Die tiefe Leichtigkeit aus Japan
3. März 2012 | 21:45 Uhr
Aus der Serie "Collections": die bemalten Nachtfalter reflektieren in vielfacher Brechung die menschliche Sammelleidenschaft.
Karlsruhe (hug). Unterschiedlicher könnten die Materialien nicht sein, mit denen die drei japanischen Künstler Mutsumi Aoki, Akihiro Higuchi und Aisaku Suzuki arbeiten: Papier, Tierkörper und Ton. In der neuen Ausstellung “Verwandlung”, die vergangenen Freitag im Museum am Markt eröffnete, gelingt eine verblüffende Gegenüberstellung ihrer Arbeiten.
Seit zwanzig Jahren lebt Mutsumi Aoki in Deutschland. In dieser Zeit hat sie eine Technik entwickelt, mit der sie aus Papier lebensechte Kleiderhüllen verschiedener Stilepochen schafft. Leere Kleider, die von ihren Trägern verlassen scheinen; man ertappt sich dabei, wie man als Betrachter darauf wartet, dass sie in ihre Hüllen zurückkehren. Als wäre der Träger nur mal kurz raus und als wäre die Seele noch da.
Akihiro Higuchi arbeitet mit Nachtfaltern, die er auf Insektenmessen kauft. Aber in seinen Arbeiten ist “Verwandlung” nicht die von der Raupe zum Schmetterling. In ironischer Brechung gibt er den eher farblosen Nachttieren ein farbiges Dekor, kleidet sie quasi neu.Wie er auch die Plastik-Grundkörper anderer Tiere, die eigentlich von Tierpräparatoren benutzt werden, im wahrsten Sinne des Wortes, bestrickend neu einkleidet.
Aisaku Suzuki schafft Keramiken aus rein ästhetischen Gesichtspunkten. Sie haben keinerlei Funktionalität, dienen keinem Gebrauch, sind Stationen auf der Suche nach der reinen Form oder “zum Stillstand gekommene Bewegung”. Sie kommunizieren mit Raum und Licht, verwandeln Sichtbares in Geheimnisvolles. Seine Serie zu Haikus des berühmten japanischen Dichters Bashô aus dem 17 Jahrhundert begleitet in minimalistischer Form die Texte, sind wie ein plastische Äquivalent zur fernöstlichen Tuschmalerei.
Alle drei Künstler erzählen Geschichten, ästhetische Geschichten, aber eher auf japanisch denn europäisch: das Angedeutete und Verborgene ist höher geschätzt als das Ausformulierte und Dargestellte. Man sollte sich Zeit nehmen als Besucher, denn das Subtile erschließt sich langsam. Die Ausstellung dauert bis zum 24. Juni 2012.
Ausstellung: Verwandlungen
Neue Sonderausstellung des Badischen Landesmuseums im Museum beim Markt „Verwandlungen. Künstler zwischen Japan und Deutschland“ (3.3. – 24.6.2012) . Fotos: Hubert Leonhard Graf

