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Fährbetreiber bangen um ihre Existenz

30. Juli 2010 | 17:45 Uhr

Foto: dapd

St. Goarshausen (ddp). Klaus Hammerl hat Zukunftsangst: Seit 1794 fährt sein Familienunternehmen täglich mit einer Fähre zwischen den Städten St. Goar und St. Goarshausen über den Rhein. Jährlich transportiert der Geschäftsführer der Rheinschifffahrt Goar Verwaltungs-GmbH 700 000 Menschen und knapp 200 000 Fahrzeuge von der einen Flussseite auf die andere. Damit könnte es in acht Jahren vorbei sein. Dann steht, wenn es nach dem Willen der rheinland-pfälzischen Landesregierung geht, eine Brücke in der Nähe der Loreley. Dafür hat das UNESCO-Welterbekomitee am Donnerstag auf seiner 34. Tagung in Brasilien den Weg frei gemacht.

Das Gremium, das über die Stätten des Welterbes wacht, hält das geplante Bauwerk mit dem Welterbetitel des Oberen Mittelrheintals für vereinbar. Für Fährmann Hammerl war die Nachricht aus Südamerika ein Schock, würde doch die Brücke nur wenige Kilometer neben seinem Fähranleger gebaut. „Ich lebe davon, dass ich Menschen über den Rhein fahre. Das wird dann irgendwann ein Ende finden“, sagt Hammerl. Prognosen des Verkehrsministeriums gehen davon aus, dass täglich 7500 Fahrzeuge die Brücke nutzen werden. Das sind Hammerls Kunden. Für diesen Zweck hat Hammerl im Jahr 2003 eine neue Fähre in Betrieb genommen, die „Loreley VI“. 30 Autos passen auf das Schiff, manchmal fahre sogar ein mehrere Tonnen schwerer Kran mit, erzählt Hammerl.

Das Boot konnte der Diplomingenieur natürlich nicht gleich in bar bezahlen. Der Finanzierungsplan sieht bis jetzt vor, dass der nötige Kredit bis zum Jahr 2022 abbezahlt ist - aber nach bisheriger Planung von Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) soll die Brücke schon ab 2016 gebaut werden und 2018 fertig sein. „Dann habe ich ein Problem“, sagt Hammerl. Dann könne er die Bank nicht bedienen. Darum rechnet der Fährmann damit, dass er bald die Preise erhöhen muss. Zurzeit bezahlt ein Fußgänger 1,30 Euro, ein Auto kostet 3,50 Euro pro Überfahrt.

Für Landespolitik und UNESCO findet Hammerl deshalb im Moment keine guten Worte: Das Welterbekomitee habe seinen Auftrag nicht richtig erfüllt, und die Kosten für eine Brücke seien ohnehin viel zu hoch, sagt der Fährbetreiber. Schließlich seien die Fähren auf dem Mittelrhein ein wichtiger Teil des Kulturguts.

Sechs Linien sorgen auf der rund 100 Kilometer langen Strecke ohne Brücke zwischen Wiesbaden und Koblenz für den Transport. Nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Grünen droht ihnen mit einer Rheinquerung das Aus. „Die Fähren könnten sterben, die Verkehrs- und Lärmbelastungen werden noch stärker zunehmen, und der Naturschutz ist in Gefahr“, sagt Landesvorstandssprecherin Eveline Lemke und spricht Hammerl damit aus der Seele. Er hofft derweil, dass es während des anstehenden Planungsverfahrens viele Einwände gegen das Vorhaben geben wird und möglicherweise gar geklagt werden kann.

Davon geht auch der rheinland-pfälzische Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aus. „Das Verfahren läuft und da gibt es schon noch Möglichkeiten, die Brücke zu stoppen“, sagt die stellvertretende Landesvorsitzende Heide Weidemann. Wenn sich alle Gegner zusammenschlössen, seien juristische Schritte nicht ausweglos, kündigt sie an. Sie sieht in einer Ausweitung des Fährbetriebs auf 24 Stunden eine plausible Alternative zur Brücke: Für die von der Landesregierung bisher veranschlagten Baukosten von 40 Millionen Euro könne man Fährfahrten jahrelang kostenlos anbieten, sagt sie.

ddp

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