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Gabriela Büssemaker über ihren Abschied, die negativen Seiten des Amtes und ihre Pläne

16. Oktober 2011 | 7:59 Uhr

Acht Jahre war Gabriela Büssemaker Oberbürgermeisterin in Ettlingen. Foto: Stadt Ettlingen

Ettlingen (bif). Acht Jahre waren ihr genug: Gabriela Büssemaker hatte im vergangenen Jahr verkündet, nicht mehr für das Amt der Oberbürgermeisterin anzutreten. Am Donnerstag geht ihre Zeit als Ettlinger Rathauschefin zu Ende. Boulevard Baden hat mit der 56-Jährigen über ihre Amtszeit und ihre Pläne gesprochen.

Ihre letzten Tage im Amt als Oberbürgermeisterin. Was werden Sie am meisten vermissen?

Gabriela Büssemaker: Ettlingen (lacht).

Sie bleiben aber hier wohnen?

Büssemaker: Zunächst. Wir behalten den zweiten Wohnsitz hier und kommen auch wieder zurück. Nur soviel: wir ziehen aus Baden weg. Ich werde Ettlingen und Baden vermissen, weil Ettlingen die Stadt für Genießer ist. Wie hatten gerade Freunde da aus Kiel, die auch meinten: das Wetter ist schön, die Menschen sind angenehm, das Essen ist lecker.

Und bezüglich Ihres Amtes?

Büssemaker: Ich habe bislang alle sieben bis acht Jahre etwas Neues gemacht. Es ist ein bisschen Abschied nehmen von vertrauten Personen, dem näheren persönlichen Umfeld, den Amtsleitern, mit denen man viel zusammengearbeitet hat. Aber auch andere, Institutionen, Kirchen, Vereine. Aber auf der anderen Seite ist es ein Neuanfang. Und darauf freue ich mich.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Büssemaker: Das bin ich viel gefragt worden. Ich habe einen neuen Stil in die Stadt gebracht. Vor meiner Wahl hatten wir andere Verhältnisse und eine andere Gesellschaft. Durch meine Wahl hat sich beides in Ettlingen etwas verändert. Wir haben mehr Fraktionen im Gemeinderat, wir sind nach meinem Empfinden demokratischer geworden. Ich bin kein Mensch, der sich ein Denkmal setzen möchte mit einer Straße oder dem Schloss, sondern ziele eher auf die weichen Dinge ab wie Demokratisierungsprozesse, Dialog mit den Bürgern oder den Leitbildprozess. Ich habe versucht, mehr Transparenz in Abläufe zu bringen und Sachen zu hinterfragen. Darauf bin ich stolz, zum Beispiel wurde mal gelobt, dass die Verwaltungsvorlagen sehr viel verständlicher für Normalbürger wurden. Vielleicht deshalb, weil ich nicht aus der Verwaltung komme und einen anderen Blick habe.

Was hat Ihnen an Ihrem Amt am wenigsten zugesagt?

Büssemaker: Der Verlust der Privatsphäre. Nicht nur meiner, sondern die der ganzen Familie. Das war mir in dem Maße nicht bewusst. Das war früher vielleicht anders. In unserer Gesellschaft hat sich vielleicht allgemein sehr verändert, dass man bekannten Persönlichkeiten keine Privatsphäre mehr lässt.

 

Gabriela Büssemaker beim Ettlinger Fastnachtumzug in diesem Jahr. Foto: Nikolaj

Gab es zu viele Termine und zu viel Druck?

Büssemaker: Nein, das weiß man, wenn man dieses Amt übernimmt. Damit habe ich keine Probleme. Man wird natürlich sehr fremdgesteuert und kann sich seine Termine nicht selbst legen. Da geht auch mal ein Geburtstag eines Freundes verloren, weil man als Stadtoberhaupt die Pflicht hat, Termine wahrzunehmen. Man kann zwar ein bisschen delegieren, aber so viel geht dann doch nicht.

Und das Thema, dass Sie es nicht allen recht machen konnten?

Büssemaker: Auch das weiß man. Man weiß, man kann es nicht 100 Prozent der Bevölkerung oder der Gemeinderäte oder wem auch immer recht machen. Aber immer einer Mehrheit! Darauf bin ich auch stolz. Im Prinzip sind 98 Prozent meiner Vorlagen für den Gemeinderat in meinem Sinne entschieden worden. Manchmal wurden sie ein bisschen abgeändert, aber damit kann ich leben. Das ist Demokratie. Die Entscheidungen waren von Vernunft geprägt und nicht von Parteipolitik.

Nehmen Sie nun erst mal eine Auszeit?

Büssemaker: Ich mache erstmal Pause – zwei, drei Monate. Ich will Bücher lesen und mich ausruhen – mal ausschlafen (lacht). Und vielleicht auch Urlaub machen. Ich möchte etwas mehr private Zeit haben für Mann, Kinder, Enkel, für meine Mutter. Und ich möchte mein Leben wieder mehr selbst bestimmen können und auch mal Wochenende haben.

Wohin es nach Amtsende geht und welche Herausforderungen nach dem Job als Rathauschefin folgen verrät Gabriela Büssemaker noch nicht.

Wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus?

Büssemaker: Ich sage nichts über meinen künftigen Job, weil die Rahmenbedingungen das nicht erlauben. Ich habe Vertraulichkeit zugesichert und halte das ein. Der Arbeitgeber wird das selbst bekanntgeben Ende des Jahres.

Aber es ist schon alles in trockenen Tüchern?

Büssemaker: Ja. – Aber in spätestens acht Jahren komme ich wieder.

Als Oberbürgermeisterin?

Büssemaker: (lacht) Nein. Zur Rente. Ettlingen ist so schön, dass wir uns das als Ruhesitz vorstellen könnten. Überwiegend war es eine sehr schöne und positive Zeit und wir haben viele positve Erinnerungen an Ettlingen, die Region und die Menschen.

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