. .

20. Europäische Kulturtage 2010

28. Januar 2010 | 12:15 Uhr
Bild

Karlsruhe (bla). Rote und grüne Paprikaschoten in Stacheldraht, der jedoch aufgeschnitten ist und einen Durchlass schafft – mit einem ungewöhnlichen und überraschenden Bildmotiv kündigen die Stadt Karlsruhe und das Badische Staatstheater die diesjährigen Europäischen Kulturtage an. Die Städte Budapest + Pécs stehen dabei stellvertretend für ein Land, dessen Kultur in unserem Verständnis stark geprägt ist von klischeehaften Assoziationen mit Paprika, Puszta, Piroschka und Pferden.

Ungarn war aber auch das Land, das bereits während des Volksaufstandes von 1956 für demokratische Werte und die Freiheit kämpfte, das Land, das 1989 den Zaun, d.h. die Grenze zwischen Ost und West öffnete und damit einen maßgeblichen Beitrag zur gesamteuropäischen Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert leistete.

Ungarn gehörte bis 1989 politisch zum Ostblock, war vom Selbstverständnis her aber eher westlich orientiert. In Ungarn trafen sich Ost und West im Urlaub am Balaton/ Plattensee. Das Ungarische wirkt dagegen für Nicht-Ungarn wie eine kaum erreichbare Sprachinsel. Ungarn befindet sich immer wieder “zwischen den Zeiten und Welten”. Auf dieses Motto und auf das Dazwischen richten die Stadt Karlsruhe und das Badische Staatstheater während des Festivals die Aufmerksamkeit.

Drei Wochen lang ist die aktuelle Kunst- und Kulturszene der ungarischen Hauptstadt Budapest und der Kulturhauptstadt 2010 Pécs in Karlsruhe zu Gast. Zusammen mit über 30 beteiligten Kulturinstitutionen und Kulturinitiativen wurden über 60 Programmbeiträge aus unterschiedlichen Kunstsparten erarbeitet, Veranstaltungen konzipiert und Kooperationen eingegangen. Das Spektrum umfasst Musiktheater und Konzerte, Ausstellungen und Schauspiel, Vorträge und Lesungen, Tanz und Ballett, Diskussionen und Filmprogramme, aber auch Projekte, die sich “zwischen den Künsten” bewegen. Denn so ungewöhnlich und überraschend wie das Plakatmotiv des Festivals gehen die Veranstalter in vielerlei Hinsicht neue Wege.

Ein Gastspiel der Ungarischen Staatsoper Budapest im Badischen Staatstheater Karlsruhe eröffnet die 20. Europäischen Kulturtage Karlsruhe mit der Oper “Blut-hochzeit”. Sándor Szokolay (*1931), einer der profiliertesten Komponisten Ungarns, hat nach dem gleichnamigen Drama von Federico García Lorca eine packende Oper geschrieben. Regie führt Balasz Kovalik, der gerade für das Nationaltheater München die Uraufführung von Eötvös’ “Die Tragödie des Teufels” erarbeitet. Mit Béla Bartóks “Herzog Blaubarts Burg” steht einer der großen Klassiker der Moderne auf dem Spielplan des Staatstheaters.

Generalmusikdirektor Justin Brown dirigiert den Abend – kombiniert mit Janáceks Zyklus “Tagebuch eines Verschollenen”- , Achim Thorwald besorgt die halbszenische Einrichtung. Darüber hinaus ist die Badische Staatskapelle im Rahmen der Sinfoniekonzerte mit Werken von Schumann, Kurtág und Bártok zu erleben. Auch die Hochschule für Musik Karlsruhe ist mit einem Konzertprogramm prominent vertreten.

Eine Besonderheit kennzeichnet die Arbeiten zum Ausstellungsprojekt “KunstUnter-nehmen”: zehn großformatige Skulpturen, die während der Europäischen Kulturtage im Schlossgarten ausgestellt werden, entstanden nicht in der Abgeschiedenheit der Künstlerateliers, sie entstanden in enger Zusammenarbeit mit Handwerks- und Gewerbebetrieben in und um Karlsruhe. 11 Karlsruher und Budapester Künstlerinnen und Künstler ließen sich von den Materialien und Ressourcen des jeweiligen Unternehmens inspirieren und realisierten ihre Arbeiten direkt vor Ort.

Aus der freien Szene Ungarns gastieren mehrere Schauspiel-Produktionen, die in der Insel, im Schauspielhaus des Staatstheaters, aber auch an ungewöhnlichen Orten, wie dem Fitness Studio Venice Beach und einer Container-Bühne auf dem Festplatz, spielen werden. Einer der Höhepunkte wird am 2. Mai stattfinden, wenn mit einem großen Chor-singen und über 800 Mitwirkenden an Ungarns Beitrag für ein in Demokratie ge-eintes Europa erinnert wird und bis in die Abendstunden die ungarische Lebensfreude auf dem Friedrichsplatz Einzug hält.

Das Ballett des Badischen Staatstheaters präsentiert die Wiederaufnahme des Ballettklassikers “Coppélia”, aus Pécs gastiert die Tanztheater Company Rita Gobi. Erstmals wird es während der Europäischen Kulturtage ein Festival-Café geben. Das KAfé Budapest im Club “Die Stadtmitte” bildet mit deutschen und ungarischen DJs, Partys und Schauspielprogramm des Badischen Staatstheaters einen Anlaufpunkt für junges Publikum. Ein besonderes Highlight dürften auch die “Anweisungen aus der Vergangenheit” werden, eine kulinarische Auseinandersetzung mit der Kulturgeschichte des Kochens. Den Abend konzipiert Arpad Dobriban, ein Meisterschüler des Video- und Medienkünstlers Nam June Paik.

Für junge bildende Künstler gibt es kein ‚Zwischen den Welten’ mehr. Diese These steht Pate für ein Ausstellungsprojekt der Kunstakademie, die 15 ausgewählte Studierende der Fakultät für Bildende Kunst in der Universität Pécs nach Karlsruhe einlädt und deren Arbeiten präsentiert. Junge Karlsruher Diplomanden werden der Universität Pécs im September im Rahmen von “Pècs 2010 Kulturhauptstadt Europas” einen Gegenbesuch abstatten. Dieser bilaterale Austausch lässt die Studierenden wie Betrachter schließlich die Frage beantworten, ob “Junge Kunst” tatsächlich “grenzenlos” ist. Der Badische Kunstverein zeigt in Kooperation mit dem unabhängigen Projektraum tranzit.hu aus Budapest eine gemeinsame Ausstellung und Veranstaltungsreihe.

Licht und Schatten, Schweres und Leichtes, Hohes und Tiefes – erlebbar wird vieles, was kulturell zwischen den Zeiten und Welten den Blick freigibt durch den ehemaligen Stacheldraht und – vorbei an den Klischees der Paprikaschoten – hineinführt in die aktuelle Szene in Budapest und Pécs. Der Kartenvorverkauf startet am Montag, 1. Februar 2010. Karten sind erhältlich bei der Theaterkasse des Badischen Staatstheaters und bei den beteiligten Kulturinstitutionen.

Info: www.europaeische-kulturtage.de

Abgelegt unter: · · ·
  • Mit dem „Facebook-Button“ können Sie den Artikel direkt an Ihre Facebook-Freunde posten.
  • Via Twitter veröffentlichen
  • In Google Bookmarks speichern
  • Per E-Mail weiterleiten
  • Artikel drucken
Zum Seitenanfang
    • Total Lokal

      Prüfen Sie, ob es aus Ihrem Ort aktuelle Nachrichten gibt!

    • Seite übersetzen

  • Die letzten Kommentare
  • Boulevard Baden auf Facebook
  • Über Facebook informieren wir unsere Leser über lokale Nachrichten.