. .

Deutscher Beitrag „Shahada“ im Berlinale-Wettbewerb

17. Februar 2010 | 16:30 Uhr

Foto: dapd

Berlin (ddp-bln). Der deutsche Film „Shahada“ ist am Mittwoch auf der Berlinale ins Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären gestartet. Regisseur Burhan Qurbani sieht seinen Film über junge Muslime als „Aufruf zum Dialog“ zwischen den Religionen, wie der 29-Jährige nach der Vorführung seines Spielfilmdebüts sagte. Ebenfalls in den Wettbewerb ging das russische Drama „Kak ya provel etim letom“ („How I ended this Summer“). Außer Konkurrenz stellte Regisseurin Lisa Cholodenko das Werk „The Kids Are All Right“ vor, in dem Julianne Moore, Annette Bening und Mark Ruffalo die Hauptrollen spielen.

Qurbani sagte, er wolle mit dem Film gerne in die Schulen gehen und ihn dort zeigen. „Ich hoffe, dass der Film das junge Publikum erreicht“, sagte der in Deutschland aufgewachsene Regisseur, dessen Eltern aus Afghanistan stammen.

„Shahada“ ist einer von drei deutschen Beiträgen im Wettbewerb der 60. Berlinale. Der Episodenfilm erzählt von drei jungen Muslimen in Berlin, deren Wege sich in der Moschee von Vedat, einem aufgeklärten islamischen Geistlichen, kreuzen. Im Mittelpunkt stehen Maryam, die westlich orientierte Tochter des Geistlichen, der aus Nigeria stammende homosexuelle Samir und Ismail, ein türkischer Polizist und Familienvater in Berlin. Sie alle durchleben eine Krise, die ihr bisheriges Werte- und Glaubenssystem auf die Probe stellt.

Qurbani bezeichnete sich als gläubigen Muslim: „Ich lebe mit einem lebendigen Gott.“ Er habe die Vielfalt des Islam in Deutschland zeigen wollen, zu der neben türkischen Muslimen etwa auch schwarze Muslime aus Afrika gehörten.

Im Mittelpunkt von „How I ended this Summer“ von Regisseur Alexei Popogrebsky stehen zwei Männer auf einer entlegenen Station im arktischen Sommer. Sergei ist ein erfahrener Meteorologe und Pavel ein Hochschulabsolvent. Bald soll ein Schiff die beiden abholen. Dann nimmt Pavel einen Funkspruch für Sergei entgegen, den er sich nicht weiterzugeben traut. Popogrebsky hatte 2004 sein Drama „Koktebel“ in der Berlinale-Sektion Forum gezeigt.

Moore und Bening spielen in „The Kids Are All Right“ ein lesbisches Paar, das mit seinen beiden Kindern in Los Angeles lebt. Als die Kinder ihren gemeinsamen leiblichen Vater (Mark Ruffalo) ausfindig machen, ist der bereit, sie zu treffen. Das führt jedoch zu Spannungen in der Familie.

Moore sagte nach der Vorführung, bei diesem Familienporträt sei es egal, ob es sich um eine homosexuelle oder eine heterosexuelle Beziehung handele. Bening und sie seien jeweils verheiratet und hätten Kinder, diese Erfahrungen hätten sie in den Film einbringen können.

Regisseurin Cholodenko sagte, sie habe die Geschichte „ganz witzig“ gefunden, habe sie aber nicht auf persönlichen Erfahrungen aufgebaut. An dem Drehbuch habe sie rund fünf Jahre gearbeitet. Wenn ihr beim Schreiben etwas zu oberflächlich oder zu politisch korrekt erschienen sei, habe sie es noch einmal überarbeitet.

Mehr zum Thema:

Am Abend sollte Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase einen Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk erhalten. Der 78-Jährige, der das Filmschaffen der DEFA geprägt hat, arbeitete mit Gerhard Klein, Konrad Wolf und Frank Beyer zusammen, schrieb später für Regisseure wie Bernhard Wicki und Volker Schlöndorff und in jüngster Zeit für Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“).

Bereits am Dienstagabend wurden die Preise in der Sektion Berlinale Shorts verliehen. Den Goldenen Bären erhielt der schwedische Regisseur Ruben Östlund für seinen Kurzfilm „Händelse Vid Bank“ über einen Banküberfall. Der Film sei „eine Reflektion unserer Zeit und wie diese von den Medien beeinflusst ist“, begründete die Jury, die dem Film „perfekte Dialoge“ attestierte.

Der Jury-Preis Silberner Bär ging an „Hayerida“ des israelischen Regisseurs Shai Miedzinski. Darin trauert eine Familie um ihren verlorenen Sohn und sucht in der Wüste nach einem passenden Grabstein.

(ddp)

Abgelegt unter: · ·
Zum Seitenanfang

  • die neue Welle Webradio
  • Boulevard Baden auf Facebook

  • Was trauen Sie dem KSC in der Zweiten Liga zu?

    Ergebnis ansehen

    Loading ... Loading ...