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Gall fordert bundesweit zentrale Vergabestelle für Stadionverbote

12. Juli 2012 | 16:45 Uhr

Foto: dapd

Stuttgart (dapd-bwb). Stadionverbote für gewaltbereite Fußballfans sollen nach dem Willen Baden-Württembergs bundesweit von einer zentralen Stelle nach einheitlichen Standards ausgesprochen werden. In allen Bundesländern und bei allen Vereinen müsse es einheitliche Standards geben, bei welchen Verstößen Einlassverbote verhängt werden, sagte Innenminister Reinhold Gall (SPD) am Donnerstag nach einem Fußballgipfel in Stuttgart.

In der vergangenen Saison hatte die Gewalt in Stadien im Südwesten wieder deutlich zugenommen. Und die Polizei rechnet nicht mit einer Entspannung in der kommenden Saison.

Gall zufolge sollte die zentrale Vergabestelle beim Ligaverband DFL oder beim Fußballbund DFB angesiedelt werden. Das Vorhaben werde von den Teilnehmern des Fußballgipfels "einhellig unterstützt", sagte der Politiker. Bei der Konferenz traf sich Gall am Donnerstag unter anderem mit Polizei, Kommunen sowie Fußballvereinen und -verbänden. Gall will die Forderung auch bei einem Fußballgipfel mit anderen Innenministern sowie DFL und DFB am 23. Juli besprechen.

Dem Inspektor der Polizei, Gerhard Klotter, zufolge war die Polizei in der vergangenen Saison im Südwesten bei 293 Ligaspielen mit rund 20.800 Beamten im Einsatz. Die Spiele wurden von insgesamt 2,5 Millionen Menschen besucht. Die Zahl der Straftaten sei im Vergleich zur vorherigen Saison um zehn Prozent oder 61 Fälle auf 669 Straftaten gestiegen. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich von 64 auf 149 Personen, darunter 42 Polizisten. Würden noch Sonderspiele wie etwa Relegationsspiele hinzugerechnet, seien es insgesamt 252 Verletzte gewesen.

Gall kritisierte, dass sich "einzelne Vereine" scheuten, Stadionverbote zu erlassen. Deshalb sollten diese von DFB oder DFL ausgesprochen werden. Diese verfügten über die notwendige Distanz zu gewaltbereiten Fans und besäßen eine erforderliche Neutralität. Der Polizei zufolge wurden in der Saison 2010/2011 bundesweit 11.900 Stadionverbote betragt. Davon seien aber nur 983 Verbote ausgesprochen worden. Das entspreche einem Anteil von 8,2 Prozent.

Gall kündigte an, auch verstärkt auf eine Zusammenarbeit mit Sicherheitspartnern und den Fans zu setzen. Unter anderem forderte er strengere Zugangskontrollen, um etwa das Einschmuggeln von Pyrotechnik zu unterbinden. "Wir müssen gemeinsam vor Ort differenziert handeln", sagte er und verwies darauf, dass Gewalttaten in und um das Stadion verschiedene Ursachen haben. Daher gebe es "kein Antibiotika mit Breitenwirkung".

Er betonte aber, "was wir in der vergangenen Saison erlebt haben, kann keiner wollen, das schadet dem Fußball". Nach der verheerenden Saison 2008/2009 hatte die Gewalt in Stadien zunächst ab-, dann aber wieder deutlich zugenommen. Klotter sprach von einer Entwicklung in eine "eindeutig negative Richtung" in den vergangenen beiden Jahren.

Die Polizei rechnet damit, dass sich an der gegenwärtigen Situation zunächst nichts ändert. "Wir gehen davon aus, dass wir weder eine Entspannung noch einen Rückgang der Problemsituation erfahren", unter anderem weil mehr Risikospiele erwartet werden, sagte Klotter. Von bundesweit rund 15.000 Problemfans stammen den Angaben nach allein 1.562 aus Baden-Württemberg.

dapd

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