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Schauspielhaus-Mitarbeiter schreiben offenen Brief an Hamburger Kultursenator

17. September 2010 | 22:00 Uhr

Foto: dapd

Hamburg (dapd). Nach dem Rücktritt des Intendanten des Deutschen Schauspielhauses, Friedrich Schirmer, haben Mitarbeiter der Bühne am Freitag einen offenen Brief an Hamburgs Kultursenator Reinhard Stuth (CDU) geschickt und zu einem Gespräch aufgefordert. Bis zu diesem Zeitpunkt habe kein politischer Verantwortlicher das Gespräch mit den Mitarbeitern des Hauses oder ihren gewählten Vertretern gesucht - nicht einmal mit denen, die im Augenblick für die Leitung des Hauses verantwortlich seien, heißt es in dem Brief.

Schirmer hatte am Dienstag seinen Rücktritt vom Amt des Intendanten des Deutschen Schauspielhauses zum Ende des Monats erklärt. Er begründete seine Entscheidung mit einer "gravierenden Unterfinanzierung" des Theaters in der Spielzeit 2010/11. Schirmer hatte 2005 Tom Stromberg als Chef des größten Sprechtheaters der Bundesrepublik abgelöst.

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehören etwa Ensemble-Sprecher Marco Albrecht, der leitende Dramaturg Michael Propfe, der künstlerische Leiter Florian Vogel, sowie der Kaufmännische Geschäftsführer Jack Kurfess, der die Leitung des Hauses interimistisch übernommen hat. Weiter heißt es an den Kultursenator gerichtet: "Wir fordern Sie dringend zu einem solchen Gespräch auf. Sie können dabei feststellen, dass ungeachtet der Fachleute von außen, die Sie zurate ziehen, im Haus ein großes Potenzial an zukunftsweisenden Ideen darüber existiert, wie sinnvoll, verantwortungsbewusst und zukunftsweisend mit dem Haus umgegangen werden kann." Dieser Austausch sei für die Mitarbeiter wie für die weitere Entwicklung hilfreicher als eine Fülle öffentlicher Verlautbarungen.

Dem offenen Brief zufolge befindet sich das Schauspielhaus in einer komplizierten Situation, nicht erst seit dem Rücktritt Schirmers. Eine Diskussion sei notwendig und unvermeidlich, setze aber auch hohes Verantwortungsbewusstsein voraus. Nicht jede Stellungnahme der vergangenen Tage sei "von großer Sachkenntnis getrübt" gewesen, die jedoch von den politisch Verantwortlichen einzufordern sei, schrieben die Unterzeichner. Derzeit sei Besonnenheit gefragt.

Kulturschaffende wie der Hamburger Ballettdirektor John Neumeier hatten nach dem Rücktritt von Schirmer von der Kulturbehörde mehr Verantwortung und die Einhaltung von Budgetversprechen gefordert. In seiner ersten Regierungserklärung hatte Hamburgs neuer Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) am Mittwoch gesagt, dass "es in diesen Zeiten möglich sein muss, mit einem Jahresetat von knapp 18 Millionen Euro ein Schauspielhaus zu führen".

Nach Angaben der Unterzeichner des offenen Briefes stößt "jede öffentliche Stellungnahme natürlich auf eine hoch sensibilisierte Wahrnehmung aller im Haus Beschäftigten, deren Biografien und Lebenspläne im Augenblick ungewiss sind".

dapd

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