Mit bunten Drachen über gefrorene Seen oder durch den Tiefschnee
28. Januar 2011 | 13:10 Uhr
Foto: dapd
Donaueschingen (dapd-bwb). Zehnmetersprünge auf dem zugefrorenen Riedsee bei Donaueschingen sind für Markus Pompl eher Spaß als Herausforderung. Die Kraft dazu gibt ihm ein Lenkdrachen, englisch "Kite", von dem er sich mit 40 Stundenkilometern auf Skiern durch den Schnee ziehen lässt. Bei günstigem Wind erreicht der Snowkite-Weltmeister 2010 aus Bräunlingen auch die doppelte Geschwindigkeit. Ob auf verschneiten Feldern, vereisten Seen oder kahlen Bergkuppen, wenn der Wintereinbruch rundum den Verkehr zum Erliegen bringt, treffen sich die Snowkiter mit ihren bunten Drachen, zu ihrem rasanten Sport auf unberührtem Schnee. Im Schwarzwald wird der Sport immer beliebter.
Erst vor sechs Jahren kam Pompl zum Snowkiten. Neben seinem Weltmeistertitel in der Disziplin Snowkite Ski Race auf dem Reschensee in Südtirol brachte der 34-jährige Industriemeister vier Deutschlandsiege nach Hause. Zum Training trifft sich der Hobbysportler mit Gleichgesinnten auf der nur wenige Autominuten entfernt gelegenen Riedseefläche, auf einem Hang bei Titisee-Neustadt oder auf dem Feldberg. Das seien auch die üblichen Orte für Snowkite-Lehrgänge, berichtet Kiteschulleiter Helmut Hils aus Bad Dürrheim.
Die meisten seiner Schüler brächten Vorerfahrungen im Wasser-, Buggy- und Grasski-Kiten mit, erklärt der Sportfachlehrer für Luftsportgeräte. Ebenso seien Snowboard- und Skifahrkenntnisse "von Vorteil". Auch Gleitschirmflieger, wie Snowkite-Anfänger Rainer Färber, suchen für den Winter eine Alternative zu ihrem Sommersport. "Das lernt man schnell", sagt er. Vier Schulungen im Schwarzwald habe er bereits hinter sich. Nun gehe es das erste Mal aufs Eis.
Was nicht ungefährlich sei, warnt Hils und rät, vor dem Start erst einmal die Eisdicke zu prüfen. Angeschnallte Ski vor Betreten der Eisfläche verringerten das Einbrechrisiko zusätzlich. Snowkitefahren über Land sollte nur abseits von Straßen, Bäumen, Büschen und Überlandleitungen unternommen werden.
Volker Haselbacher, stellvertretender Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft, begrüßt die Snowkiteaktivitäten in der Region als "eine bunte Geschichte", bei der die Leute auch "gern zuschauen".
Nicht ganz so begeistert ist Feldberg-Ranger Achim Laber. An "Extremtagen" tummelten sich 20 bis 25 Snowkiter auf dem Feldbergplateau, sagt er. Damit sei "die Kapazitätsgrenze erreicht". Vor allem Winterwanderer, Schneeschuhgänger und Langläufer fühlten sich dann gestört, wenn die Extremsportler mit tief hängenden Segeltrapezen auf sie zukämen und mit hohem Tempo vorbei rauschten. Von Unfällen wisse er jedoch nichts.
Ursprünge des Skifahrens mit Windkraft reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Gestützt auf immer bessere Materialien, entwickelten seit den 1960er Jahren Tüftler in Amerika, Europa und Neuseeland ihre Modelle weiter. Anfang 1990 nutzten die Südpolbezwinger Reinhold Messner und Arved Fuchs für ihre Transportschlitten Zugdrachen eines schwäbischen Entwicklers, die jedoch laut Expeditionsbericht noch nicht so einfach zu handhaben gewesen sein sollen wie heutige Kites.
Als winterliche Kitesportvariante habe sich das Ski- und Snowboardfahren mit Lenkdrachen erst im letzten Jahrzehnt in Deutschland durchgesetzt, erklärt Pompl. In der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg schätzt er die Snowkite-Gemeinde auf "rund 200 Personen" mit einem Frauenanteil von zehn Prozent. "Denen ist es im Winter zu kalt", vermutet er, denn beim Sommerkiten sei die Beteiligung "doppelt so hoch". Dennoch gehören auch hierzulande Kiterinnen zu den Topsportlern, wie Iris Tonak beweist. Sie errang 2010 ebenfalls am Reschensee den Snowkite-Weltmeistertitel im Snowboard Freestyle.
dapd
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