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„Läufer ist doch kein Beruf!“ – Ein Abend mit Dieter Baumann

25. Mai 2012 | 17:41 Uhr

Karlsruhe (hbl). „Läufer ist doch kein Beruf!“ sagte 5000 Meter-Olympiasieger Dieter Baumann. Eigentlich weiss er es besser, leben heutzutage doch viele Sportler vom Laufen, die Liste der Kenianer, die hierzulande auf Marathons und Halbmarathons starten, ist lang; Sprint-Asse wie Usain Bolt oder Lolo Jones können sich sogar aussuchen, wo sie starten und wo nicht. Der Satz „Läufer ist doch kein Beruf!“ sitzt aber richtig in der Zeit, in der Siegfried Lenz’ Roman „Brot und Spiele“ stattfindet, dort steht er auch. Die Zeit war die sogenannte Nachkriegszeit, in der die Leichtathletik noch reiner Amateursport war, jedenfalls auf dem Papier. Und doch stimmt der Satz auch heute noch, irgendwie, schließlich ist „Läufer“ kein Ausbildungsberuf und studieren kann man es auch nicht. (Profi-)Läufer zu sein, das ist die Pflege eines großen physischen Talents, kombiniert mit viel Training.

Dieter Baumann. Foto: TOLLHAUS Karlsruhe.

Dieter Baumann, hier in der Rolle des Radioreporters, der das letzte Rennen des Läufers Bert Buchner schildert . Foto: TOLLHAUS Karlsruhe.

Einer, der Profiläufer war, ist der Schwabe Dieter Baumann: Olympiasieger 1992 und Europameister 1994 und bis 2003 viele Male deutscher Meister. Zahnpasta-Dopingvorwurf 1999, vom Deutschen Leichtathletikverband freigesprochen, weil die Haarproben ohne Befund waren, vom Internationalen Verband für zwei Jahre gesperrt. Baumann bezeichnet Siegfried Lenz’ Roman „Brot und Spiele“ als das Buch, das ihn schon immer stark fasziniert hätte. In seiner aktiven Zeit war es oft in seiner Sporttasche, vor zehn Jahren versuchte er erfolglos, eine Verfilmung anzuschieben. Nun steht er damit auf der Bühne, tingelt mit einer Theaterfassung durch Deutschland. So war er auch im Karlsruher „Tollhaus“, um sein Ein(Bau-)mannstück zu zeigen. Bevor es um Viertel nach Acht losging, stand aber noch „Laufen mit Dieter Baumann“ auf dem Programm. Eine Läuferin und sechs Läufer fanden sich ein, um mit Dieter Baumann zu laufen, auch Tollhaus-Geschäftsführer Bernd Belschner, lies es sich nicht nehmen, mitzulaufen. „Sport und Kultur zusammenzubringen, das ist schwierig“ sagte Belschner angesichts der kleinen Gruppe. Nachdem die Läufer aus dem mörderischen Feierabendverkehr in der Oststadt herausgekommen waren, wurde es im Karlsruher Oberwald deutlich angenehmer. Eine knappe Stunde war die Gruppe unterwegs, Baumann erzählte von dem Ultralauf in Biel, von Tübingen und Kenia und davon, dass das Theaterspielen derzeit etwa ein Drittel seiner Tätigkeit ausmache. Anschließend saß die Laufgruppe frisch geduscht mit den „normalen“ Gästen im Zuschauerraum und er stand auf der Bühne, statt im Lauftrikot nun in Rollkragenpulli und Cordjackett. In fünf unterschiedliche Rollen schlüpfte Baumann, nicht nur in die Hauptfigur des Romans, dem Läufer Bert Buchner. Dabei kam der durch Baumann interpretierte und unter der Regie Carola Schwelien entstandene Läufer noch am schlechtesten weg: Buchner war bei Baumann skrupelloser als bei Lenz, der den Läufer mehr als tragische Figur zeichnete.

Die einzige – sehr kleine – Frauenrolle war bei Baumann vielleicht etwas zu albern wiedergegeben, dafür gelang ihm der Typ „desillusionierter Journalist“ recht gut. In einigen wenigen Momenten hatte Dieter Baumann etwas von der Qualität des dauermürrischen deutschen Allround-Altmimen Thilo Prückner. Allerdings musste man in Kauf nehmen, dass der Olympiasieger kein von der Pike auf ausgebildeter Schauspieler ist. Hier und da fehlt es an hundertprozentiger darstellerischer Überzeugungskraft und richtig Rauchen kann der ehemalige Leistungssportler auch in der etwa 18. Aufführung von „Brot und Spiele“ nicht. Fazit: Ein ordentliches Einmannstück, das ganz auf Baumann zugeschnitten ist und im Grunde nicht erst mit dem Bühnenauftritt begann. Insofern sollte man, soweit möglich, auch an „Laufen mit Dieter Baumann“ teilnehmen. Zur Info für die Anforderung an die athletische Mitmachleistung: Es wurde ein recht moderates Tempo von etwa 6:30 Minuten pro Kilometer gelaufen.

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