Stuttgart buhlt um Spanier
7. Dezember 2011 | 14:35 Uhr
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Stuttgart (dapd-bwb). Die Wirtschaft in Deutschland brummt - und vor allem in Baden-Württemberg gehen die Fachkräfte aus. Gerade mal 155 Ingenieure im Maschinen- und Fahrzeugbau waren im Oktober arbeitslos gemeldet. Die Suche nach geeigneten Leuten ist fast aussichtslos. Die Region Stuttgart greift deswegen zu anderen Mitteln: Sie hat etwa 100 arbeitslose spanische Ingenieure in Barcelona abgeholt und mit rund 40 mittelständischen Firmen in Kontakt gebracht.
Für den baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) ist das ein Projekt mit Modellcharakter: "Das Modell, Fachkräfte aus dem europäischen Binnenmarkt in die Regionen zu bringen, ist richtig", sagte er am Mittwoch in Stuttgart. Das Land sei bereit, vergleichbare Aktionen umzusetzen. Auch das Bundeswirtschaftsministerium habe schon interessiert angefragt, heißt es aus dem Ministerium.
Das Netzwerk "Arbeitsmarktmonitor Region Stuttgart" leitete die Anwerbung spanischer Ingenieure in die Wege. Zusammen mit der spanischen Botschaft und der Agentur für Arbeit wurde gezielt nach geeigneten Bewerbern für Stellen in der Region gesucht. 100 von ihnen wurden schließlich zu persönlichen Gesprächen mit den Firmen nach Deutschland geflogen.
"In Ihrem Land ist es derzeit schwierig, gute Arbeitsstellen zu finden, während hier die Firmen suchen", begrüßte Walter Rogg von der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart die Bewerber. Die Freizügigkeit und Mobilität des Arbeitsmarkts sei ebenso wie die gemeinsame Währung Voraussetzung für einen europäischen Binnenmarkt, sagte er.
Die Firmen nehmen die Initiative dankbar an. "Es wird zunehmend schwieriger", sagte Filiz-Vera Tincman, Personalreferentin des Ingenieursdienstleisters inform. Einfach Stellen auszuschreiben, reiche kaum aus. "Wir müssen gucken, was es für alternative Wege gibt", sagte sie. Deswegen sei die Aktion eine "tolle Initiative".
Das sehen auch die Bewerber so. Der Maschinenbauingenieur Enrique Garcia hat etwa 70 bis 80 Bewerbungen in Spanien verschickt, aber nichts gefunden. "Frustrierend" sei das. Es sei für ihn nicht leicht, Spanien zu verlassen, aber die einzige Lösung.
Auch die Telekommunikationsingenieurin Laura Perera Rodriguez berichtet von einer "schweren Situation" in Spanien. "Die Leute sind desillusioniert", sagte sie.
Eine Ausweitung des Projekts ist gut möglich. Dieser Tage kündigte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an, verstärkt um Fachkräfte in den südeuropäischen Ländern zu werben. Die Arbeitsagentur geht auch gezielt nach Bulgarien oder in den Elsass, weil dort gute Deutschkenntnisse vorhanden sind.
dapd
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