Loefflers ehemaliger Tierstall wird Labor für Mäusetests
3. September 2010 | 17:35 Uhr
Foto: dapd
Greifswald (ddp-nrd). Der frühere Tierversuchsstall des deutschen Bakteriologen Friedrich Loeffler (1852-1915) in der Greifswalder Innenstadt wird für mikrobiologisch-medizinische Forschungen zu einem Labor der Sicherheitsstufe 2 umgebaut. In dem zweigeschossigen Haus im Hinterhof des Universitätsinstituts für Medizinische Mikrobiologie würden künftig Versuche mit pathogenen Erregern an Mäusen durchgeführt, sagte Institutsleiter Ivo Steinmetz am Freitag in Greifswald. Das Anwesen war in den vergangenen Jahren nur noch als Lager genutzt worden.
Der Entdecker des Erregers der Maul- und Klauenseuche (MKS) hatte seit 1893 in dem kleinen Stall hinter seinem Wohnhaus Schweine für seine Untersuchungen gehalten. Wegen „sehr übler Gerüche“ hatte es seinerzeit Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben. Unter anderem hatte der damalige Präsident des Landgerichts Greifswald Einspruch gegen die Tierhaltung erhoben. Daraufhin war später ein neuer Isolierstall am Stadtrand errichtet worden, der heute aber nicht mehr existiert.
Weil es Anfang des 20. Jahrhunderts in der Greifswalder Umgebung mehrfach zu MKS-Ausbrüchen gekommen war, hatte das damalige Ministerium für Geistliches, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, Loefflers Tierversuche verboten und eine Auslagerung angeordnet. Dreieinhalb Jahre später nahm Loeffler auf der nahe gelegenen Ostseeinsel Riems seine Untersuchungen wieder auf.
Anlässlich des 100. Jahrestages der Institutsgründung wird am 10. Oktober dieses Jahres in der inzwischen nach Loeffler benannten Forschungseinrichtung für Viruskrankheiten von Tieren ein rund 260 Millionen Euro kostender Hochsicherheitsforschungskomplex eingeweiht. In dem Neubau stehen 89 Labore und 163 Stallräume für Großtiere zur Verfügung, darunter ein hermetisch abgeriegelter Forschungstrakt der weltweit höchsten Sicherheitsstufe 4.
Während auf Riems ausschließlich Erreger von Tierseuchen untersucht werden, stehen in dem ebenfalls nach Loeffler benannten und zur Universität Greifswald gehörenden Institut für Medizinische Mikrobiologie in der Greifswalder Innenstadt pathogene Erreger des Menschen im Mittelpunkt der Forschungen. Dazu sei Loefflers einstiges Wohn- und Arbeitshaus umfassend saniert worden, sagte Steinmetz. Für die Tests an lebenden Zellen entstanden mehrere Arbeitsplätze der Sicherheitsstufen 2 sowie ein Sicherheitslabor der Kategorie 3. Der permanent unter Unterdruck stehende Raum kann nur über eine Schleuse betreten werden. Die gesamte Abluft wird über mehrere Spezialfilter im Kellerbereich gereinigt.
In den mikrobiologischen Labors sollen vor allem die Wechselwirkungen von Erregern, Immunsystem und Impfstoffen getestet werden, um für den Patienten angepasste individualisierte Therapien zu entwickeln. Derzeit arbeiten die Experten mit Tuberkulose-Erregern sowie mit dem sogenannten Bakterium Burkholderia pseudomallei. Den Erreger hatten Greifswalder Wissenschaftler vor einigen Jahren zusammen mit asiatischen Kollegen in thailändischen Reisfeldern und in Nordaustralien nachgewiesen. Das Bakterium ist verwandt mit dem Erreger der Pferde- und Maultierkrankheit Rotz. Das sogenannte Burkholderia mallei, das auch Menschen infizieren kann, war 1882 von Friedrich Loeffler entdeckt worden.
ddp
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