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Rebecca-Horn-Ausstellung in der Bremer Weserburg

15. März 2012 | 17:25 Uhr

Foto: dapd

Bremen (dapd). Ein nur etwa 20 Zentimeter hohes schwarzes Tischchen steht auf einem Sockel in einer Ecke des Ausstellungsraums. Das Exponat ist Teil der Ausstellung "Rebecca Horn - Federn tanzen auf den Schultern" in der Bremer Weserburg, die ab Freitag (16. März) für Besucher öffnet. Das Tischchen spielt eine wichtige Rolle im Frühwerk der deutschen Künstlerin Rebecca Horn, die Anfang der 70er Jahre begann, ihre Performances zu filmen. Dem unscheinbaren Tischchen brachte sie in dem Film "Der Eintänzer" das Tangotanzen bei.

"Der Tisch ist eine ihrer ersten kinetischen Skulpturen überhaupt", sagt Kurator Ingo Clauß. Die Übersetzung des Tanzes zweier Menschen in eine Skulptur sei der Umbruch zu den - wie Clauß sie nennt - "beseelten Skulpturen" Horns in den 80er Jahren.

Ebenfalls aus dem "Eintänzer" stammen die Spiegelhandschuhe. Beide Exponate gehören zur Privatsammlung der mehrfach ausgezeichneten Künstlerin. Insgesamt zeigt die Ausstellung sieben Objekte, darunter eine raumgreifende Installation sowie drei Fotoserien. Herzstück sind nach Angaben von Clauß die Filme. Neben dem "Eintänzer" werden in großformatigen Projektionen "Performances II", "Berlin - Übungen in neun Stücken" und "Moon Mirror Journey" von 2011 in Endlosschleifen gezeigt.

In "Moon Mirror Journey" blicke Horn auf die wichtigsten Arbeiten der vergangenen Jahrzehnte zurück, sagt Clauß. Der Kunsthistoriker hat die 1944 im Odenwald geborene Künstlerin, die als eine der bedeutendsten der Gegenwart gilt, im Vorfeld der Ausstellung besucht. "Rebecca Horn ist eine beeindruckende Person, die einen Raum mit ihrer Präsenz definiert, wenn sie ihn betritt", sagt der 35-jährige Kurator. Ausgangspunkt ihres Schaffens sei immer der menschliche Körper, dessen Möglichkeiten und Grenzen sie auszuloten und zu überwinden suche.

Mit verschiedenartigen Objekten wie Aufsätzen aus Holz, Masken und beweglichen Apparaturen verwandelt Horn die Akteure in mythische Gestalten. Dabei kommen Stoffe, Bandagen und Federn zum Einsatz, die sie eng an den Körper anpasse. Manche Körperskulpturen trägt die Künstlerin selbst, viele werden von anderen Performern benutzt. Die ersten dieser Objekte entstanden bereits 1968 während ihres Studiums an der Hamburger Hochschule für Künste. Eine Fotoserie von 1977, die den Entstehungsprozess zum Film "Der Eintänzer" dokumentiert, wird nach Angaben von Clauß in der aktuellen Ausstellung zum ersten Mal überhaupt öffentlich präsentiert.

Während ihres Studiums habe Horn eine schwere Lungenvergiftung erlitten, weil sie ohne Schutzmaske mit Polyester und Fiberglas gearbeitet habe, sagt der Kurator. Daraufhin habe sie ein Jahr im Krankenhaus und in Sanatorien verbracht. "Die Erfahrungen dieser Zeit, insbesondere die weitgehende Isolation von der Außenwelt, führen zu einer intensivierten Beschäftigung mit dem menschlichen Körper", sagt Clauß. "Sie war angetrieben von der Frage, wie sie über ihre künstlerische Arbeit wieder mit anderen Menschen in Kontakt treten kann." Die ausgestellten bodenlangen Handschuhfinger ermöglichten es beispielsweise, einen fremden Körper aus der Distanz zu berühren, aber auch, den Boden und die Wände zu ertasten.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem internationalen Festival "Tanz Bremen". Eine gute Ergänzung, wie die künstlerische Leiterin des Festivals, Sabine Gehm, sagt. Denn die Auseinandersetzung mit dem Körper und der Bewegung seien Fragen, die auch im zeitgenössischen Tanz auftauchen.

dapd

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