Bachelor-Teilnehmerin Anja Polzer: „Die Zeit war die schönste in meinem Leben“
20. Januar 2012 | 8:32 Uhr
Eine der Kandidaten bei der RTL-Sendung "Der Bachelor": Anja Polzer aus Weingarten. Foto: RTL/Stefan Gregorowius
Karlsruhe (bif). Zusammen mit 20 anderen Frauen ist Anja Polzer aus Weingarten bei RTL angetreten, um von einem Junggesellen, dem „Bachelor“ – so auch der Titel der Sendung –, auserwählt zu werden. Boulevard Baden hat sich mit der 27-Jährigen getroffen, um herauszufinden, was so reizvoll ist, vor der Kamera um einen Mann zu buhlen.
Was hat Sie gereizt, im Fernsehen einen Mann zu suchen?
Anja Polzer: Ich habe mich nicht beworben, sondern wurde angesprochen. Und zwar im Sommer bei einer After Work-Party in der Majolika. Ein Team von RTL hat dort Leute gesucht und mich und meine Freundinnen angesprochen. Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, wie hoch die Chancen sind, wirklich teilnehmen zu dürfen. Man denkt: Wieso ich? Es ging aber schnell weiter. Wir haben Bilder hingeschickt, einen Fragebogen ausgefüllt und ich wurde dann zum Casting nach Köln eingeladen. Und irgendwann habe ich den Anruf bekommen: Anja, du bist dabei. Man kann das gar nicht glauben.
Wurden alle Teilnehmerinnen angesprochen?
Polzer: Nein, man konnte sich auch bewerben. Ich hätte mich aber niemals beworben. Fand es aber umso schöner, wenn man gefragt wird.
Da wurde man auch gefragt, ob man Single ist?
Polzer: Natürlich wurde man gefragt. Zu dem Zeitpunkt hat das gepasst. Ich war damals zwei-drei Monate Single.
Was wussten Sie vorab über die Sendung?
Polzer: Ich habe die erste Staffel geschaut und auch die „Bachelorette“. Mich interessiert so was, ich finde es spannend, wie sich die Charaktere verhalten. Ich bin aber froh, dass ich erst jetzt Teilnehmerin war: der Mann der ersten Staffel wäre überhaupt nichts für mich gewesen.
Hat der Bachelor besonders viel Geld oder ist er einfach nur ein schöner Mann?
Polzer: Es wird in den Medien manchmal so dargestellt, dass er Millionär wäre. Das stimmt aber nicht. Man sieht auch am Anfang der Sendung, wie er in die Villa in Südafrika einzieht, das ist nicht seine Villa. Es ist ein gut situierter Mann. Er hat ein abgeschlossenes Studium und einen guten Job. Dass er Millionär wäre, fantasieren sich die Leute gerne zusammen und schließen daraus, die Frauen die mitmachen seien geldgeil. Was nicht so ist.
Was winkt den Frauen?
Polzer: Wir haben eine Aufwandsentschädigung bekommen, weil wir in der Zeit kein Gehalt bekommen haben – ich hatte unbezahlten Urlaub – aber trotzdem die Miete zahlen mussten. Es gab kein Geld zu gewinnen. Es ging ja um das Thema Liebe und nicht um Geld.
Haben Sie also aus ernsthaften Gründen mitgemacht, als Weg, den Traummann zu finden?
Polzer: Es gab eine Art Entwicklung. Am Anfang war es just for fun. Man weiß nicht, was einen erwartet. Man kann nicht mit dem Gedanken hingehen, dort seinen Traummann zu finden. Das wäre blauäugig. Weil die Chance für uns Frauen, dass der eine Mann unser Traummann ist, sehr gering war. Aber je näher der Zeitpunkt gerückt ist, dass wir ihn kennenlernen, hab ich mir doch die Frage gestellt, ob er etwas für mich sein könnte, wie er aussieht – man spekuliert einfach und beschäftigt sich immer mehr mit dem Thema.
Und Paul hat Ihnen gleich gut gefallen?
Polzer: Er kam allein schon durch seine lustige, lockere und coole Art sehr gut bei mir an. Das schöne Äußere ist immer die eine Sache, aber jemand muss einem auch auf Anhieb sympathisch sein, damit man einen Draht zueinander findet. Das war auf jeden Fall so.
Über den „Traummann“ wussten Sie vorher wirklich nichts?
Polzer: Wir hatten keinerlei Infos über ihn. Sie haben nur gesagt, dass es ein cooler Mann ist, aber das kann man über tausend andere auch sagen.
Gedreht wurde in Südafrika. Wie lange waren Sie vor Ort?
Polzer: Das kann ich nicht sagen, sonst würde ich verraten, wie weit ich gekommen bin. Die Staffel wurde in sechs Wochen aufgezeichnet. Acht Folgen werden gezeigt, das kommt fast auf die Wochen hin, die gedreht wurde.
Mussten die Teilnehmrinnen, die keine Rose bekamen, also nicht weiter kamen, wirklich sofort abreisen?
Polzer: Ja, die mussten sofort abreisen.
Wie war die Stimmung unter den 20 Rivalinnen?
Polzer: Die Stimmung war wesentlich besser als gedacht. Ich hätte mir vorgestellt, wenn 20 verschiedene Frauen, verschiedene Charaktere aufeinandertreffen, dass es weitaus mehr Zickereien und Streit gibt. Es gibt einfach Sympathien und Antisympathien, die sind im normalen Leben da und auch in so einer Extremsituation – da ein bisschen gesteigert. Wir haben uns enorm gut verstanden und es sind auch Freundschaften entstanden. Zu einigen hab ich noch Kontakt.
In der Sendung geht es nicht um Freundschaften, sondern um Flirterei. Die Kamera ist immer dabei. Kann man dabei ungehemmt flirten?
Polzer: Anfangs muss man jeden Tag aufs Neue eine kleine Hemmschwelle überwinden. Aber irgendwann ist man so ungehemmt, dass man vergisst, dass man gerade gefilmt wird.
Wo ist die Hemmschwelle?
Polzer: Es ist für mich kein Problem, dass man mich ungeschmickt sieht oder mit zerzausten Haaren. Es ist viel authentischer, wenn man die Frauen sieht, wie sie wirklich aussehen und nicht nur super gestylt. Ich meine eher bei den Dates. Wenn man ein Gespräch mit Paul hatte, da war anfangs schon die Frage, über was man redet, weil alles gedreht wurde und die Kamera nahe dabei war. Aber irgendwann war man relativ befreit.
Manchmal spürt man eine Befangenheit bei den Gesprächen.
Polzer: Es gab auf jeden Fall kein Drehbuch. Wir haben darüber gesprochen, auf was wir Lust hatten.
Hatten Sie vorher Fernseherfahrung?
Polzer: Nein, einige hatten die, aber ich nicht.
War die Kamera wirklich immer dabei oder gab es auch mal richtig ungestörte Momente?
Polzer: Die Kamera war immer dabei. Alles andere würde dem Sinn einer Reality-Show widersprechen. Es war sogar unerwünscht, gerade mit ihm Gespräche zu führen, wenn die Kamera nicht dabei war. Weil der Zuschauer dadurch wichtige Themen verpassen oder später über etwas gesprochen werden könnte, wo der Zusammenhang fehlt.
In der ersten Sendung haben Sie gut abgeschnitten, in der dritten Sendung war Sissi im Fokus. Die Vorschau zeigt, nächste Woche sind Sie wieder im Vordergrund. Fühlt man sich da nicht etwas betrogen oder ist eifersüchtig, wenn Paul erst mit der einen, dann mit der anderen rummacht?
Polzer: Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin generell kein eifersüchtiger Mensch. Sonst könnte man die Sendung auch nur ganz schwer ertragen. Er hat sich mit der einen getroffen, dann mit der anderen, dann gab´s mit der einen einen Kuss, dann mit der anderen. Wenn man damit nicht umgehen kann, ist es schwer. Ich habe mir als ich dort war immer ins Gedächtnis gerufen, dass ich Teilnehmer eine Show bin. Ich wusste, was auf mich zukommt und ich wusste, dass der Fall eintreten kann, dass er mir gut gefällt, aber anderen auch und andere ihm gut gefallen können. Für mich war das kein Problem, für viele andere sicherlich. Gerade für die jüngeren. Ich war eine der älteren Kandidatinnen: Es kann eine Rolle spielen, dass man im Leben schon mehr Erfahrungen sammeln konnte und weiß, wie man sowas einschätzt und damit umgeht, um sich selbst zu schützen.
Schauen Sie sich die Folgen selbst an?
Polzer: Ja, alle zwei Mal. Einmal mit der Familie und Freunden und sonntags die Wiederholung alleine, ungestört. Ich wollte gerade bei der ersten Folge jedes Detail sehen. Die habe ich im Fitnessstudio gesehen. Als ich das erste Mal ins Bild kam, haben sich alle im Fitnessstudio umgedreht und gefragt: Sind Sie das? (lacht) Das war schon cool.
Sind Sie dabei sehr selbstkritisch?
Polzer: Ich sehe, wenn ich mich irgendwo verhaspelt habe und irgendwie komisch ausehe. Aber ich bin selbstbewusst genug um zu sagen, mein Gott, das hab ich eben gesagt oder so sah ich eben aus.
Und wie kommt die Sendung bei Freunden und Familie an, die Rivalität, die Lästerei?
Polzer: Es schauen alle, weil ich da mitmache. Die Sendung hat auch ein bisschen das Dschungel-Phänomen: Jeder sagt, er guckt es nicht, aber jeder schaut es. Natürlich ist es für die komisch, wenn über einen was geäußert wird. Aber bisher bin ich ganz gut davongekommen. Ich habe innerhalb der Sendung noch nicht viel negative Kritik einstecken müssen. Was in der nächsten Woche nicht besser werden wird nach meinem Einzeldate. Da werden sicher die ein oder anderen Sprüche kommen.
Ist es Ihnen dann unangenehm, dass alle zuschauen, wenn Sie Paul näherkommen?
Polzer: Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Meine Eltern und mein jüngerer Bruder schauen das mit an. Normalerweise macht man das im Kino oder draußen und niemand von der Familie schaut zu. Aber meine Eltern wissen, wie die Schritte sind, wenn man sich kennenlernt. Die sehen das ganz cool.
Sie sind schon längst wieder zurück, arbeiten wieder im Marketing. Ist also nichts geworden mit dem Traummann?
Polzer: Daraus kann man keine Rückschlüsse ziehen. Egal wer die Siegerin war, sie wird vorerst nicht in seiner Stadt sein und in seiner Stadt wohnen. Selbst wenn ich die Gewinnerin wäre, muss ich weiterhin arbeiten. Selbst wenn man im normalen Leben jemanden kennenlernt, zieht man nicht gleich nach vier Monaten in die andere Stadt.
Paul wohnt nach wie vor in Hamburg?
Polzer: Davon gehe ich aus. Ich habe nichts Gegenteiliges gehört.
Sie haben studiert, arbeiten nun im Marketing. Passt es zusammen, bei einer solchen „Unterschichtenshow“ teilzunehmen?
Polzer: Für mich passt das zusammen. Ich bin ein vielfältiger Mensch und Zwilling als Sternzeichen – denen sagt man nach, dass sie viele Facetten haben. Ich habe Lehramt studiert, mache bei einer TV-Show mit und arbeite im Vertrieb in der Bildverarbeitung. Privat bin ich ein ganz normales Mädchen, das gerne shoppen geht und solche Sachen macht. Egal für welche Schicht die Show gemacht wird, man erfährt über sich Beträchtliches. Die Zeit war die schönste in meinem Leben. Ich würde es jederzeit wieder machen.
Was haben Sie denn über sich erfahren?
Polzer: Man merkt, wie man sich in so eine Gruppe integrieren kann, wie man mit Konflikten in einer Extremsituation umgeht, wie man von anderen wahrgenommen wird, gerade von anderen Frauen. Das ist spannend. Und wie man damit umgeht, in so einer Rivalität zu sein und in so einer Auswahl und ein Stück weit in einem Kampf.
Geht die Fernsehkarriere weiter? Kommen Anfragen?
Polzer: Das darf ich jetzt noch nicht sagen.
Wäre das Dschungel-Camp was für Sie?
Polzer: Nein, das wäre nichts für mich. Die Prüfungen sind sehr ekelhaft. Da gibt man ein Stück seiner Würde ab. Aber wirklich entscheiden kann man sowas erst, wenn eine Anfrage kommt.
„Der Bachelor“ läuft über acht Wochen. Nervt es Sie bereits nach der dritten Folge, immer häufiger in Karlsruhe erkannt zu werden?
Polzer: Man muss es differenziert betrachten. Es ist toll, dass einen so viele Leute kennen und man so viele positive Rückmeldungen bekommt. Aber man hat sehr wenig Privatsphäre. Man wird im Fitnessstudio, beim Einkaufen, beim Ausgehen erkannt – ein normales Leben in der Öffentlichkeit ist im Moment nicht möglich. Ich möchte mich dann mit den Leuten auch unterhalten und Fragen beantworten. Im Moment macht mir das viel Spaß. Bislang war ich auch noch nicht in Facebook, auf Anfragen hin habe ich mir ein Profil und eine Fanseite zugelegt. Dort können die Leute mir schreiben und meine Bilder ansehen. Es ist wahnsinn, was alleine am ersten Tag passiert ist: knapp 100 Kontakte, also „Freunde“, und etwa 150 Fans. Man muss sich das mal vorstellen: Fans! Ich sehe mich noch als ganz normale Anja.
Die Vorschau bei RTL zeigt, dass am kommenden Mittwoch Paul und Sie sich näherkommen. Was bekommen die Zuschauer in der nächsten Folge zu sehen?
Polzer: Es war ein Date mit Helikopterflug, eine Gondel im Riesenrad und eine Limousine – alles an einem Tag. Es war ganz toll. Details sieht man in der Sendung.
Waren Sie zuvor schon mal in Südafrika?
Polzer: Nein, auch das war natürlich ein Traum. Ich reise total gerne.
Gab es auch freie Tage?
Polzer: Wenn wir lange gedreht haben, hatten wir am nächsten Tag frei.
Paul ist blond und blauäugig. Entspricht er dem Idealbild ihres Traummanns?
Polzer: Wenn ich von einem Ideal sprechen will, habe ich bisher immer auf dunkelhaarige Männer gestanden. Aber letztlich war ich immer mit Männern zusammen, die heller waren. Aber nicht so ganz hell wie Paul. Letztendlich macht einen Traummann ein Gesamtpaket aus. Jemand kann noch so supergut aussehen, wenn er eine doofe Art hat, kann ich nichts damit anfangen.
Auf was achten Sie zuerst bei einem Mann?
Polzer: Wichtig finde ich schöne Zähne und ein gepflegtes Erscheinungsbild, dass die Schuhe sauber sind. Wenn man sich mit einer Person unterhält kommen die Augen ins Spiel – das ist etwas Wesentliches. Und die Art, wie sich jemand verhält: ist er aufmerksam, hört er einem zu, wenn man was erzählt, schaut er einem dabei in die Augen. Das finde ich wichtig.
Wie würden Sie die Sendung „Bachelor“ mit drei Worten beschreiben?
Polzer: Abenteuerlich, traumhaft und (überlegt) – spektakulär.
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