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Netrebko-Mania in Salzburg

16. August 2011 | 15:35 Uhr

Foto: dapd

Salzburg (dapd). Gemessen an anderen Netrebko-Auftritten bei den Salzburger Festspielen ging es diesmal vor dem Großen Festspielhaus recht geregelt zu. Während an der Champagnerbar vor dem Theater die Korken knallten, lagen am Montag nur wenige Netrebko-Fans mit "Suche Karte"-Schildern auf der Lauer. Auch die Prominenz machte sich rar. Vielleicht lag es an dem nicht wirklich Event-tauglichen Programm mit Peter Tschaikowskys selten gespielter Oper "Iolanta" - noch dazu in einer konzertanten Aufführung am Nachmittag.

Dabei hatte Netrebko in einer Pressekonferenz noch eine Lanze für das Stück mit seiner "Arien-Parade" gebrochen. Am Ende des Märchens um eine blinde Prinzessin, die erst durch die Heilkünste eines maurischen Arztes und die Liebe zu dem burgundischen Ritter Vaudémont - verkörpert von dem polnischen Startenor Piotr Beczala - ihr Augenlicht wiedererlangt, war die Netrebko-Welt wieder in Ordnung: Schon während der Aufführung hatte es wiederholt begeisterten Szenenapplaus für die russische Diva gegeben.

Nach dem finalen Preislied der versammelten Sänger und Choristen an den "gütigen Schöpfer", der seine "Sklavin der Dunkelheit entrissen" hatte, war kein Halten mehr. Ein Jubelsturm der Windstärke zwölf fegte durch das Haus. Hunderte Handykameras focussierten die Diva in ihrem an ein Brautkleid erinnernden weißen, mit silbernen Applikationen geschmückten Kostüm. "Wie ein Rauschengel", sagte ein Gast im Parkett.

Die Netrebko ist dieses Jahr bei dem Glamour-Festival so etwas wie ein "Artist in residence". Vor wenigen Tagen war sie bereits mit Stücken von Gioachino Rossini und Joseph Haydn zu hören gewesen. Auch dies ein Außenseiterprogramm, ganz nach dem Geschmack von Markus Hinterhäuser, dem Interimschef der Festspiele. Der lässt die großen Stars gerne mit Werken abseits des Mainstreams antreten, ein Luxus, den sich nur wenige Festivals leisten können. Die meisten müssen mit dem vorlieb nehmen, was die Künstler gerade in ihrem Tournee-Gepäck haben.

Auch als Zuschauerin in Opernpremieren bekam man die Diva in Salzburg wiederholt zu Gesicht, meist in Begleitung ihres Lebensgefährten Erwin Schrott, der selbst in Wolfgang Amadeus Mozarts Opern "Le nozze di Figaro" und "Don Giovanni" auf der Bühne stand. Nachher kehrte das Paar gerne im "Triangel" ein, dem legendären Künstler-Treff schräg gegenüber dem Festspielhaus.

Wer aus der Nähe einen Blick auf die Netrebko erhaschen konnte, musste leider feststellen, dass die jugendliche Frische der russischen Starsopranistin nach ihrer Babypause etwas gelitten hat. Ähnlich erging es einem, wenn man plötzlich neben Thomas Gottschalk steht, einem Stammgast der Festspiele, der ohne Zentimeter dicke Schminke den Status des Dauer-Jugendlichen nur noch schwer halten kann.

Netrebkos Stimme dagegen hat nicht gelitten, in der Tiefe offenbar sogar etwas an Kraft und Volumen gewonnen. Ohne erkennbare Mühe schmetterte sie die phonstarken Arien, Duette und Ensembles in Tschaikowskys letzter Oper in den Saal, und schwang sich, zur Begeisterung des Publikums, auch zu waghalsigen Spitzentönen auf.

Der polnische Tenor Beczala erwies sich als durchaus ebenbürtiger Bühnenpartner. Nach dem Ende des Hypes um das "Opern-Traumpaar" Anna Netrebko/Rolando Villazón könnten die beiden durchaus ein neues, erfolgsträchtiges Gespann abgeben. Allerdings fehlen dem bodenständigen Polen der feurige Charme und die quirlige Umtriebigkeit des Mexikaners. Und auch ein Opern-Traumpaar ist nur die Hälfte wert, wenn sich das Publikum nicht vorstellen kann, dass es zwischen den beiden Stars vielleicht auch ein wenig knistert.

dapd

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