Deutscher Handballnachwuchs ist Europameister
22. Juli 2012 | 22:15 UhrHandball
Europameisterschaften
männliche Jugend Jahrgang 94 und jünger
Karlsruhe (esch). An Dramatik war das Endspiel um die Europameisterschaft der männlichen Jugend (Jahrgang 1994 und jünger) kaum noch zu überbieten und wurde erst in der Verlängerung entschieden. Deutschland forderte den großen Topfavoriten Schweden wie von Trainer „Pitti“ Petersen angekündigt richtig heraus und rang ihn in der Verlängerung mit 30:29 nieder. Deutschland feiert den nächsten Jugendtitel dank einer grandiosen Mannschaftsleistung.
In der Vorrunde spielte das deutsche Team in der gleichen Gruppe wie der skandinavische Favorit und unterlag deutlich mit 20:29. Die Schützlinge des Trainergespannes Petersen/Armbruster steigerte sich danach von Spiel zu Spiel und traf heute im Endspiel im österreichischen Hard erneut auf den skandinavischen Kontrahenten. Obwohl Deutschland im Halbfinale gegen Spanien mit der 6:0 Abwehrvariante überragend agiert hatte, wählte man im Endspiel die offensivere Formation 3:2:1, phasenweise sogar 3:3 und brauchte einige Zeit, um damit das schwedische Angriffsspiel entscheidend stören zu können. Im Tor war wieder der Junglöwe Jonas Maier aufgeboten, der auch in dieser Begegnung wieder einen wichtigen Beitrag leisten sollte. Der Nachwuchs der Handballnation aus den hohen Norden beherrschte die Anfangsphase und lag ständig in Front. Die Adlerträger ließen in diesem Abschnitt etliche gut herausgespielte Chancen liegen und vermasselten auch drei Tempogegenstöße. Doch dann fanden die deutschen Jungs zunehmend zu ihrem Spiel und lagen kurz danach mit zwei Toren in Front. Maier machte einige Chancen des Gegners zunichte und half mit, dass sein Team mit einer 14:13 Führung in die Pause gehen konnte.
Nach dem Wechsel hatte es den Anschein, als könnten die Petersen Schützlinge an die letzen Partien anknüpfen, denn sie gaben nach Wiederanpfiff sofort Gas und bauten den Vorsprung auf 18:14 aus. Abwehr und Torhüter Maier ließen nichts anbrennen und bremsten die Angriffe der Schweden. Dann zeigten aber die Gelbhemden, weshalb sie als der große Favorit auf den Titel galten. Sie kämpften in der Abwehr verbissener und machten im Angriff mächtig Druck. Beim 20:20 hatten die Skandinavier erstmals wieder den Gleichstand erreicht und übernahmen beim 22:23 sogar die Führung. Im deutschen Team kam es zu einem kleinen Bruch im Spiel, da öfters individuelle Fehler die gegnerischen Bemühungen erleichterten. Mit dem 22:24 ging der Favorit zum ersten Mal wieder mit zwei Toren in Front und schien auf die Siegerstraße eingebogen zu sein. Der deutsche Nachwuchs gab sich jedoch nicht geschlagen und hielt kräftig dagegen. In der Schlussphase kassierten die Schweden eine rote Karte, da ihr Siebenmeterschütze Maier ins Gesicht schoss. Im Gegenzug verkürzten Deutschland auf 23:24, mussten aber in Überzahl erneut einen zwei Tore Rückstand hinnehmen und gerieten damit immer mehr unter Druck, da nicht mehr viel Zeit zur Verfügung stand. Als das „Drei Kronen“ Team eine Minute vor dem Ende mit 24:26 vorne lag, war der Titel scheinbar vergeben. Das Trainerteam ordnete offene Manndeckung an und die Jungs erkämpften sich zwanzig Sekunden vor dem Ende den Anschlusstreffer zum 25:26. Der schwedische Trainer nahm eine Auszeit, um seine Mannschaft, die ja immer noch in Unterzahl agieren musste, auf die letzten dreizehn Sekunden einzuschwören. Die Jungs mit dem Bundesadler auf der Brust eroberten den Ball und markierten mit dem Schlusspfiff den Ausgleich zum 26:26. Sie hatten sich in die Verlängerung gerettet.
Die Verlängerung von zweimal fünf Minuten stand vor allem im Zeichen von Torhüter Jonas Maier, er schien einfach unüberwindbar. Im ersten Abschnitt der Extrazeit kassierte der Junglöwe, der ab der kommenden Saison einen Vertrag bei den Rhein-Neckar-Löwen besitzt, ein einziges Tor. Seine Kameraden brachten dagegen drei Treffer im gegnerischen Gehäuse unter und legten damit den Grundstein zum Titelgewinn. Als der deutsche Nachwuchs unter den Augen von Bundestrainer Martin Heuberger und DHB Manager Heiner Brand im letzten Abschnitt die Führung auf 30:27 erhöhte war der Titel greifbar nahe. Eine aufopferungsvoll kämpfende Abwehr und der überragende Maier ließen nur noch zwei Treffer der Schweden zu, so dass sich Deutschland mit 30:29 als Champion 2012 feiern durfte. Der Jubel kannte bei Spieler, Betreuern und mitgereisten Fans keine Grenzen. Der Dormagener Simon Ernst und der Junglöwe Marcel Engels, der ab der kommenden Runde beim Zweitligisten SG Leutershausen der Harzkugel nachjagen wird, wurden ins Allstar-Team gewählt. Der Erfolg des Trainergespannes Petersen/Armbruster zeigt erneut, welch hohe Qualität die Jugendausbildung im deutschen Handball auf zu weisen hat.

Jonas Maier kann so schön jubeln(Foto: cls)
Eine letzte Meldung von Jonas Maier wie schon bei den Spielen zuvor: “Es war einfach unglaublich. Wir waren der krasse underdog in diesem Spiel und haben die Sensation geschafft!!!! Schweden war bislang das beste Team und wir haben auf den sogenannten Flow gehofft, um das Spiel zu gewinnen. Nach dem Ausgleich in letzter Sekunde war alles möglich. Wir haben die Chance eiskalt genutzt. Ich bin soooo überglücklich und kann es immer noch nicht relisieren.”
Für Deutschland spielten: Jonas Maier (SG Kronau/Östringen) (1. – 60.) , Christopher Rudeck (SG Flensburg/Handewitt) (ein Siebenmeter) - Maximilian Bettin (HSG Bingen), Paul Drux (Füchse Berlin), Max Emanuel (HA Leipzig/Delitzsch), Marcel Engels (SG Kronau/Östringen), Simon Ernst (TSV Bayer Dormagen), Jannik Hausmann (JSG Balingen-Weilstetten), Timo Kastening (TSV Burgdorf), Jannik Kohlbacher (TV Großwallstadt), Yves Kunkel (HSG Völklingen), Moritz Preuss (TSV Bayer Dormagen), Alexander Saul (SC Magdeburg), Jaron Siewert (Füchse Berlin), Tom Spieß (TV Großwallstadt), Lars Spieß (TV Großwallstadt)
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