Der Badische Handballverband bringt erfolgreiches Teamcoaching nach vorne
9. Mai 2010 | 12:37 UhrTeamchoaching? - Was ist das und vor allem, wie geht das?
Karlsruhe (esch). Zitat eines erfolgreichen Trainers: „Wir Trainer haben viele Fortbildungen gemacht, wir wissen eigentlich sehr viel – aber die entscheidenden Sachen bleiben uns verschlossen: Wie funktioniert eigentlich ein Spieler? Nach welchen Gesetzmäßigkeiten kann ein Team seine Leistungen abrufen?“
Gerade ist eine Saison zu Ende gegangen und viele Trainer und Trainerinnen werden sich fragen, weshalb das angestrebte Ziel nicht erreicht werden konnte. Sie hatten mit ihren Teams im taktischen und konditionellen Bereich „gut“ gearbeitet, aber auf dem Spielfeld konnte nicht alles umgesetzt werden. Wie geht man als Trainerin oder Trainer damit um, welche Konsequenzen ziehe ich daraus vor allem auch im Hinblick auf die Planungen für die neue Saison? Wie nutze ich die bislang nur wenigen erschlossenen Geheimnisse der Team-Motivation und – Identifikation? Für den Badischen Handballverband sind diese und weitere Fragen Grund genug, sich in Fortbildungen und in der Trainerausbildung damit auseinanderzusetzen. Unterstützung findet der Verband in der Person von Jürgen Boss, dem Begründer der „Projekt-Dialog GmbH“, der als Leiter eines Seminars für Trainer mit dem Thema „Erfolgreiches Teamchoaching“ am vergangenen Wochenende auf der Sportschule Schöneck gewonnen werden konnte.
In diesem Seminar sollten die Teilnehmer lernen, wie sie die Nutzung der vollen Potenziale ihres Teams schon in der Saisonvorbereitung nutzen für den Erfolg in der Runde. Ansätze aus der Gehirnforschung – gepaart mit innovativen Ansätzen aus der Teamentwicklung – zeigen neue und erfolgreich praktizierte Wege auf. Vorsprung nutzen!
Herr Boss, der früher selbst ein aktiver Handballer war, arbeitet schon seit drei Jahren mit den Gremien des BHV zusammen. Seine Tätigkeit beschränkt sich dabei nicht nur auf die Traineraus- und fortbildung, sondern er befasst sich zusammen mit den Kadertrainern häufig auch mit den Auswahlteams.
Worum geht es bei dieser Thematik? Eine erste Antwort findet man auf der Homepage von Projekt-Dialog: „Nur gemeinsame Anstrengung macht es möglich, ein Ziel trotz wechselnder Randbedingungen zu erreichen. Dazu sind flexible Aufgaben- und Rollenverteilung im Team, offener schneller Dialog und das Erleben vorbehaltlosen Zusammenhaltes wichtige Voraussetzungen. Wenn alle im Team Verantwortung übernehmen und jeder seinen Beitrag leistet, werden Herausforderungen bewältigt. Projekt-Dialog bietet Team- und Organisationsentwicklung auf Basis von umfangreichen Moderations- und Methodenwissen sowie neuester Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und dem Leistungssport.“
Die zweite Antwort bekamen die Seminarteilnehmer auf der Sportschule Schöneck. Sie setzten sich zusammen mit Seminarleiter Boss mit folgenden Inhalten auseinander:
Nutzung der psychologischen Potenziale einer Saisonvorbereitung
Teamentwicklungsphasen nutzen
Integration neuer Spieler
Rollen und Aufgaben im Team
Methoden aus der Forschung: EFT (Emotion freedom Technique)
energetische Methoden
Bewältigung von Krisen und Konflikten
Die teilnehmenden Trainer, die bei Vereinen des BHV tätig sind und zwei Trainer vom Pfälzer und Hessischen Handballverband als Gäste, erhofften folgende Nutzen mitnehmen zu können:
- „überfachliche“ Methoden kennen lernen und diese gezielt nutzen
- das Team mit neuen Ansätzen überraschen
- erfolgreicher durch Team- und gehirngerechtes Coaching werden
Den Teilnehmern wurden dabei praktische Übungen an die Hand gegeben, die sie zuerst einmal selbst erfahren durften. Sie konnten erkennen, dass diese Übungen in der alltäglichen Arbeit mit den Teams auch eingesetzt werden und Nutzen bringen können.
Praktische Übung: “Seilquadrat”
Boulevard Baden hat sich einmal bei diesem Seminar umgesehen und die Gelegenheit genutzt mit Teilnehmern zu reden:
BB: „Weshalb nehmen Sie an diesem Lehrgang teil“?
Trainer 1: „Ich habe im privaten Leben und im Beruf viel mit Menschen zu tun, deshalb interessiere ich mich für diese Thematik. Als Trainer möchte ich diese Erkenntnisse auch auf den Sport übertragen, um dort weiter zu kommen“.
BB: „Sind Ihre Erwartungen in diesem Seminar erfüllt worden“?
Trainer 1: „Sie sind sehr wohl erfüllt worden. Für mich war es wichtig, nicht nur einzelne Module kennen zu lernen, sondern auch zu erfahren wie man das Wissen einsetzt. Ich habe hier gelernt, wie man die Erfahrungen in die Vorbereitung einbindet. Wie verfahre ich in der Wettkampfphase, welche Team bildende Maßnahmen kann ich für meine Mannschaft anwenden. Ich habe hier den Rahmen bekommen und kann für mich nun in die Tiefe gehen“.
BB: „Mit welchen Erwartungen haben Sie sich angemeldet“?
Trainer 2: „Ich wollte neue Methoden kennen lernen, da ich überzeugt bin, dass die alten Methoden uns nicht mehr weiter bringen. Wir trainieren heute auf einem anderen Level. Ich sehe mit den neuen Ideen noch mehr Potenzial nach oben. Das wollte ich mir nun mal ansehen. Ich werde aus dem Kurs viel mitnehmen und versuche es umzusetzen“.
BB: „Erwarten Sie, dass Ihre Mannschaft diese neuen Methoden annehmen wird“?
Trainer 2: „Der Handball hat sich immer weiter entwickelt und die Spieler und Spielerinnen haben die Möglichkeit, sich noch mehr entwickeln zu können. Wir sind Trainer, die an diese Möglichkeiten glauben. Wir wollen unsere Teams nicht überfordern, sondern wollen sie zu besseren Leistungen führen. Das Seminar war ein Anfang“.
Zum Ende der Veranstaltung hat sich Jürgen Boss noch gegenüber dem Boulevard Baden geäußert:

Jürgen Boss (Foto: Projekt-Dialog)
Boss: „Man erkennt bei solchen Seminaren immer wieder, dass die Teilnehmer in einer gewissen Diskrepanz leben. Sie wissen instinktiv, dass die soziale und methodische Kompetenz für die Teamentwicklung sehr wichtig ist, dass sie auf der anderen Seite bei einer C- und B-Lizenz normalerweise nicht zu den Ausbildungsinhalten gehören. Der BHV hat seit zwei Jahren die Thematik in sein Programm aufgenommen. Aber das komplette Handwerkszeug, wie man ein Team formt, wie man mit schwierigen Spielern umgeht oder Grundbegriffe aus dem Mentaltraining werden nirgends vermittelt. Aber diese Faktoren sind ein großer Garant für eine gute Teamentwicklung“.
BB: „Kann dieses Wissen auf allen Ebenen eingesetzt werden“?
Boss: „Ja. Dieses Konzept kann bei Auswahlmannschaften, der Bundesliga, bei Damen wie Herren und auch in der Jugend angewandt werden. Im Augenblick ist die Thematik noch nicht verbreitet genug und deshalb sind solche Seminare sehr wichtig. Man sieht zwar, dass Teams gut sind oder schlecht, glaubt aber daran nichts ändern zu können. Die Wirtschaft hat uns das schon seit 15 Jahren voraus. Dort werden bei Projekten die Methoden der Teamentwicklung schön längst angewandt“.
Der BHV macht sich das nun seit drei Jahren bei seinen Auswahlmannschaften zu Nutzen und ist damit im Moment der erfolgreichste Verband im DHB.
Alle Teilnehmer waren in der abschließenden Reflexion der Auffassung, dass sie aus diesem Seminar sehr viel mitgenommen haben. Einige Kenntnisse hatten sich die Teilnehmer bereits angelesen und waren Ihnen bekannt. Allerdings fehlte den meisten der „Bogen“, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen. Sie waren sich auch einig, dass sie diese Erkenntnisse nun verstärkt in der Praxis anwenden werden. Bleibt zu hoffen, dass die Gremien des BHV den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen werden.
Abgelegt unter: bhv · Jürgen Boss · Sportschule Schöneck · TeamcoachingWeitere Meldungen aus der Kategorie Handball
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