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Tierheime erwarten mehr ausgesetzte Tiere zu Ferienbeginn – Zahl herrenloser Tiere insgesamt gestiegen – Köberle: Pflichten wahrnehmen –Von Matthias Jekosch-

31. Juli 2010 | 10:45 Uhr

Stuttgart (ddp-bwb). Zu Beginn der Sommerferien bereiten sich die Tierheime in Baden-Württemberg darauf vor, mehr ausgesetzte Tiere aufnehmen zu müssen. „Erfahrungsgemäß setzen die Leute in den Sommerferien mehr Tiere aus“, sagte die Vorsitzende des Tierheims Ulm, Dagmar Kaufmann-Widder, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Dieses Verhalten sei „nicht verständlich“. „Wenn ich mir ein Tier zulege, weiß ich doch, dass ich es in den Tagesablauf integrieren muss“, fügte sie hinzu. Dazu gehöre auch der Urlaub. In Baden-Württemberg haben die Sommerferien am Mittwoch begonnen.

Tierhalter sollten sich rechtzeitig um einen Platz für ihr Tier kümmern, wenn sie es nicht mit in den Urlaub nehmen können, rät Kaufmann-Widder. Im Tierheim gebe es beispielsweise eine Hundepension, die je nach Größe des Tieres zwischen zwölf und 18 Euro am Tag koste. Darüber hinaus vermittle das Tierheim auch Adressen von Personen, die bereit sind, auf ein Tier aufzupassen.

Laut Leiterin des Tierheims Stuttgart, Marion Wünn, werden aber nicht nur zu Beginn der Sommerferien verstärkt Tiere ausgesetzt. Diese Tendenz sei über das ganze Jahr hinweg zu verzeichnen. So habe das Tierheim im Jahr 2000 noch knapp 1700 Tiere aufgenommen. 2005 seien es bereits knapp 2100 Tiere gewesen. In diesem Jahr sei die 1000er-Grenze bereits im Juni überschritten worden. Wünn führt diese Zunahme auf einen „blühenden Markt“ im Internet zurück. Insbesondere Kleintiere würden oft unüberlegt gekauft, weil man die „schon in jedem Baumarkt“ bekomme.

Auch der Vorsitzende des Tierschutzvereins Mannheim, Herbert Rückert, sagte, dass mit Beginn der Urlaubszeit „das ein oder andere Tier“ ausgesetzt werde. Gravierender sei allerdings die Zahl der Tiere, die die Leute aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation abgäben. „Die können sich oft den Tierarzt nicht mehr leisten“, sagte Rückert.

Der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg, Herbert Lawo, sieht gerade ab Juni die Tendenz, dass Tierhalter ihre Tiere abgeben. Viele hätten sich zu Spontankäufen hinreißen lassen und dabei verkannt, dass sie den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht werden können. Mit Tieren müsse man eben Kompromisse eingehen und im Zweifel in die Schwäbische Alb oder an den Bodensee fahren, statt weit weg zu fliegen. Aber auch hier müsse man aufpassen. Lawo mahnte Tierhalter, ihr Haustier bei hohen Temperaturen nicht im Auto mitzunehmen. Auch sollten Tiere nie allein im Auto zurückgelassen werden.

Der Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle (CDU), rief Tierhalter dazu auf, die Pflichten gegenüber ihren Tieren wahrzunehmen und sie nicht ihrem Schicksal zu überlassen. Tierbesitzer sollten sich frühzeitig überlegen, ob sie ihr Haustier mit in die Ferien nehmen möchten und können. Katzen beispielweise würde ein Wechsel der Umgebung Stress bereiten. Demgegenüber sei Hunden die Bindung an Bezugspersonen wichtiger als das Umfeld.

Die Autobahnpolizeireviere im Land konnten zu Beginn der Ferien noch keinen Anstieg der Zahlen ausgesetzter Tiere verzeichnen. „Bei uns ist das kein Thema“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Freiburg, zu der die Autobahnpolizei Umkirch gehört. Auch bei der Autobahnpolizei in Karlsruhe gab es bisher nach eigener Aussage nicht mehr Fälle.

(Quellen: alle auf ddp-Anfrage oder in Mitteilung)

ddp/mje/lyh

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