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Ruderregatta Speyer mit geweihtem Boot: PFW Aerospace und Salierschule siegten

9. Juli 2010 | 16:08 Uhr
Bischof Wiesemann weihte das neue Kirchboot der Rudergesellschaft Speyer. (Foto: Angelika Schwager)

Bischof Wiesemann weihte das neue Kirchboot der Rudergesellschaft Speyer. (Foto: Angelika Schwager)

Karlsruhe (hbl). In Speyer trafen sich trotz tropischer Hitze zahlreiche Gäste zur feierlichen Kirchbootweihe des ersten in Deutschland nach Originalplänen gefertigten Kirchbootes. „Ich bin überrascht über den großen Zuspruch und freue mich, dass sie mit uns die Kirchbootweihe feiern“, begrüßte der Erste Vorsitzende der Rudergesellschaft Speyer Alfred Zimmermann die Gäste, allen voran Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Mit dabei waren auch Oberbürgermeister Werner Schineller, Landrat Clemens Körner, der neugewählte Oberbürgermeister Hansjörg Eger, für die Metropolregion Rhein-Neckar der Vorsitzende Dr. Harald Schwager und Geschäftsführer Wolfgang Siebenhaar, der Vorstand der Sparkasse Speyer Uwe Wöhlert sowie viele weitere Spender, die den Bau des Kirchbootes erst ermöglicht hatten. Nicht fehlen durften für den Sport die Vizepräsidentin des Sportbundes Pfalz Jutta Kopf, die Sportbürgermeisterin Monika Kabs und RGS-Ehrenmitglied Hermann Fuchs.

In einer sehr bewegenden Ansprache ging Bischof Wiesemann auf die Bedeutung des Kirchbootruderns an seinen historischen Wurzeln in Finnland ein. „Das Bild – alle in einem Boot – hat ja starke symbolische Strahlkraft, für Kirche, Politik, die Gesellschaft im ganzen aber natürlich auch für den Sport“, zeigte Bischof Wiesemann den späteren Nutzern des Kirchbootes Wege des fairen Umgang miteinander auf. Vor der Weihe durch Bischof Wiesemann sprachen die Anwesenden ein gemeinsames Gebet und es wurden dem Anlass entsprechende Fürbitten gesprochen.

Kirchbootrudern ist in der Tat eine Glaubensfrage, denn sie entstanden zu Zeiten der Reformation in Finnland in Anlehnung an die Langboote der Wikinger. Die erste urkundliche Nennung liegt fast dreihundertsiebzig Jahre zurück und stammt aus dem Jahr 1640. Die Verkehrsanbindung zwischen den Kirchengemeinden war sehr schlecht, allerdings bestand die Möglichkeit die verzweigten Wasserwege im Seengebiet zu nutzen. Das Kirchboot diente in erster Linie zur sonntäglichen fahrt zur Kirche, dabei entwickelte sich insbesondere die Heimfahrt dann schnell einem Wettrudern mit höchstem, Anspruch an Mensch und Material.

Nach der feierlichen Weihe oblag es Uwe Wöhlert von der Sparkasse Speyer das neu in Dienst gestellte Boot zu taufen. Mit einem launigen in Versform vorgetragenen Taufspruch schloss Uwe Wöhlert mit den Worten „Ich taufe dich auf den Namen „Salier“, Salier mit S wie Speyer und auch Salier mit S wie Sparkasse“ unter dem Beifall der Gäste.

„Einen besonderen Dank möchte ich an unseren Sportvorsitzenden Dr. Norbert Herbel aussprechen. Er war es, der die Chance für die RGS für die Metropolregion Rhein-Neckar die im Kirchbootrudern liegt, erkannte und das Kirchboot auf den Weg brachte“, schloss Alfred Zimmermann die feierliche Weihe und Taufe ab.

Nach dem zu Wasser lassen ging es auf die, auch vom Rhein-Neckar-Fernsehen begleitete, erste Ehrenfahrt des „Salier“. Ehrensteuermann Dr. Norbert Herbel, steuerte mit Werner Schineller und Dr. Harald Schwager auf den beiden Schlagplätzen die rudernden Ehrengäste, verstärkt um einige Ruderprofis im Bug, sicher zur Anlegestelle am Bootshaus.

Die 3. Auflage der Speyerer Kirchboot-Regatta auf der 200-Meter Strecke am Floßhafen beim Bootshaus der Rudergesellschaft verzeichnete in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung von 25 Teams. Alfred Zimmermann begrüßte die zahlreichen Zuschauer, die 350 Teilnehmer und als besonderen Gast unseren künftigen OB Hans-Jörg Eger. Nach der am Vortag erfolgten Weihe und Taufe des Kirchboots „Salier“ erwiesen nun die Boote aus Karlsruhe und Saarbrücken dem Flaggschiff der RGS ihre Reverenz. Verwaltungsvorsitzender Robert Gard verpflichtete mit dem Regattaeid die Teilnehmer auf fairen Wettkampf und angemessenen sportlichen Ehrgeiz – im Vordergrund sollten ja der Spaß und das Vergnügen stehen!

In 12 Vorläufen wurden dann bei schwül-heißem Wetter erstmals die Kräfte gemessen; neu am Start begrüßte RGS-Sportchef und Regattakommentator Dr. Norbert Herbel in diesem Jahr 11 Teams, die auf z.T. schon „eingeruderte“ Gegner trafen. Aus der politischen Szene waren die „GRÜNEN“ und die „Speyerer Wählergruppe“ erstmals dabei (die SPD musste in diesem Jahr aus Urlaubsgründen schon vor der OB-Stichwahl absagen). Das erfahrene CDU-Boot mit Fraktionschef Dr. Gottfried Jung und dem Landtagsabgeordneten Dr. Axel Wilke an Bord traf gleich im Vorlauf auf die SWG mit Hermann Preuss als Fraktions- und Bootsführer und musste zum Erstaunen der Zuschauer hier einmal dem kleinen Koalitionspartner den Vortritt lassen. Interessant auch das direkte Duell der beiden Physiotherapie-Praxen Richter (die „Quälgeister“ aus Speyer) gegen Punt (aus Dilsberg; RGS-Erfolgstrainer Harald Punt brachte hier Frau Hannemieke und Tochter Anique als Steuerfrau an den Start). Etwas mehr ruderische Erfahrung brachte der Praxis Punt den Vorlaufsieg. Ebenfalls neu die Damenteams der Salierschule Speyer (die Jury sah hier die beiden Männer an Bord nicht als Wettbewerbsvorteil) und die „ruderschwingenden Tennisluder“ vom TC Dudenhofen. Die Diakonissen, der Anwaltverein (mit Jürgen Stopka am Schlag), die Feuerwehr und das bunte, bärenstarke Männerteam vom Irish Pub Outside (mit einigen Zimmermännern an Bord) rundeten die Vorlaufduelle mit den „etablierten“ Konkurrenten ab. Dies waren die Damen vom Hockeyclub, der Sparkasse und den Stadtwerken, die Teams „Go for Rhinegold“, die „Eiersammler“, die Bauhütte/Zeche am Dom, der Wassersportverein, PFW Aerospace (die Flugzeugwerke), die Schützengesellschaft, die Volksbank Ruderbänker, das Energy-Team der Stadtwerke und die „Schdäddischen“, das Team der Stadtverwaltung Speyer mit Peter Roland Gärtner .

Bemerkenswert die Vorlaufleistung des Teams „Rhinegold“, die als erste im neuen Speyerer Kirchboot die 1-Minute-Grenze knackten! Nach den Hoffnungsläufen mussten in 10 Zwischenläufen die Paarungen für das Achtelfinale ausgefahren werden. Die Volksbank Galeere, als Sieger des Vorjahres mit einem Freilos weitergekommen, musste hier schon unerwartet gegen das Irish Pub-Team die Segel streichen. Auch für das starke Team der Bauhütte und die Volksbank Ruderbänker kam das Aus.

Nach dem Achtelfinale ging bereits der Pokal für das beste Damenteam an die Salierschule – wie passend zum neuen RGS-Kirchboot! Erneut eindrucksvolle Leistungen beim Irish Pub, der Tyco (gut eingestellt von Rainer Bohn), Ralf Burkhardt mit der SWS-Mannschaft und, von Danika Wettling hervorragend motiviert, bei den Flugzeugwerken.

Im Viertelfinale schließlich kam es zu den härtesten Auseinandersetzungen – dreimal wurde die 1-Minutengrenze unterboten. Das stärkste Duell lieferten sich die Stadtwerke mit den „Schdäddischen“; sie unterlagen knapp mit 0,6 Sekunden Rückstand.

Im Halbfinale dann das unerwartete Aus für die Stadtwerke (als schnellster Verlierer der vorhergehenden Runde) gegen Irish Pub Outside, und das Team der Stadt Speyer unterlag den Flugzeugwerken.

Das Finale schließlich war Endstation für das bunte Team vom Irish Pub – mit einer souveränen, ruderisch höchst eindrucksvollen Leistung setzten sich die „Wasserraketen“ von PFW Aerospace mit Danika Wettling am Steuer durch und waren damit um 19.38 Uhr Regattazeit Sieger der Kirchboot-Regatta 2010. Als Trost für den unterlegenen Gegner wurde der Mixed-Pokal kurzerhand als Trostpreis in den Pokal für das schnellste Männerteam ungewandelt…

Überaus schwierig gestaltete sich die Prämiierung des originellsten Teams – hier wären vier Pokale nötig gewesen! Herrlich das Team „Go for Rhinegold“ mit prächtigen Kostümen, Peter Faber als Oben-ohne-Haremsdame am Steuer und dem Lied „Die Karawane zieht weiter, der Durst aber bleibt“ (Unternehmensberatung Dr. Martina Schott). Und „Schneewittchen mit den 14 Dilsberger Zwergen“ (Praxis für Physiotherapie Punt) und wie im letzten Jahr wieder die „Eiersammler“ in Frack und Zylinder, Mieder und Reifrock beeindruckten das Publikum. Letztlich entschied sich die Jury für die Inszenierung der „Schdäddischen“, die mit Overall, Brötchentüte, Bildzeitung, Stechkarte und „Mahlzeit“ bis ins Halbfinale die Zuschauer erfreuten.

Nach einem langen, heißen, nur von zwei kleinen Regenschauern unterbrochenen Wettbewerbe endete der Regatta-Sonntag mit der Siegerehrung durch den 1. Vorsitzenden Alfred Zimmermann für die Teams und die Steuerleute. Ein großer Dank geht an die RGS-Familie, die dem Aufruf „all hands on deck“ folgte und ohne deren Hilfe dieses Großereignis nicht hätte bewältigt werden können. Besonderer Dank an Sabine und Robert Gard und Kirsten Lauer für die gesamte „Organisation an Land“ und an Charlie Scheurer, der stets den Überblick behielt und dessen logistischer Unterstützung der sportliche Erfolg der Kirchboot-Regatta zu verdanken ist. Nicht vergessen sei auch Jürgen Bergström, der in der Werkstatt in kürzester Zeit Bootsschäden behob um Regattapausen zu vermeiden.

Die Speyerer Kirchboot-Regatta ist nach ihrer 3. Auflage nun eine Traditionsveranstaltung (in Wikipedia kann man sie auch schon finden). Die ersten Anfragen neuer Teams für 2011 liegen bereits vor.

(Quelle: Angelika Schwager, RGS Speyer)

Kirchbootregatta Speyer 2010: im Vordergrund die gelbe "Der Wikinger" des Karlsruher Rudervereins, im Hintergrund die frischgetaufte "Salier" der RGS Speyer. (Foto: Angelika Schwager)

Kirchbootregatta Speyer 2010: im Vordergrund die gelbe "Der Wikinger" des Karlsruher Rudervereins, im Hintergrund die frischgetaufte "Salier" der RGS Speyer. (Foto: Angelika Schwager)

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