Kretschmann soll automatisch Sitz im Parteivorstand bekommen
6. Oktober 2011 | 11:20 Uhr
Foto: dapd
Stuttgart (dapd-bwb). Rund fünf Monate nach der Übernahme der Regierungsverantwortung stellen die baden-württembergischen Grünen bei ihrer Landesdelegiertenkonferenz am Wochenende (8./9. Oktober) in Aalen die organisatorischen Weichen für die Zukunft. Der Landesvorsitzende Chris Kühn sagte im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd, dass der Landesvorstand durch eine Satzungsänderung vergrößert werden solle. Ministerpräsident Winfried Kretschmann soll dem Gremium dann automatisch angehören.
Kühn räumte ein, dass die automatische Zugehörigkeit eines Regierungschefs zum Landesvorstand ein "Bruch" mit bisherigen Traditionen sei. Dennoch rechnet er nicht mit Streit über diese geplante Änderung. "Winfried Kretschmann ist auch bei uns Grünen mittlerweile Kult. Deswegen gibt es darum auch eigentlich keine Diskussion." Der Partei sei es wichtig, den Ministerpräsidenten nicht nur als Berater im Landesvorstand zu haben.
Neben dem Ministerpräsidenten sollen zwei weitere Regierungsmitglieder dem Landesvorstand angehören. Gleichzeitig soll auch die Zahl der Basis-Abgeordneten erhöht werden, sodass statt bisher 16 dann 21 Personen dem Vorstand angehören, sagte Kühn.
Um die Partei stärker zu professionalisieren, würden die Landesvorsitzenden künftig mit einer Vollzeitstelle ausgestattet, sodass sie nicht mehr nebenher arbeiten müssten, erläuterte er. Darüber hinaus soll die Geschäftsstelle in Stuttgart zusätzliches Personal erhalten.
Die Grünen bereiten sich in Aalen auch auf den Wahlkampf vor der Landtagswahl 2016 vor. Über einen Fonds sollen mehr Parteimittel zu den Parteiorganisationen vor Ort fließen, "weil wir 2016 im Landtagswahlkampf flächendeckend präsent sein wollen, um ein ähnlich gutes Ergebnis zu erzielen", sagte Kühn.
Um im Vorfeld der nächsten Landtagswahl eine große Kampagne finanzieren zu können, will die Partei zudem noch mehr Geld ansparen. "Wir wollen 2016 im Konzert des Wahlkampfes eine gewichtige Rolle spielen und erhöhen unser Wahlkampfbudget daher auf eine Million Euro", sagte Kühn, der sich zum Bündnis mit dem Koalitionspartner SPD bekannte: "In fünf Jahren werden wir Grünen ein sehr gutes Ergebnis holen und wieder in der Regierung landen. Am besten in der derzeitigen grün-roten Konstellation."
Die größte Herausforderung für den neuen Landesvorstand, der am Samstag in Aalen gekürt werden soll, sieht Kühn in der Integration der zahlreichen neuen Mitglieder. In den vergangenen neun Monaten hätten die Grünen im Südwesten 1.000 neue Mitglieder verzeichnet, sagte Kühn. Die Partei habe über alle Bevölkerungsschichten hinweg Zulauf. "Diese Vielfalt bietet eine Riesenchance zur Weiterentwicklung der Partei. Das wollen wir nutzbar machen, um breiter, stärker und vielfältiger zu werden."
dapd
Abgelegt unter: Grüne · INT · Kuhn · Parteien
