Lechtenbrink begeistert als König Lear auch Kulturbanausen
16. Juni 2012 | 15:05 Uhr
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Bad Hersfeld (dapd-hes). Auftritt der drei Töchter: Schnellen Schrittes schreiten Goneril (Anja Brünglinghaus), Regan (Oda Pretzschner) und Cordelia (Kristin Hölck) vom hinteren Ende der Apsis bis zum Bühnenrand. Erst jetzt, durch den Größenvergleich mit den Darstellerinnen, wird die Gewaltigkeit der Bad Hersfelder Stiftsruine offenbar. "Großartig. Wirklich außerordentlich, wie der Regisseur die Ruine nutzt und wirken lässt", sagt Anke Sieps. Sie zeigt sich wie viele andere "tief beeindruckt" von der Premiere der Shakespeare-Tragödie "König Lear" zum Auftakt der 62. Bad Hersfelder Festspiele.
Minutenlang zollt das Publikum am Freitagabend dem Ensemble um Hauptdarsteller Volker Lechtenbrink und Regisseur Holk Freytag stehende Ovationen. "Ich bin noch ganz im Stück. Einfach grandios", sagt Sieps, nach eigenen Worten "kulturaffine Nordrhein-Westfälin". Die Nettetalerin ist in Bad Hersfeld zur Reha. Da sie schon einmal da sei, habe sie sich die Festspiele nicht entgehen lassen wollen.
Mit drei Bekannten, die alle aus unterschiedlichen Regionen kommen, steht Sieps nach der Aufführung an einem Stehtisch vor der Festspiel-Lounge. Die Damen diskutieren angeregt. "Lechtenbrink nimmt man den König richtig ab", sagt eine. "Der hat eine Stimmgewalt und eine Ausstrahlung, das ist Wahnsinn", pflichtet Silvia Lehnebach aus Recklinghausen bei.
Ein paar Tage zuvor habe sie den Protagonisten in einem Hersfelder Café getroffen und "ganz locker geplaudert", erzählt Doris Bläsius. Auch sie ist Kurgast. Eigentlich sei sie kein großer Theaterfan, "eher Kulturbanause", sagt die Aachenerin und lacht. Aber das Treffen mit dem Schauspieler habe sie doch dazu bewogen, Karten zu kaufen. Jetzt sei sie völlig hingerissen: "Die Atmosphäre in der alten Ruine war schon ein Erlebnis. Und Lechtenbrink sowieso."
Der Schauspieler ist auch an anderen Tisch Thema Nummer Eins: "Er steht für die Tradition dieser Festspiele", sagt Claudia Leipold. Schließlich habe er schon in den 1960er Jahren in der Stiftsruine auf der Bühne gestanden und sei später auch Intendant in Bad Hersfeld gewesen, weiß die Garmisch-Partenkirchnerin. "Es ist toll, ihn jetzt wieder spielen zu sehen." Mit ihrem Mann mache sie häufig Kulturreisen, sagt Leipold. Dieses Mal nach Nordhessen, vor allem der documenta in Kassel wegen. Die Festspiele seien da ein willkommenes Abendprogramm.
"Großartiger Zuspruch. Wir sind ganz entzückt", sagt Darsteller Julian Weigend erfreut über die Publikumsreaktion, als er zusammen mit Kristin Hölck zur Premierenparty eilt. Für seine Rolle als legitimer Sohn des Grafen von Gloucester hat der 41-Jährige während des Stücks Zwischenapplaus geerntet.
In den kommenden Wochen stehen Weigend und die anderen Mitglieder des Ensembles regelmäßig für "König Lear" in der gewaltigen Kulisse der Bad Hersfelder Stiftsruine auf der Bühne. Zudem stehen bis zum Ende der Festspiele am 5. August noch etliche weitere Inszenierungen auf dem Spielplan, darunter die Musicals "Anatevka" und "Das Dschungelbuch" sowie das Stück "Der Zauberberg" nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann.
dapd
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