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Schöne Leere

14. Juni 2012 | 20:25 Uhr

Foto: dapd

München (dapd-bay). Die Teller auf dem Tisch sind leer, an einer Tür fehlt die Klinke, in einer Vase die Blumen, an einem Tisch die Stühle. Für Vilhelm Hammershøis Bilder ist die Leere ein tragendes Element, die Werke kreisen um die Themen Isolation, Einsamkeit und Entfremdung.

Neun Jahre, nachdem die Hamburger Kunsthalle die erste Werkschau des außergewöhnlichen dänischen Malers in Deutschland präsentiert hat, ist von Freitag bis 16. September eine große Retrospektive in München zu sehen: Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung zeigt in Zusammenarbeit mit dem Staten Museum for Kunst herausragende Gemälde aus allen Schaffensphasen Hammershøis (1864-1916).

Hammershøis Werk beschränke sich auf wenige Motive, sagt der Chefkurator am Kopenhagener Statens Museum for Kunst, Kasper Monrad: leere Räume, entzauberte Landschaften, menschenleere Stadtbilder, Porträts von Menschen, die abwesend erscheinen. So lag es nahe, die Ausstellung "Hammershøi und Europa: Ein dänischer Künstler um 1900" nicht chronologisch, sondern thematisch aufzubauen. Raum für Raum können die Ausstellungsbesucher entdecken, welche Möglichkeiten der Maler diesen wenigen Sujets entlockt hat.

Gerade in dem Nebeneinander ähnlicher oder gleicher Motive liegt ein besonderer Reiz dieser Schau. Es wird augenscheinlich, wie akribisch Hammershøi insbesondere Räume und ihr Zusammenspiel mit der Figur oder auch Zimmer ohne menschliche Präsenz erforscht hat. So hat er beispielsweise seine Kopenhagener Wohnungen in der Strandgade 30 und der Bredgade 35 immer und immer wieder gemalt, zum Teil sogar den gleichen Bildausschnitt aus der gleichen Perspektive - nur die Möbel sind anders angeordnet. "Man kann vor diesen Bildern meditieren, sich in die Einzelheiten vertiefen", schwärmt Monrad.

Bislang sei Hammershøi stets als singulärer Einzelgänger dargestellt worden, berichtet der Kurator. Diese Ausstellung bringe sein Werk nun erstmals in den Dialog mit der Kunst seiner europäischen Zeitgenossen. Zwar habe der Maler sehr wenig über Kunst gesprochen und geschrieben. "Wir wissen aber, dass er in Museen ein sehr häufiger Gast war." Es gebe viele Indizien dafür, dass er die Werke seiner Zeitgenossen genau studiert habe.

Die Ausstellung zeigt Parallelen zwischen Hammershøis Werk und Bildern anderer Künstler um 1900, spürt mögliche Einflüsse und Vorbilder auf. So sind neben 70 Werken des Dänen rund 30 Gemälde von Künstlern wie Edvard Munch, Henri Matisse, Henri Fantin-Latour, Fernand Khnopff, Jósef Pankiewicz und James Abbott McNeill Whistler zu sehen.

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Anhand von Whistlers großformatigem Porträt seiner Mutter mit dem Titel "Anordnung in Grau und Schwarz Nr.1", das nach Angaben der Kunsthalle zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wird, lässt sich die Wechselwirkung besonders anschaulich belegen: Hammershøis kleinformatiges Porträt seiner Mutter wirkt wie eine spiegelverkehrte Paraphrase darauf.

Roger Diederen, Kurator der Hypo-Kunsthalle, betont, Hammershøi habe seine Bilder immer auf das Wesentliche reduziert, ihnen alles Anekdotische oder Erzählende entzogen. So ließen sich beim Betrachten seiner Werke viele Fragen formulieren. "Aber es gibt nie eine Antwort."

( http://www.hypo-kunsthalle.de )

dapd

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