Fiducia Baden-Marathon: Schneller laufen mit Gesprächen über Politik
21. August 2011 | 9:00 Uhr
4:30h-Zugläufer beim Fiducia Baden-Marathon: Heiko Ludwig vom Lauftreff memler.de. Foto: Veranstalter Stunt 100.
Karlsruhe (hbl). Der Fiducia Baden-Marathon nähert sich mit großen Laufschritten. Viele überlegen sich nun, welche Zeit sie als Ziel setzen wollen: Haile Gebrselassis Weltrekord (2:03,59 Stunden) brechen? Schnell genug laufen, um in Karlsruhe zu gewinnen (um die 2:10 Stunden, 2:45 bei den Frauen)? Noch unter vier Stunden finishen oder einfach nur durchhalten bis ins Ziel? Eine Möglichkeit ist es, sich einem der so genannten Zugläufer anzuschließen, die jeweils die Vorgabe haben, eine ganz bestimmte Zeit zu laufen. Ein Dutzend davon gibt es beim Baden-Marathon, ab 2:59 Stunden in 15-Minuten-Schritten. Einer dieser erfahrenen Läufer ist Heiko Ludwig von der Lauftreffgruppe „memler.de“, der in den Läufen der Region unterwegs ist. Je länger der Wettbewerb, desto besser scheint es ihm zu gefallen, so mischt er auch regelmäßig beim 80 Kilometer langen Karlsruher Fidelitas-Nachtlauf jeden Mai mit (Boulevard Baden berichtete) und hat eine Marathon-Bestzeit von 3:12 Stunden aus dem Jahr 2007 stehen. Ein Interview mit dem 47-jährigen Zugläufer, der in der Physik promoviert hat und nun Software-Entwickler ist.
Boulevard Baden: Heiko, erstmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner erfolgreichen Teilnahme und dritten Platz Mitte August am 100 Meilen-Rennen in Sibbesse in der Nähe von Hildesheim.
Heiko Ludwig: Vielen Dank für die Glückwünsche. Dieses Jahr ging es etwas leichter als letztes Jahr.
BB: Die Distanz des Baden-Marathons beträgt “nur” 42,195 Kilometer. Wieviel Training sollte der Neu-Marathoni in den Beinen haben, damit seine erste Teilnahme ein Erfolg wird?
Ludwig: Das kann man so pauschal nicht sagen. Wenn man schon vorher viel Sport getrieben hat, geht die Marathonvorbereitung relativ schnell. Wenn man von Null startet, sollte man ein systematisches Aufbautraining über mindestens ein Jahr machen und sich vielleicht erst mal einen Halbmarathon vornehmen. Man kann sicherlich seinen ersten Marathon auch mit unregelmäßigem Training und wenig Trainingskilometern finishen. Das unzureichende Training muss man dann mit Willenskraft und Leidensfähigkeit während des Marathons ausgleichen.
BB: Du bist Zugläufer für Marathonläufer, die die Distanz in 4:30 Stunden absolvieren wollen und machst das nicht zum ersten Mal. Wie achtest Du darauf, genau nach viereinhalb Stunden ins Ziel zu kommen? Läufst Du gleichmäßig oder gibt es Unterschiede in Deinem Tempo?
Ludwig: Bei Marathon ist jeder Kilometer markiert. Die Endzeit wird dadurch gesteuert, dass wir die Zeit pro Kilometer stoppen. Daraus können wir unser Lauftempo und damit die Endzeit steuern. Wir versuchen die ersten 30 Kilometer ein paar Sekunden schneller zu laufen, als es für die geplante Endzeit notwendig wäre, um etwas Zeitpuffer aufzubauen. Erfahrungsgemäß fangen bei vielen die Schwierigkeiten ab 30 Kilometer an, deshalb werden wir ab da immer langsamer.
BB: Wie erkennen Dich die Marathonis, die sich an Dir orientieren wollen?
Ludwig: Die Zugläufer haben Schilder mit ihrer geplanten Endzeit auf dem Rücken, außerdem hat jeder Zugläufer eine großen gelben Ballon mit der Endzeit, der von weitem zu sehen ist, wenn der Ballon nicht platzt.
BB: Ich nehme an, man kommt mit den anderen 4:30-Läufern auch mal ins Gespräch. Welches Leid wird Dir da geklagt? Wird auch über völlig Unsportliches getratscht?
Ludwig: Ab und zu bin ich schon nach einem Rat gefragt worden, weil jemandem etwas weh tut. Bei kleineren Problemen gibt es da noch den einen oder anderen Trick den man versuchen kann. Manchmal hilft es auch schon jemandem Mut zu machen, dass das mit dem Marathon noch klappen kann. Die meisten Gespräche, die keine unmittelbaren Fragen an mich in meiner Rolle als Zugläufer sind, fangen auch mit dem Thema Laufen an. Wenn ein Gespräch etwas länger geht, kann sich das Thema auch mal auf andere Gebiete ausdehnen. Im Training hab ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten schneller werden, wenn über Politik gesprochen wird. Das könnten wir dieses Jahr vielleicht mal auf den letzten Kilometer durch die Stadt versuchen, wenn jemand langsamer wird…
Die Fragen stellte Hannes Blank
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