind für Leser in Deutschland bestimmt. 70 Prozent der Auflage verschicken der Herausgeber und seine Mitarbeiter nach Amerika. "Wir schätzen, dass die Zeitung etwa 150.000 Leser erreichen wird", sagt Seligmann.

Das Herzstück der Redaktion in Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein lichtdurchfluteter Raum. Seligmann geht um eine grüne Tischtennisplatte, die in der Mitte des Zimmers steht. Mitarbeiter haben die 24 Seiten der ersten Ausgabe auf der Platte ausgebreitet. Seligmann nimmt ein Blatt in die Hand. Die Zeitung sei in die klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft sowie Kunst und Kultur eingeteilt. "Es gibt eine lange deutsch-jüdische Tradition, früher sprach man auch von einer deutsch-jüdischen Symbiose", sagt der Publizist. Diese tolerante Gemeinschaft wolle er mit der Zeitung wieder fördern.

Die "Jewish Voice from Germany" ist nicht die erste Zeitung, die der Politikwissenschaftler, Buchautor und Journalist gegründet hat. 1985 rief er in München die "Jüdische Zeitung" ins Leben. Zwei Jahre war er deren Chefredakteur, bis er wegen Unstimmigkeiten das Blatt verlassen musste.

Michael Cullen ist einer von fünf Mitarbeitern, die in der Privatwohnung Seligmanns an der Zeitung arbeiten. Der gebürtige Amerikaner übersetzt und redigiert die Texte. "Ich habe erst Anfang Dezember von dem Projekt gehört und einfach bei Rafael angerufen", sagt der Publizist und Historiker. "Er hat einfach nur gesagt: Gut, dann komm vorbei. Da wusste ich, dass ich willkommen bin", sagt Cullen. Es sei einfach eine angenehme Atmosphäre. "Wir sitzen hier in einer großen Wohnung und produzieren eine Zeitung, das macht großen Spaß", sagt Cullen.

Die "Jewish Voice from Germany" wird zunächst kostenlos an Medien, Verbände, kulturelle Einrichtungen und Politiker verschickt. Ab Februar soll sie dann auch am Kiosk verkauft werden. In Deutschland kostet die Zeitung dann drei Euro und in Amerika vier Dollar.

dapd

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