K.O. durch Alkohol
14. Januar 2012 | 15:00 Uhr
Foto: mattonimages.de
Karlsruhe (mia). Voll mit Erbrochenem, ohne Erinnerung und falls es ganz schlimm kommt verletzt oder missbraucht, wachen Feiernde immer wieder rund um Silvester, Fasching oder nach Straßenfesten auf. Das Schlimmste dabei, oftmals sind darunter auch Kinder und Jugendliche.
Mit zirka elf Jahren haben sie den ersten Kontakt mit Alkohol, mit 13 oder 14 Jahren erleben sie ihren ersten Absturz, so Experten. Nicht, dass das nicht schon schlimm genug wäre, die Trunkenheit wird ausgenutzt und kann zu Missbrauch oder Gewalttaten führen.
Etwas, das viele Eltern in diesem Zusammenhang mehr als beunruhigt – wobei schon allein der Alkoholkonsum mancher Jugendlicher erschreckend genug sein müsste – sind sogenannte K.O.-Tropfen. Immer wieder, auch an diesem Wochenende kursieren Gerüchte, dass Mädchen aufgrund der Verabreichung dieser Droge willenlos gemacht und vergewaltigt wurden.
Die Tropfen sind nahezu geschmacklos, eventuell ist im Getränk ein bitterer Geschmack festzustellen. Was das beim Opfer bei Einnahme auslösen kann, ist eine Handlungsunfähigkeit, Willenlosigkeit, rund drei bis vier Stunden tiefer, plötzlicher Schlaf bis unter Umständen eine lebensbedrohliche Bewusstlosigkeit und Filmriss.
Michael Melcher, Leiter der Abteilung Sexualdelikte bei der Karlsruher Polizei gibt teilweise Entwarnung. In Karlsruhe sind bisher keine Fälle von K.O.-Tropfen in Verbindung mit einem Sexualdelikt bekannt. Als viel problematischer wird der generelle Alkoholkonsum der Jugendlichen angesehen. Die Jugendlichen sind k.o. durch den Alkohol, nicht durch K.O.-Tropfen.
Die Angst vor K.O.-Tropfen ist aber vorhanden, so Melcher. Immer wieder kämen Mädchen zur Abteilung für Sexualdelikte und geben an, das sie “wohl” etwas ins Glas gemischt bekommen hätten.
Oftmals sind die Verdachtsmomente in Richtung der K.O.-Tropfen nach genauerer Untersuchung hinfällig und es handelte sich vielmehr um extreme Alkoholexzesse oder die Einnahme anderer Drogen durch die Betroffenen. Manchmal kommen die Betroffenen aber auch zu spät zur Polizei. Dann ist der mögliche Drogennachweis nicht mehr zu erbringen. Urin- und Bluttests müssen innerhalb von sechs bis zwölf Stunden vorgenommen werden.
Generell bestehe immer die Gefahr, lässt man sein Glas unbeobachtet stehen, dass auch harter Alkohol oder andere Drogen ins Getränk gegeben werden können. Neben Sexualdelikten kann es dann auch zu Raub und Gewalttaten kommen.
So beobachte man auch, dass Wodka in Getränke gemischt werden, um Mädchen betrunken zu machen. Dies komme im Gegensatz zu den K.O.-Tropfen auch in Karlsruhe vor. Oder die Jugendlichen “peppen” ihre Getränke selbst damit auf, kennen aber ihre Grenzen nicht. Der Zustand, insbesondere der Mädchen sei dann “jenseits von Gut und Böse”, wodurch sie leicht zum Opfer werden.
Die Polizei appelliert an die Jugendlichen, nicht nur die Getränke im Auge zu behalten, sondern auch auf die Freunde zu achten. “Die soziale Kontrolle muss stimmen.” Eine Freundin, die einfach mit einem Fremden weggeht oder alleine zurück gelassen wird, das berge Gefahren.
Diese Probleme können bei jedem Diskothekenbesuch oder auf privaten Partys vorkommen. Nun steht aber Fasching vor der Tür und geht man vom letzten Jahr aus, muss auch 2012 wieder mit einem Anstieg von Alkoholexzessen gerechnet werden.
Die Gewalt- und Alkoholexzesse zogen sich in der vergangenen Narrenzeit wie ein “roter Faden” durch alle Umzüge und Veranstaltungen. Dass man dieses Problem, ob Fasching oder zu anderen “Jahreszeiten”, nicht sofort vom Tisch bekommt, wissen alle, die damit zutun haben.
So sind Eltern, Lehrer aber auch die Vernunft der Jugendlichen selbst gefragt, an die Polizei und Jugendschutz immer wieder appellieren.
Mit der Polizei wird die Drogenhilfe Karlsruhe auch in diesem Jahr mit Jugendschutzteams unterwegs sein und versuchen, durch die Kontrolle, größere Probleme zu verhindern. Zusätzlich gibt es das neue Präventionsprogramm “Tom & Lisa”, das auf Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren abgestimmt ist.
Kommt dieser Appell aber nicht in den Köpfen der gefährdeten Jugendlichen und auch bei den Eltern an, dann sind weitere Probleme vorprogrammiert.
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Ein Kommentar
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So lange die Gesellschaft der Alkoholindustrie erlaubt, im Rahmen des hehren Grundsatzes der Wirtschaftsfreiheit, ihren Hunger nach Umsatzwachstum auszuleben, wird es kaum Besserung geben. Erziehung, Aufklärung nützen erwiesenermassen nur wenig, die werden auch schon seit über 100 Jahren versucht.
Wirklich Abhilfe würden die politischen Massnahmen schaffen, die von der Weltgesundheitsorganisation mit ihrer Resolution für eine globale Alkoholstrategie 2010 propagiert wurden. Unsere Regierungen, die sie mit unterzeichnet hatten, liessen sie umgehend in den Schubladen verschwinden.