. .

Appell für möglichst zentrale Betreuung von Frühchen

11. April 2011 | 14:47 Uhr

Stuttgart (bb). Der medizinische Fortschritt macht’s möglich: Über 500 Kinder kommen pro Jahr in Baden-Württemberg mit einem Gewicht unter 1000 Gramm auf die Welt, Tendenz steigend. Der Durchschnitt aller Neugeborenen liegt bei etwa 3400 Gramm.

In einem gemeinsamen Appell haben Ärzte, Elternvertreter und die Techniker Krankenkasse (TK) Politik, Ärzte und Eltern nun dazu aufgerufen, bei der Versorgung dieser Frühchen allein medizinische Kriterien gelten zu lassen. “Andere Faktoren, wie etwa politische Standortfragen oder finanzielle Interessen der Kliniken, aber auch der verständliche Wunsch der Eltern nach einer möglichst wohnortnahen Betreuung, dürfen keine Rolle spielen”, sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg, heute in Stuttgart.

Unterzeichner des Appells sind unter anderem die Chefärzte der geburtsmedizinischen Abteilungen in den Unikliniken Ulm, Heidelberg, Tübingen und Mannheim sowie des Olgahospitals Stuttgart. Getragen wird der Aufruf zudem von den Kinder- und Jugendärzten im Südwesten und dem Landesverband früh- und risikogeborener Kinder.

Hintergrund des Appells ist die kontrovers geführte Diskussion, wo extreme Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1250 Gramm zur Welt kommen sollen. Insbesondere kleinere Geburtskliniken im Südwesten wehren sich massiv gegen eine Richtlinie, die solche Geburten auf Kliniken begrenzen will, die mindestens 30 Frühchen in dieser Gewichtsklasse vorweisen können. Elf Kliniken aus Baden-Württemberg haben gegen diese Vorschrift geklagt und vom Landessozialgericht Berlin/Brandenburg Recht bekommen.

Nach dem vorläufigen Scheitern dieser Vorgabe sehen die Unterzeichner des Appells die Gefahr, dass bei der Geburt von Frühchen nun zu wenig darauf geachtet wird, wie viel Erfahrung die jeweilige Geburtsstation damit hat. “In Baden-Württemberg gibt es ausreichend Geburtszentren mit großer Erfahrung und Routine im Umgang mit dieser medizinischen Extremsituation”, betonte Vogt. Die Eltern frühgeborener Kinder sollten daher nicht die Chancen für ein ganzes gesundes Menschenleben vermindern, indem sie auf ein Krankenhaus mit wenig Erfahrung vertrauen.

In dem Appell werden auch Krankenkassen, Arbeitgeber und Sozialbehörden in die Pflicht genommen. Von ihnen wird für die Eltern frühgeborener Kinder unbürokratische Unterstützung eingefordert, damit eine wohnortferne Frühgeburt möglich ist.

In Baden-Württemberg kommen pro Jahr rund 90.000 Kinder auf die Welt, davon rund ein Prozent mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm.

Abgelegt unter: ·
  • Mit dem „Facebook-Button“ können Sie den Artikel direkt an Ihre Facebook-Freunde posten.
  • Via Twitter veröffentlichen
  • In Google Bookmarks speichern
  • Per E-Mail weiterleiten
  • Artikel drucken
Zum Seitenanfang
    • Total Lokal

      Prüfen Sie, ob es aus Ihrem Ort aktuelle Nachrichten gibt!

    • Seite übersetzen

  • Die letzten Kommentare
  • Boulevard Baden auf Facebook
  • Über Facebook informieren wir unsere Leser über lokale Nachrichten.