Aliens als Job
31. Oktober 2011 | 11:46 Uhr
Foto: dapd
Berlin (dapd). Zu Sebastian Zimmermanns Job gehören Aliens und ihre Erschaffung. Rund zwei Jahre Arbeit haben der sogenannte Digital Character Artist und sein Team unter anderem in die "Ceph" gesteckt - Charaktere aus der Welt von "Crysis 2", der Fortsetzung des Computerspiels "Crysis". In dem Spiel wollen Außerirdische erneut die Menschheit vernichten, und ein überlebender Soldat kämpft sich durch ein verseuchtes New York, um die Erde zu retten.
Ein Digital Character Artist setzt Game-Figuren dreidimensional um, erweckt sie sozusagen zum Leben. Von den Erfindern der Charaktere wie Games Designern, Concept Artists und dem Art Director bekommt er die Konzeptvorlagen - mal sehr ausformuliert, dann geht es rein um die Umsetzung, mal nur Eckdaten wie Statur und Gesichtszüge. Dann müssen die Character Artists etwa Kleidung ergänzen, dazu Fotos als Vorlagen recherchieren oder diese auch selbst machen.
Zwar ist die Handlung des Spiels für die Character Artists nicht wichtig, doch müssen sie wissen, welche Erfahrungen die Charaktere geformt haben, "denn das muss sich in ihrem Aussehen widerspiegeln", sagt Zimmermann. Die Schaffung einer Videospiel-Figur ist mühevolle Kleinarbeit - bis zu der Bestimmung "wo der Charakter glänzt". Und sehr technisch geht es dabei zu: Jongliert wird mit Begriffen wie Whitebox, Highpolys, Lowpolys oder Shader Setup.
So wie sich die Geister daran scheiden, ob Computerspiele Kulturgut sind oder nicht, gehen auch die Meinungen auseinander, ob der Digital Character Artist nun Künstler ist oder nicht. Zimmermann sagt, viele fühlten sich zwar als Künstler, er selbst betrachte sich jedoch eher als Handwerker. Vielleicht könne man seinen Job am treffendsten aber auch "digitales Kunsthandwerk" nennen.
Früher waren in der Branche überwiegend Quereinsteiger tätig, die Computerspiele vorher extensiv als Hobby betrieben hatten. Doch das Feld professionalisiert sich immer mehr, und die Branche wächst weiter stark. Laut dem Deutschen Kulturrat finden auch immer mehr Künstler in der Computerspielebranche ein neues Tätigkeitsfeld - von Regisseuren und Drehbuchautoren über Komponisten bis zu Bildenden Künstlern.
Zimmermann studierte an der privaten Games Academy in Berlin - wo der Freiberufler inzwischen auch unterrichtet - Game Design sowie Game Art & Animation. Zwar spielte er früher auch mit Leidenschaft, und weiß, dass Videospiele "auf beeindruckende Weise sämtliche Glückshormone übertreffen". Dass aus seinem früheren Freizeitspaß ein Beruf wurde, war dann aber doch Zufall - und geht schlicht auf Werbung der Games Academy in der U-Bahn zurück.
Für viele junge Menschen hat Zimmermann vermutlich einen Traumjob. In der Games Academy schauen ihn seine Studenten wegen seiner Mitarbeit an "Crysis 2" oft "mit leuchtenden Augen" an, wie er sagt. Er selbst sieht den Beruf inzwischen nüchterner, kennt auch die Kehrseiten wie viele Wochenenddienste und unbezahlte Überstunden. "Ich versuche, die Studenten darauf hinzuweisen, nicht mit überzogenen Vorstellungen in die Branche zu gehen", sagt er.
Zimmermann selbst arbeitet zwar weiter als Digital Character Artist, legt sein Hauptaugenmerk inzwischen aber auf traditionell figürliche Kunst. In seinem Berliner Atelier arbeitet er an Skulpturen, steckt seine Hände jetzt "lieber in Ton". Ein Computerspiel hat er dagegen schon seit sechs Jahren privat nicht mehr angefasst: "Keine Zeit."
(http://www.sebastianzimmermannart.com)
dapd
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