Von herzöglichen Kronen und bunten Kuckucksuhren
15. Juni 2012 | 15:15 Uhr
Foto: dapd
Karlsruhe (dapd-bwb). In einer Urkunde aus dem Jahr 1112 wurde erstmals ein Markgraf von Baden erwähnt. Für das Badische Landesmuseum Karlsruhe ist dies Anlass genug, ab Samstag in der großen Landesausstellung "Baden! 900 Jahre. Geschichten eines Landes" zu zeigen, was seitdem an Spannendem, Entscheidendem und auch Erheiterndem in Baden passiert ist.
"Ich hoffe, wir haben damit eine neue Jubiläums-Tradition für Baden geschaffen", sagte der Direktor des Badischen Landesmuseums, Harald Siebenmorgen, am Freitag.
Die viel beschworene badische Lässigkeit und Lebensfreude manifestiert sich in einer gigantischen, pinkfarben leuchtenden Kuckucksuhr mit Kussmund. Die 18 Meter hohe Installation des jungen badischen Künstlers Stefan Strumbel dient als Eingang zur Schau.
Kurator Oliver Sänger brauchte drei Jahre für die Vorbereitung der großen Landesausstellung. "Bei der Fülle an relevanten Ereignissen und Personen war eine Auswahl notwendig. Wir versuchen, Geschichten aus der Geschichte zu erzählen", sagte er. Selbst anhand der 400 ausgewählten Objekte von insgesamt 90 Leihgebern sei es nicht möglich, 900 Jahre badische Historie komplett darzustellen.
Sänger hat die Ausstellung chronologisch aufgebaut und in neun Themenbereiche gegliedert. "Wir wollen Dinge zeigen, die sonst nicht zu sehen sind", betonte er. So wird die Krone der badischen Großherzöge, die normalerweise im Thronsaal zu sehen ist, in der Schau halb geöffneten Original-Kronkoffer gezeigt. "Die badischen Großherzöge mussten ja tatsächlich nach dem Ersten Weltkrieg ihre Koffer packen", sagte der Kurator.
Kunsthistorisch wertvolle Exponate wie die von Hans Baldung Grien gemalte Markgrafentafel oder die Taufschüssel, beide aus dem 16. Jahrhundert, erzählen von der Verschwörung der Söhne von Markgraf Christoph I. von Baden gegen ihren Vater, den folgenden Familienerbstreit und die Spaltung in zwei Linien - eine katholisch, eine evangelisch. Aber es geht nicht nur um die Herrscher. Neben dem Ehevertrag von Napoleons Stieftochter Stéphanie, die ins Haus Baden einheiratete, zeigt eine Illustration von Napoleons verlustreichem Russland-Feldzug den Preis, den badische Männer für die Erhebung des badischen Markgrafen zum Großherzog von Napoleons Gnaden zahlten: Sie mussten für Napoleon in den Krieg ziehen.
Möbel, Trachten, Uniformen, ein alemannisches Fasnachtskostüm: Die Ausstellung zeigt badische Traditionen, Lebensart und Kultur. Und sie bezieht auch den badischen Erfindergeist ein - etwa mit dem Freiherrn von Drais, der mit der Draisine oder Laufmaschine die Urform des Fahrrads entwickelte.
Eine Wand aus Kuckucksuhren ist das humoristische Klischee-Highlight. Zwischen all den verschnörkelten Uhren fällt der Beitrag von Stefan Strumbel ins Auge. Seine Kuckucksuhr trägt leuchtende Farben, gekreuzte Knochen, Gewehre und einen Hirschkopf. "Es war uns wichtig, nicht nur die bekannten Baden-Klischees zu bedienen, sondern die Klischees zu hinterfragen und die Kehrseiten zu zeigen wie den Kulturkampf im 19. Jahrhundert und die Nazi-Zeit", sagte Sänger.
Der dunkelste Abschnitt in den 900 Jahren Baden wird nicht ausgespart. Fotos aus den 1940er Jahren zeigen den Abtransport badischer Juden nach Gurs, während die Bevölkerung zusieht. Die Zustände im Lager Gurs sind ebenfalls auf Fotos dokumentiert. Ein großer Schlüssel liegt dabei: es ist der Schlüssel zum Friedhof Gurs.
Aber es wäre keine badische Ausstellung, würde nicht auch ausgiebig gefeiert. Konzerte, Kostümführungen, badische Abende mit Wein, aber auch Poetry Slam zum Thema "Heimat & Baden" gehören zum umfangreichen Begleitprogramm.
dapd
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