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Einerfahrer schneller als Heidelberger Leben-Achter bei „Rudern gegen Krebs“

15. September 2011 | 15:18 Uhr

Karlsruhe/Heidelberg (hbl). Dass ein einzelner Ruderer in einem Einer unter bestimmten Bedingungen schneller sein kann als 8 Ruderer mit Steuermann in einem Achter bewies die Benefiz-Ruderregatta “Rudern gegen Krebs” am Wochenende in Heidelberg. Der Einer-Fahrer war allerdings nicht irgendwer, sondern mit Marcel Hacker der zur Zeit schnellste deutsche Einerfahrer und frischgebackene WM-Vierte. Gegen den Ruder-David, der allerdings eher wie ein Goliath aussieht traten drei Achter an: Neben einem Heidelberger „Uni-Promiachter“ noch ein Mixed-Studenten-Achter und der Heidelberger Leben-Achter. Letztgenannter sollte eigentlich mit so kurzen Wettkampfstrecken wie in Heidelberg aus der Ruder-Bundesligasaison vertraut sein. Insgesamt etwa 25 Rennen auf fünf Bundesligaregatten fuhr 2011 der Heidelberger Leben-Achter um Punkte in der Frauenklasse, auf Wettkampfstrecken zwischen 250 und 350 Metern.

"Superfinale" Rudern gegen Krebs auf dem Neckar in Heidelberg. In den roten im Boot mit der Startnummer 20 die Mannschaft des Karlsruher Rudervereins Wiking. Foto: Lothar König.

"Superfinale" Rudern gegen Krebs auf dem Neckar in Heidelberg. In den roten Trikots im Boot mit der Startnummer 20 die Mannschaft des Karlsruher Rudervereins Wiking. Foto: Lothar König.

Doch Marcel Hacker schlug sie alle, 1,23 Sekunden war er schneller als der Uni-Promiachter, 2,45 Sekunden schneller als der Heidelberger Leben-Achter und gar fast vier Sekunden als der Mixed-Achter. 4 Sekunden – eine kleine Ewigkeit im Rudersport, selbst auf der olympischen Distanz von 2000 Metern. Heidelbergs Frauenachter-Trainer Andreas Dorbach erklärt das so: „Aufgrund des geringeren Gewichts erreicht ein Einer eine höhere Beschleunigung als ein Achter und erreicht dadurch schneller seine Endgeschwindigkeit. In der Beschleunigungsphase – vom Start bis circa Schlag sechs- ist der Einer daher bevorzugt. Der Achter wird als ‚schneller‘ bezeichnet, da er gegenüber dem Einer eine höhere Endgeschwindigkeit erreicht. Je kürzer die Strecke um so eher hat ein Einer daher die Chance einen Achter zu schlagen. Zweitens: Auf der Kurzstrecke ist die Kraftkomponete der Kraftausdauersportart Rudern dominierend. Dies bevorzugt Männer überproportional im Vergleich zu der Komponente Ausdauer gegenüber Frauen. Drittens ist Marcel Hacker Olympiateilnehmer, die Ruderinnen des Heidelberger Leben-Achter sind Bundesligasportler.“

Das Rennen David gegen Goliath(s) namens „Einer gegen Alle“ war eigentlich nur ein Showrennen während der ganztägigen Veranstaltung, die die Rudergesellschaft Heidelberg zusammen mit der Stiftung „Leben mit Krebs“ durchgeführt hatte. Im Mittelpunkt der Regatta standen die Ruderer, die als ehemalige Krebspatienten oder beruflich damit beschäftigten an einer sportlichen Herausforderung teilnahmen. Darüber hinaus fuhren noch zwei Firmen- und zwei Rudervereinsmannschaften mit.

78 Teams traten auf dem Neckar gegeneinander an und „erarbeiteten“ mit ihren Startgeldern rund 20.000 Euro für spezielle Patienten-Sportprogramme am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Das führte auch zu so kuriosen Mannschaftsnamen wie „Krebsviren“, „Jägerschnitzel“ und „Onkolotse“. Zwei Krebspatienten-Teams aus Heidelberg und Neuruppin maßen sich unter den Klängen von Hubert von Goiserns „Sieger“ im Drachenboot.

Sportlicher Sieger unter den 78 Vierer-Mannschaften wurde “Brumsumsel“ vom Krankenhaus Nordwest, Abteilung Onkologie-Hämatologie. Auf Platz Vier kam im so genannten „Super-Finale“ der besten Männer-, Frauen- und Mixed-Boote die Frauenmannschaft  des Karlsruher Rudervereins Wiking; dort  ruderte ebenfalls eine ehemalige Krebspatientin: „Motiviert durch die positive Erfahrung im letzten Jahr, während meiner Erkrankung und Therapie in der Gruppe rudern zu können, entstand die Idee, bei ‚Rudern gegen Krebs‘ mitzumachen. Beim Training wurde mir erst klar, was da bei der ersten Regatta meines Lebens auf mich zu kommt. Aber ganz nach dem Motto: ‚Die Suppe haben wir uns eingebrockt, so löffeln wir sie auch aus!‘, ging unsere Vorbereitung auf das Event weiter!“

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