. .

Günstiger Wohnraum wird immer knapper

29. Juni 2012 | 15:25 Uhr
Bild

Foto: Domenic Reiner

Karlsruhe (pas). In Karlsruhe wird zu wenig gebaut. Das klingt im ersten Moment etwas paradox, ist aber das Ergebnis einer aktuellen Studie des Pestel-Instituts. In fünf Jahren werden in der Fächerstadt und dem Landkreis rund 6 000 Mietwohnungen fehlen, so die Berechnung der Experten. Besonders kritisch: Die hohe Nachfrage treibt die Mietpreise in die Höhe, die Zahl der Sozialwohnungen sinkt Jahr für Jahr, bezahlbarer Wohnraum für Geringverdiener ist Mangelware. “Wir warnen schon seit geraumer Zeit vor dieser Entwicklung”, sagt Udo Casper, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Baden-Württemberg. “Gerade in Ballungsräumen hat sich die Situation deutlich verschlechtert.”

Zusätzlich angetrieben wird die Preisspirale von Sanierungsmaßnahmen, die zu großen Teilen auf die Mieter umgelegt werden. Elf Prozent der Kosten dürfen im Falle einer energetischen Sanierung auf die Jahresmiete aufgeschlagen werden. Viel zu viel, so Casper: “Die Sanierung ist ohne Frage wichtig. Aber neben der ökologischen muss auch die soziale Komponente betrachtet werden.” Beim aktuellen Modell zahlen Mieter quasi “in Raten” die Modernisierung aus eigener Tasche. Nach gut neun Jahren haben sie über die Miete die kompletten Kosten bezahlt, ab dann profitiert nur noch der Vermieter. Daher fordert der Deutsche Mieterbund Nachbesserungen. “Wir könnten uns vorstellen, die Mieterhöhung von den tatsächlich erzielten Einsparungen bei den Nebenkosten abhängig zu machen”, sagt Casper.

„Die Modernisierungswelle läuft erst richtig an“, sagt Udo Casper, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Baden-Württemberg. Neben dem Heranziehen der tatsächlichen Einsparungen bei den Nebenkosten zur Ermittlung des Mieteranteils, könne er sich auch eine Drittelung der Kosten vorstellen. „In diesem Fall würde je ein Drittel durch Fördermittel, Mieter und Vermieter getragen.“

Während die Bundesrepublik im sozialen Wohnungsbau viele Jahre eine Vorreiterrolle eingenommen hat, sinkt seit Mitte der 1980er die Zahl der Sozialwohnungen kontinuierlich. Allein von 2002 bis 2011 ging sie bei den im Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) organisierten Unternehmen, darunter die Karlsruher Wohnungsbaugesellschaft Volkswohnung, von rund 1,9 auf eine Million zurück.
In der Fächerstadt verloren beispielsweise einige Häuser der Volkswohnung im Stadtteil Oberreut kurz nach der energetischen Sanierung ihren Status als Sozialwohnung.
„Die Mieten sind mittlerweile für uns fast unbezahlbar“, klagt Anwohnerin Manuela Kurz. 2005 musste sie noch 302 Euro Kaltmiete für ihre 85-Quadratmeter-Wohnung berappen. Nach der Sanierung stieg die Miete 2009 um satte 111 Euro, zwei Jahre später folgte der Verlust der Mietpreisbindung und der nächste Preissprung auf nun knapp 500 Euro. Unter dem Strich bedeutet dies eine Erhöhung um 64 Prozent binnen sechs Jahren. „Viele sind seitdem ausgezogen“, sagt Kurz, die selbst auf der Suche nach einer anderen Wohnung ist.

Für unverhältnismäßig hält man bei der Volkswohnung die Preissprünge nicht. „Wir legen nie die vollen elf Prozent Sanierungskosten auf unsere Mieter um“, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage von Boulevard Baden. Vielmehr sei man bemüht, auf die Möglichkeiten der Mieter Rücksicht zu nehmen. Wie viele Sozialwohnungen bei der städtischen Gesellschaft in den vergangenen Jahren weggefallen sind, war vor Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen.

„Was wir an neuen Mietwohnungen brauchen, ist mit der derzeitigen staatlichen Wohnungsbauförderung nicht hinzubekommen“, sagt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, das für Stadt- und Landkreis Karlsruhe einen Mietwohnungsmangel von 6 000 bis 2017 vorhersagt. Er sieht die Politik nun in der Pflicht. In den vergangenen Jahren sei es „einfach zu unattraktiv“ gewesen, Mietwohnungen zu bauen – insbesondere im unteren Preissegment mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 5,84 Euro pro Quadratmeter. Diese hatten beispielsweise bei den 2010 von GdW-Unternehmen gebauten Wohnungen trotz hoher Nachfrage nur einen Anteil von 17 Prozent. Jeder Fünfte erhält laut Zahlen der Arbeitsagentur bereits jetzt „staatliche Leistungen zur sozialen Absicherung des Wohnens“.

Abgelegt unter: · · · · · ·
Zum Seitenanfang

  • die neue Welle Webradio
  • Boulevard Baden auf Facebook

  • Was trauen Sie dem KSC in der Zweiten Liga zu?

    Ergebnis ansehen

    Loading ... Loading ...