Die Nacht der einsamen Läufer
27. Juni 2011 | 17:10 UhrDer 33. Internationale Fidelitas-Nachtlauf gebar einsame Helden und gesellige Marathonis

Einer der einsamen Läufer des 33. Fidelitas-Nachtlaufes: Startnummer 121, Thomas Jassmann, 80 Kilometer in 8:45,08 Stunden. Foto: Hannes Blank
Karlsruhe-Rüppurr/Durlach/Remchingen/Mutschelbach/Ittersbach/Ettlingen (hbl). Die Nacht des vergangenen Wochenendes gehörte – in den Dörfern und Wäldern entlang der Strecke – den Ultra-Läufern des 33. Fidelitas Nachtlaufes. 80 Kilometer lang war und ist dieser Lauf, vom PSK in Rüppurr über Durlach nach Grötzingen, hoch nach Jöhlingen, danach ein ständiges Auf und Ab über Remchingen, Mutschelbach, Langensteinbach, Ittersbach, Langenalb, um dann das Albtal hinunter zu laufen, durch Ettlingen hindurch zum Ziel, dem FC Südstern. Für die meisten Läufern wurde es nach der Hälfte der Distanz dunkel, selbst die Schlussläufer der allerschnellsten Staffeln rannten nicht mehr bei Tageslicht. Die Helden der Nacht sind wieder die gewesen, die die 80 Kilometer komplett und allein gelaufen sind, 149 Frauen und Männer haben das 2011 geschafft. Manche liefen in Grüppchen, manche immer alleine, manche mit einem Fahrradfahrer als Begleitung, manche unterhielten sich, manche schwiegen. Kurz vor dem Ziel, auf dem Platz des FC Südstern, liefen einige in der vorletzten Kurve statt links zum Ziel geradeaus auf den Kunstrasenplatz des Vereins, obwohl das Ende schon sicht- und hörbar war, jedenfalls für diejenigen, die sich schon ein wenig ausgeruht hatten. Der Umweg über das Plastikgrün kostete bestenfalls 30 Sekunden, was angesichts von Zeiten zwischen sechs und vierzehneinhalb Stunden nicht ins Gewicht fiel. Wer sich die 80 Kilometer nicht zutraute, konnte am Staffellauf teilnehmen, immerhin 64 Mannschaften teilten sich die Strecke und fuhren die Wechselstellen in Grötzingen. Mutschelbach und Langenalb an. Man sah sich immer mehrmals wieder, am Start, auf der Strecke, an den Wechselstellen und dann schließlich im Ziel: Mal ausgeruht, mal erschöpft, mal ungeduscht und schließlich wieder gereinigt, äußerlich und manche auch innerlich am Endpunkt der 80 Kilometer, in einem von den Veranstaltern „Airdome“ genannten monströsen, aufblasbaren Zelt.
Das läuferische Niveau war in diesem Jahr gut; zwar wurde kein neuer Streckenrekord aufgestellt, aber die Leistungsdichte hatte sich erhöht. Lokalmatador Heiko Ludwig von den Karlsruher Memlern, im Vorjahr Sechster, lief zwar mit fast genau 7 Stunden neue Bestzeit, wurde in diesem Jahr aber „nur“ Elfter. Vorjahressieger Guido Schwager hatte zwar sichtlich Spaß an dem Rennen, konnte seinen Triumph von 2010 jedoch nicht wiederholen. Ein Holländer war zum Fidelitas-Nachtlauf gekommen, Jeroen Romeijn aus Eindhoven. Er lief zunächst zurückhaltend, war zeitweise nur Dritter. „Ich habe meine Ruhe bewahrt, das hat sich ausgezahlt“ sagte Romeijn und zollte dem Streckenprofil Respekt „In Holland ist es flach, 900 Höhenmeter haben wir da nicht!“, so der Sieger in 6:04,17 Stunden. Schnellste Ultraläuferin war Nicole Bennig von Eichenkreuz Schwaikheim (7:12,03 Stunden), vor Stefanie Krieg von der LG Muli. Die Langdistanz-Triathletin nahm zum dritten Mal am 80 Kilometer-Lauf teil: „Ich freue mich über meine neue Bestzeit und fand den Lauf schon immer sehr schön, besonders die Glühwürmchen, die man sieht…“
Eingebettet in den 33. Internationalen Fidelitas-Nachtlauf war der 2. Fidelitas-Nachtmarathon. Die rund 60 Teilnehmer starteten gemeinsam um 20 Uhr bei Kilometer 38 in Mutschelbach und liefen die restlichen 42 Kilometer des Ultras bis ins Ziel. Am schnellsten tat das Dirk Karl in 3:12,52 Stunden, bei den Frauen gewann die gebürtige Französin Emmanuelle Vergé aus Knittlingen, die für den TV Bretten startete. Ihre Zeit: 3:27,30 Stunden, ihr Fazit: „Eine optimale Vorbereitung für den Ultralauf in Bretten am 16. Juli!“.
Um 1 Uhr nachts fand die Siegerehrung statt, der Lauf war da aber noch lange nicht vorbei. Immer wieder bog einer aus dem dunklen Wald auf das vom Flutlicht erhellte Sportgelände ein. Nach 11 Stunden Laufzeit wurde es langsam wieder hell, der letzte kam Sonntagmorgen um 7:37 Uhr ins Ziel. Sein Name: Ingo Kliem. Sein Hobby: Ultralauf.
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