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Die Rückkehr des neunjährigen Gymnasiums

10. März 2012 | 15:55 Uhr
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Foto: Gerd Altmann/Pixelio.de

Region (mm). Erst in ein paar Wochen werden die ersten Abiturienten in Baden-Württemberg ihre Hochschulreife nach nur acht Gymnasialjahren abgelegt haben und nun kehrt das neunjährige Gymnasium zurück. Im Rahmen eines landesweiten Versuchs soll Modellschulen ab dem kommenden Schuljahr die Möglichkeit geben werden, “einen alternativen neunjährigen Weg zum Abitur am allgemein bildenden Gymnasium anzubieten”, heißt es in einem Schreiben des Kultusministeriums.

“Grundlage für die neunjährigen Züge ist der G8-Bildungsplan. Die Modellschulen können für ihre Konzepte unter verschiedenen Varianten wählen, an welcher Stelle sie zwischen den Klassen 5 bis 11 eine Dehnung einfügen wollen”, sagt der parlamentarische Staatssekretär im Kultusministerium, Frank Mentrup, im Boulevard Baden-Interview. “So kann eine Dehnung über die gesamte Strecke erfolgen oder auch speziell als Entlastung der Mittelstufe. Weitere Varianten sind möglich.”

22 Gymnasien sollen im Rahmen des Schulversuchs im kommenden Schuljahr mit neunjährigen Zügen starten, im Schuljahr darauf 22 weitere. In Frage kommen aber nur solche Schulen, die mindestens vier Züge pro Jahrgang anbieten. An den Versuchsschulen sollen in der Regel mindestens zwei G8- und zwei G9-Züge eingerichtet werden. ” In begründeten Einzelfällen ist auch die Antragsstellung und demnach die Einrichtung von G9-Zügen an kleineren Schulen möglich. Gymnasien mit weniger als vier Zügen pro Jahrgang können in der Regel nur als reine G9-Schulen an dem Modellversuch teilnehmen”, so Mentrup.

Im Südwesten wollen 51 Gymnasien rasch zu neunjährigen Gymnasialzügen zurückkehren. Es seien Anträge von 45 kommunalen Schulträgern eingegangen, teilte das Kultusministerium in dieser Woche mit. „Das Kultusministerium wird in einer Gesamtschau, insbesondere unter Berücksichtigung des regionalen und kommunalen Bildungsangebots und des pädagogischen Zuschnitts der Modelle, die Versuchsschulen auswählen“, so Mentrup. „Schulträger, die entgegen des Beschlusses des Kabinetts für mehrere Gymnasien einen Antrag stellten, mussten eine Priorisierung vornehmen.“ Das Ergebnis des Auswahlverfahrens soll noch vor der Anmeldefrist für weiterführende Schulen am 28. März bekannt gegeben werden.
Der Staatssekretär verweist darauf, dass es „kein Abitur zweiter Klasse“ geben wird. Vielen Eltern gehe es einfach nur um den Faktor Zeit, wie eine Umfrage unter Eltern einer Grundschule in Mosbach zeige. Etwa ein Drittel der Eltern bekundete demnach Interesse an einem neunjährigen Zug und nannte als Grund, dass mehr Zeit den Kindern gut täte – einerseits fürs Lernen, andererseits aber auch, um sich in Musik- oder Sportvereinen oder für sonstige außerschulische Aktivitäten oder in der Familie zu engagieren.
Wie groß das Interesse an G9 tatsächlich ist, lässt sich derzeit nicht beziffern. Möglicherweise müssen dann auch Schüler, die in neun Jahren zum Abitur gelangen wollen, zurückgewiesen werden. „Es besteht kein Rechtsanspruch auf Besuch eines G9-Zugs, sondern auf den Besuch eines Gymnasiums in Wohnortnähe. Hier gelten für den Schulversuch die gleichen Regeln wie sonst auch. Über die Aufnahme in einen G9-Zug entscheidet die Schulleitung. Bei großem Interesse an einer Modellschule können Schüler unter Umständen an eine andere erreichbare Modellschule gelenkt werden oder an eine Schule ohne G9-Zug. Wir werden uns auf jeden Fall bemühen, für jedes einzelne Kind eine gute Lösung zu finden.“
„Der Schulversuch ist eine Weiterentwicklung des Gymnasiums und nicht die Rückkehr zum früheren neunjährigen gymnasialen Bildungsgang“, sagt Mentrup. „Das G8, das auch weiterhin der Standard bleiben wird, funktioniert in vielen Gymnasien sehr gut. Die bisherigen Erfahrungen in den Schulen und die Rückmeldungen von Schülern und Eltern haben aber gezeigt, dass es auch Klagen über eine zu starke Verdichtung der Lerninhalte beim G8 gibt. Mit dem Schulversuch soll daher nun eine Alternative getestet werden.“
Nicht im Gegensatz, sondern als Ergänzung ist die geplante Gemeinschaftsschule gedacht. „Mit der Gemeinschaftsschule wird ein neuer Schultyp eingeführt. Es geht darum, soziale Unterschiede zu reduzieren und die Leistungen zu verbessern. Hier können Schüler länger gemeinsam lernen und sich dabei entwickeln. Die Kinder werden nicht von vorn herein aussortiert, sondern es bleiben die Wege zu allen Bildungsabschlüssen offen, auch zum Abitur.“

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